Gründe für die Absetzung

Peter von Frosta

Lieutenant Junior Grade
In einigen Punkten stimme ich den Einschätzungen schon zu, dass Star Trek ein wenig ausgelutscht war, und mitunter auch nicht mehr ganz zeitgemäß war, das lässt sich wohl kaum bestreiten. Im Endeffekt stehen wir ja jetzt wieder vor der gleichen Situation, mehrere Star Trek Serien parallel, Staffeln, die mit etwas mehr Vorbereitungszeit deutlich besser hätten werden können (Discovery Staffel 2 war einfach fürn Arsch) und die Probleme hinter der Kamera beim Produzententeam/Hauptschreiber sind hinlänglich bekannt.
 

Vulcan

Lieutenant
Also bzgl. des Problems im Produktionsteam bzw. durch die Einmischung des Networks stimme ich zu.

Bzgl. der "Müdigkeit" denke ich, dass immer Interesse an etwas Gutem besteht und Star Trek ein so breites Feld bietet, dass es immer genug Möglichkeiten für einzigartige Geschichten gibt - ganz besonders wenn aktuell nur eine Serie läuft. Und wenn die inhaltliche Qualität der Star Trek-Serien zumindest gleich geblieben wäre, hätten das auch genug Leute angeschaut. Stattdessen wurden die Geschichten in den letzten Jahren der 2. Star Trek-Periode (also VOY/ENT) immer mutloser und generischer; die einzige "Entwicklung" war der Versuch, mehr Mainstream zu machen, also mehr Action, Gewalt und enge Outfits der Hauptdarstellerin, dabei gleichzeitig viel mehr konservativere Haltung z. B. gegenüber Beziehungen und Sex. Hingegen hätte man die Stärken von Star Trek weiterentwickeln müssen. Ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber um mal nur einen sehr offensichtlichen Punkt zu nennen: ENT ist an keiner Stelle progressiver als TNG; da hätte man in 15 Jahren ja doch irgendetwas erwarten können.
Ich würde sogar sagen, dass selbst ein absoluter Klon von TNG, der ganz explizit keine neuen Geschichten zeigt, erfolgreicher gewesen wäre als ENT.*

* Persönlich fand ich die vierte Staffel von ENT ganz nett, weil sie als Fan-Service wirklich mal ein paar offene Enden verbunden hat, aber zugegebebenermaßen waren dann wiederum die Enden mancher Folgen (z. B. im Spiegeluniversum) doch eher substanzlos.

Und das selbe Problem ist ebenso bei den aktuellen Star Trek-Serien. Die bekommen keine schlechten Kritiken, weil es so viele auf ein mal sind (was ja aktuell auch gar nicht stimmt), sondern weil sie einfach schlecht sind.

Bzgl. der "Zeit": Ich schrieb das lustigerweise schon damals bevor ENT anlief hier im Forum: Wenn sie Star Trek (ein Jahr lang) pausiert hätten, wäre ENT dadurch nicht besser, denn die Verantwortlichen hätten dann nicht ein Jahr mehr Zeit gehabt daran zu arbeiten; die müssen auch ihren Lebensunterhalt verdienen. Und realistischerweise würden sie dann den Großteil wenn nicht alles der "zusätzlichen" Zeit mit anderen Sachen verbringen. Noch dazu müssten dann die bereits vorhandenen Strukturen und Sets zerlegt werden und ein Jahr später neu aufgebaut werden. Ich denke also kaum, dass Star Trek damals eine bessere Serie bekommen hätte, wenn sie nach VOY erst mal ausgesetzt hätten - die einzige realistische Alternative, die ich da sehe, ist, dass sie dann nach einem Jahr entschieden hätten, Star Trek komplett einzustampfen; es also ENT gar nicht gegeben hätte.

Noch krasser ist das bei den aktuellen Serien (besonders DIS). DIS hat seine zusätzlichen Zeiten ja sogar bekommen: Mehr als zwei Jahre für Staffel 1 und 16 Monate für Staffel 2 (und vor Corona war die geplante Zeit für Staffel 3 ja auch schon bei mindestens 16 Monaten) - für jeweils sehr viel kürzere Staffeln als früher**. Und nach allem, was wir wissen, wurden die Leute sogar durchgängig für die Arbeit an der Serie bezahlt; also nicht, dass sie sich anderweitig um Lebensunterhalt kümmern mussten, und dennoch ist das Ergebnis "einfach fürn Arsch". Ich glaube nicht, dass noch mehr Zeit hier auch nur einen Hauch geholfen hätte. Mein Eindruck ist, dass die Leute von DIS das ihnen best-mögliche abgeliefert haben; sie können es einfach nicht besser und wenn man ihnen 10 mal so viel Zeit gegeben hätte.

