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Ablehnung und Ausgrenzung: Bedeutungszuschreibungen, die das Bild vom Nahen Osten prägen
Je nach wissenschaftlicher Schule und nationaler oder auch historischer Bezogenheit changieren Begriffe, mit denen man unterschiedliche Formen von Antisemitismus zu erfassen versucht, inhaltlich erheblich. Die Untersuchung verwendet deshalb die entsprechende Begrifflichkeit, wie sie im deutschen wissenschaftlichen Diskurs als zur Zeit relativ konsensual gelten kann. Danach wird unterschieden zwischen rassistischem Antisemitismus, christlichem Antijudaismus, sekundärem Antisemitismus und Anti-Zionismus.
Um rassistischen Antisemitismus definieren zu können, muss zunächst der Begriff des Rassismus geklärt werden. Rassismus liegt dann vor, wenn im Diskurs Menschen und/oder Menschengruppen als „Rassen“ oder „Ethnien“ konstruiert werden, wobei dies unter Verweis auf biologisch-genetische und/oder kulturelle Merkmale geschieht, und negativ (oder auch positiv) bewertet werden. Diese Bewertung muss nicht explizit ausgesprochen werden; sie kann bereits in der Bezeichnung der betreffenden Menschengruppe konnotiert und kognitiv fest verankert sein. Antisemitismus wird üblicherweise in unterschiedliche Erscheinungsformen unterteilt, wobei sich alle diese unterschiedlichen Formen und ihre Begründungen auf Ablehnung und Ausgrenzung von Juden beziehen.
Hässlich und unversöhnlich: Rassistischer Antisemitismus
Rassistischer Antisemitismus liegt dann vor, wenn auf Juden als ein ‚Abstammungskollektiv’ mit (antijüdischen) Vorurteilen Bezug genommen wird. In diesem Begriffsfeld dominieren laut vorliegenden empirischen Untersuchungen die folgenden Zuschreibungen:
Auf den Körper bzw. „biologische“ Eigenschaften bezogen (biologistisch): triebhaft, hässlich, schwächlich, krumme Nase, Plattfüße, fett, gedrungen, klein, schwarzhaarig, lockig, etc.
Auf die Kultur und den Charakter bezogen (kulturalistisch): raffgierig, geldgierig, Wucherer, Schieber, Mauschel, blutsaugend, feige, fanatisch, rachsüchtig, rücksichtslos, aggressiv, militaristisch, unberechenbar, unversöhnlich, machthungrig, zerstörerisch, überheblich, falsch und hinterhältig, unheimlich, radikal, verschwörerisch, religiös-fundamentalistisch, heimatlos, kosmopolitisch, zersetzend, gerissen, schlau, intellektualistisch, karrieregeil, geschäftstüchtig, parasitär, feige, nachtragend, Kapitalisten, proletarische Aufrührer, Reichtum, etc.
Speziell auf Juden aus Osteuropa bezogen: Schmutzig, laut, roh, faul, arbeitsscheu, unproduktiv, kulturell rückständig, arm, etc.
Sie nutzen die Shoah aus: Sekundärer Antisemitismus
Sekundärer Antisemitismus liegt vor, wenn Juden der Vorwurf gemacht wird, sie nutzten die Shoah bzw. Auschwitz aus, etwa um sich zu bereichern, um ihre Interessen durchzusetzen, um eigene Taten zu rechtfertigen etc., so etwa wenn von der „Holocaust-Industrie“ die Rede ist. Weitere entsprechende Zuschreibungen können vorliegen in: unversöhnlich, nachtragend, raffgierig, verschwörerisch, lügenhaft, gerissen, schlau, profitsüchtig, geldgierig, etc.
Kindermörder: Christlicher Antijudaismus
Christlicher Antijudaismus liegt dann vor, wenn sich rassistischer Antisemitismus auf spezifisch christliche bzw. biblische Motive, Bilder, Begebenheiten oder Legenden im christlich-historischen Diskurs beruft.
Besonders sorgfältig sind also alle Anspielungen und Denotationen zu betrachten wie etwa Christusmörder, rachsüchtig, Brunnenvergifter, Kindermörder, Ritualmord, Ahasverus – ewiger Jude, Menschenopfer, Hostienschändung, Satan (weil nicht christlich getauft), Judensau, Auge um Auge.
„Zauberformel“ Anti-Zionismus
Anti-Zionismus liegt vor, wenn dem Staat Israel sein Existenzrecht bestritten wird bzw. zionistische Politik generell abgelehnt wird oder auch, wenn der Staat Israel als jüdischer Staat infragegestellt wird. Er muss besonders dann als antisemitisch eingestuft werden, wenn das Bestreiten der Existenzberechtigung Israels mit antisemitischen Begründungen einhergeht. Dies ist auch dann der Fall, wenn behauptet wird, in Deutschland würde eine Kritik an Israel sofort mit der „Antisemitismus-Keule“ quittiert werden.
Antizionistische Zuschreibungen liegen etwa bei folgenden Aussagen vor:
Eine Parteinahme für Israel gehöre, dank einer einflussreichen zionistischen Lobby, zu einer ‚gesinnungspolizeilich’ verordneten ‚political correctness’. Oder: Der Staat Israel sei ein ‚künstliches Gebilde’ oder ein ‚Staat aus der Retorte’. Auch Aussagen wie: „Ich bin kein Antisemit, finde die Besatzungspolitik der Israelis aber schlecht; die von Deutschen durchgeführte Vernichtung der europäischen Juden finde ich abscheulich, sie rechtfertigt aber nicht die israelischen Militäreinsätze gegen die Palästinenser“ gehören in diesen Bereich.
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