Was hätte helfen können, ist den Fokus anders zu setzen. Z. B. wurde für Staffel 1 unglaublich viel Aufwand in die komplette Umgestaltung der Klingonen und ihrer Kultur gesteckt, obwohl es bereits gut etablierte und geliebte Designs gab, die qualitativ zumindest nicht schlechter waren als das, was DIS abgeliefert hat. Und natürlich alle Uniformen mit Gold- und Silberkanten versehen usw. Das war alles vollkommen unnötige Zeitverschwendung; wenn man den Aufwand stattdessen in Autoren und Skript-Korrektoren gesteckt hätte... wer weiß, was dabei Interessantes hätte herauskommen können. Aber auf die Idee, den Fokus zu korrigieren wären die DIS-Leute auch mit zusätzlichen Jahren an Produktionszeit nicht gekommen.

** Tatsächlich haben Staffel 1 und 2 von DIS zusammen nur knapp mehr Folgen als eine Standard-Staffel der 2. Periode (29 gegen 26) bei fast vierfacher Produktionszeit.

Live long and prosper,
Vulcan
 

MrPicard

Lieutenant Junior Grade
Das einzige was wirklich IMMER konstant ist, ist der Aufschrei eines gewissen Teils des Fandoms. (Sorry, lol.) Ich finde es fast lustig, dass die, die jetzt lauthals schimpfen über DIS und PIC die sind, die damals genauso laut geschrien haben dass ENT langweilig ist und immer das gleiche. Okay, kapiert, ENT ist langweilig und immer dasselbe. Dann wird halt versucht, was Neues zu machen, was auch mit der Zeit geht und eben NICHT dem "langweiligen" alten 90er-Trek-Schema folgt - auch nicht recht, jetzt wollen die, die Rick Berman damals verteufelten und verspotteten ihn bittschön aber sofort zurück. KÄME er zurück würde es keine halbe Staffel dauern und die Leute würden wieder "laaangweiliiiig!" schreien. Ich als Fandom-Zuschauer frage mich mittlerweile wirklich, was das Star Trek Fandom eigentlich WILL. (Fragt man zehn verschiedene Trekkies was sie wollen, bekommt man zehn verschiedene Antworten, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass, egal was die Macher hinlegen, irgendeine Ecke des Fandoms IMMER hysterisch werden wird.) ;)
 

Vulcan

Lieutenant
Also, ich fühle mich wegen "die, die jetzt lauthals schimpfen über DIS und PIC" angesprochen, aber der gesamte Rest Deines Beitrages scheint meine Kern-Aussagen zu ignorieren - das ist etwas verwirrend, also hier im Detail:

Ich finde es fast lustig, dass die, die jetzt lauthals schimpfen über DIS und PIC die sind, die damals genauso laut geschrien haben dass ENT langweilig ist und immer das gleiche.
Da stimmt ja schon was nicht. Denn ich schimpfe ja nun über DIS und PIC wegen ihrer "Qualität", habe aber recht deutlich dargelegt, dass das Hauptproblem von ENT meiner Meinung nach eben nicht war, dass es zu sehr wie die Vorgänger war - spätestens die Aussage mit dem TNG-Klon dürfte das auch in meinem letzten Beitrag wohl sehr eindeutig gemacht haben.
Ebenso sind DIS und PIC nun leider nicht gerade innovativ oder "un-langweilig".

Okay, kapiert, ENT ist langweilig und immer dasselbe. Dann wird halt versucht, was Neues zu machen, was auch mit der Zeit geht und eben NICHT dem "langweiligen" alten 90er-Trek-Schema folgt
Auch das geht vollkommen an meinem Beitrag vorbei. Der grundlegende Fehler ist, dass Du fälschlicherweise das "alte 90er-Trek-Schema" mit "langweilig" gleichsetzt und alles, was noch nicht in Star Trek war (aber schon überall anders) als "neu" bezeichnest. Das ist schlicht falsch.
Für mich z. B. ist "immer dem letzten Trend nachjagen und das Kopieren was alle anderen die letzten 10 Jahre gemacht haben" das, was ich als "langweilig" bezeichnen würde.

Wenn man mir eine neue Star Trek-Serie präsentiert, dann möchte ich auch bekommen, was Star Trek ausmacht, d. h. mindestens:
- durchdachte Geschichten,
- neue bzw. ungewöhnliche Ideen, Innovationen,
- eine optimistische Zukunfts-Darstellung,
- Humanismus,
- Handeln nach Verstand statt Aberglaube/Schicksal.

Und offensichtlich ist etwas, was mehr oder minder alle gerade machen (oder vor zehn Jahren gemacht haben), nicht neu, nur weil es vorher in keiner Star Trek-Serie war. Wenn man also einfach vieles bisher in Star Trek dargewesene wegschmeisst, und stattdessen Mainstream-Elemente einsetzt (Oh, alle sind jetzt serialisiert, DIS muss auch serialisiert sein; oh, alle sind heutzutage gritty und fluchen, DIS muss auch gritty sein und fluchen; oh, alle machen gerade was mit Geheimdiensten und nehmen sich unglaublich erst; DIS und PIC müssen auch Geheimdienste bis zum Erbrechen behandeln und die Leute in DIS müssen sich so ernst nehmen, dass es weh tut; oh, alle machen gerade zusammenhanglose Szenen und scheren sich einen Dreck drum, ob es Sinn gibt; Abrams Trek muss auch ein einziges Logikloch sein), dann ist das nichts, was mit dem Prädikat "neu" im inhaltlichen Sinne zu besetzen ist.

Und nein, "anders als bisherige Star Trek-Serien" ist daher für sich genommen kein Pluspunkt, wenn man einfach den restlichen Mainstream nachahmt. Eine neue Star Trek-Serie muss - wenn sie gut aufgenommen werden soll -
1. So sein wie alle Star Trek-Serien; insofern als dass sie den Geist von Star Trek beinhalten muss (siehe oben oder einen der anderen Posts, die ich hier im Forum in den letzten Jahren verfasst habe, z. B. [2]);
2. Anders sein als alle (gegenwärtigen?) (Star Trek)-Serien; insofern als dass sie etwas Interessantes beinhalten muss und sich vom Rest abhebt.

Jetzt kannst Du sagen, dass diese zwei Punkte sich oberflächlich widersprechen; aber dieser Widerspruch ist halt wirklich nur oberflächlich - falls das aus dem jeweiligen Rest des Satzes unter dem jeweiligen Punkt für Dich noch nicht klar wird, lass mich das bitte wissen.

Und DIS und PIC sehen meiner Ansicht nach in beiden Punkten schlecht aus.

- auch nicht recht, jetzt wollen die, die Rick Berman damals verteufelten und verspotteten ihn bittschön aber sofort zurück.
Tja, da bin ich weder bei denen einen noch bei den anderen dabei. Aber besser als Kurtzman war Berman alle mal.

Ich als Fandom-Zuschauer frage mich mittlerweile wirklich, was das Star Trek Fandom eigentlich WILL. (Fragt man zehn verschiedene Trekkies was sie wollen, bekommt man zehn verschiedene Antworten, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass, egal was die Macher hinlegen, irgendeine Ecke des Fandoms IMMER hysterisch werden wird.) ;)
Und es ist auch immer Verlass darauf, dass ein Teil des Fandoms dann hysterisch wird, wenn jemand es wagt, dezidiert seine Meinung darzulegen, besonders wenn die neueste Kreation dabei berechtigterweise schlecht wegkommt wie es nun bei DIS und PIC der Fall ist. ;)

Aber nur weil - egal was man macht - immer irgendjemand ein Problem damit hat, ist es noch lange nicht egal, was man macht. Die Anzahl der Leute, die sich beschwert, der Sinngehalt der Begründung der Beschwerden und zu guter Letzt die Intention und Motivation der Beschwerden mögen extrem unterschiedlich sein.
Wenn sich zum Beispiel jemand beschwert, dass es einen schwarzen Hauptdarsteller gibt, dann ist diese Beschwerde halt Bullshit, den man ignorieren sollte. Wenn derjenige sich als Star Trek-Fan ausgibt, dann ist das wahrscheinlich sowieso nur eine Lüge, um mehr Gewicht in seine Propaganda zu bringen aka "A black woman as lead? I always loved Star Trek, especially the prequel trilogy on Gailfrey, but that is just too much! Be the force with Maythyou!", denn Star Trek war immer schon gegen White Supremacy als Vorreiter der Gleichberechtigung.
Aber wenn jemand sich beschwert, dass die neueste Produktion "dumbed-down" ist, der soziale Kommentar oberflächlich und ohne Substanz, dann finde ich sollte das ernst genommen werden, weil es immer ein wichtiges Charakteristikum von Star Trek war, soziale Themen nicht nur anzuteasern, sondern wirklich zu behandeln und nicht auf die Zuschauer herabgeblickt hat, sondern ihnen zugetraut hat, dass sie über soziale Themen nachdenken können und Analogien verstehen.

Live long and prosper,
Vulcan

[2] https://startrek-forum.doena-soft.de/threads/gesamtbewertung-staffel-1.17893/#post-215637
 
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