Tuvix

Vulcan

Lieutenant
Es wird hier im Forum und auch bei Fans aus dem Bekanntenkreis immer darüber gestritten, wie schlecht das aktuelle Star Trek ist und wie weit weg von Genes Vision. Dass es das alte ST gibt, das Gute, welches auch VOY und je nachdem wen man fragt sogar ENT beinhaltet und mit Nemesis gestorben ist.

Wenn ihr mich fragt, das "echte Star Trek" war mit dieser Folge im Jahr 1996 zu Ende. Es macht mich wütend, dass es diese Episode überhaupt gibt.
Na ja, einen signifikanten Unterschied gibt es ja noch: VOY wirft hier ein moralisches Problem auf und diskutiert es. Das Ergebnis und insbesondere die "Auflösung" sind unbefriedigend, aber immerhin wurde hier ein Problem diskutiert. Selbst das ist im aktuellen Star Trek ja schon gar nicht mehr zu finden (außer vielleicht in LD). Ich kann mich ehrlich gesagt jetzt schon kaum noch an irgendeine DIS-Folge erinnern, bin mir aber sehr sicher, dass da nichts dabei war, was in 20 Jahren noch irgendeine Diskussion auslösen könnte.

Das Hauptproblem an der Folge Tuvix ist eine Falsche Disjunktion in Janeways Handeln. Es wird behauptet, dass es zu dem gegebenen Problem nur zwei mögliche Lösungen gäbe: Tuvix töten oder Tuvok und Neelix "töten". Die Annahme, dass dieses die zwei einzigen Möglichkeiten sind, ist aber falsch.
Leider unterliegen wir oft dem Trugschluss der Falschen Disjunktion – politisch wird dieser ebenfalls sehr gerne gezielt eingesetzt.
In der Folge hätte man – wie chrisbergr schreibt – z. B. nach einer Lösung suchen können, alle drei zu retten. Das produktionstechnische "Problem" (keine weiteren dauerhaften Darsteller beschäftigen zu wollen) hätte man dann durchaus lösen können, indem Tuvix das Schiff danach verlässt, um "seinen eigenen Weg" zu finden - was durchaus Sinn ergibt, weil er nach der Rückkehr von Tuvok und Neelix ja nicht mehr die Chance gehabt hätte, sein Leben wie vorher fortzuführen.

@chrisbergr: Was mich interessieren würde, ist wie Du zu ENT: Transformation stehst und wie der Fall für Dich in TNG: Der unbekannte Schatten gelegen wäre, wenn der transformierte Geordi nicht freiwillig mitgekommen wäre, sie ihn aber trotzdem "eingefangen" hätten, wie sie es ja eigentlich vor hatten.

Also genereller: Was ist, wenn eine Person durch einen Vorgang (Unfall/genetische Manipulation/Gehirnwäsche...) verwandelt wird und danach nicht zurückverwandelt werden will? Im Prinzip fällt auch das Rückholen Picards von den Borg in diese Kategorie. Was ist mit Datas Gefangennahme und Rücksetzung in NEM? Oder Trois "Behandlung" in TNG: Der unmoralische Friedensvermittler?

Live long and prosper,
Vulcan
 
Zuletzt bearbeitet:

chrisbergr

Lieutenant Junior Grade
Ich hoffe, das Janeway niemals auf einen Trill trifft, das könne übel enden :)

@Vulcan:
Bei 'Der unbekannte Schatten' stellt es für mich so dar, dass LaForge und auch die anderen Betroffenen mit einem Parasiten infiziert wurden. Es wird (in meiner Erinnerung) gar nicht aufgeklärt, wie der in den Körper gelangte. Eventuell durch diese unischtbare Figur mit dem Schatten, die Geordi im Holodeck findet. Aber was ist mit dem Austenteam, welches ihn wieder zurück holt? Hätten die nicht auch befallen werden können?
Schwierig wird es auf jeden Fall an der Stelle, als es heißt, dass das die Art ist, wie diese Lebewesen sich reproduzieren. Am Ende lässt Picard ja noch Sonden in die Umlaufbahn platzieren, sodass keiner mehr dort hingeht und das durchmachen muss. Bei einer neueren, erwachseneren Überlegung muss ich da heute zu dem Schluss kommen, dass er faktisch eine ganze Lebensform aussterben lässt...
Wäre Geordi nicht freiwillig mitgegangen... Ich weiß worauf du hinaus willst. Die haben ja gesagt, dass er noch 2 Stunden (?) Zeit hat, danach wäre das unumkehrbar. Du hast klar gefragt, also entscheide ich mich für sie hätten ihn einfangen sollen und behandeln, da das nicht Geordis Wille war, sondern der des Parasiten. Aber mir ist bewusst, dass das hart an der Grenze des für mich argumentierbaren ist.

Das Grundkonzept von 'Transformation' ist ja ziemlich ähnlich, ein Volk kann sich nicht mehr fortpflanzen, erschafft desshalb ein Virus, dass andere Lebensformen so transformieren lässt, dass sie die selbe Biologie haben, um nicht auszusterben. Am Ende weigert sich Archer, den letzten Rest des Viruses zu vernichten, um nicht die ganze Zivilisation auszurotten, sondern noch etwas davon zu bewahren. Tritt diese restliche Probe eigentlich noch einmal auf, oder war es das mit dem Fade-to-Black auf dieser silbernen Box?
Die ganze Handlung ist natürlich so erzählt, dass es unbedingt sein musste, die Crewmitglieder wieder zu heilen. Da kann man jetzt natürlich philosophisch fragen, ob das hätte sein müssen. Überhaupt sind wir Menschen ja so geprägt, dass nach Jahrtausenden von Mutationen und Evolution wir jetzt einen Status Quo erreicht haben, der nicht mehr verändert werden darf. Sobald jemand mehr oder weniger Gliedmaßen oder Organe hat als die Norm, gilt er oder sie direkt als behindert und muss mit allen Umständen behandelt werden. Authismus ist eine Krankheit und so weiter... Vielleicht wären das aber einfach nächste Schritte der Evolution, die wir nicht mehr zulassen. Naja, solche Gedanken bekomme ich dabei :)

Bei den Borg sehe ich da kein Dilemma. Die Drohnen haben ihre Individualität verloren und keinen eigenen Willen mehr. Außerdem wurden uns die Borg als das ultimativ Böse vorgestellt. Dass Betroffene aber auch noch Jahre nach der Ausgliederung aus dem Kollektiv noch Probleme damit haben, ihre "Menschlichkeit" wieder zu erlangen, ist natürlich aber noch ein anderes Problem.

Und die Troi-Sache bei dem Friedensvermittler? Naja, ist das nicht etwas ganz anderes?
Also wie du schreibst generell Gehirnwäsche. Wenn man weiß, dass das der Grund ist, sollte man natürlich was dagegen tun.

Es ist immer die Frage, wie definiert ist, was ein eigenständiges Lebewesen/Bewustsein ist. -Und wer das definiert.

Aber ich glaube, vergleichbar mit dem Tuvix-Dilemma ist da nichts.

...durchaus lösen können, indem Tuvix das Schiff danach verlässt, um "seinen eigenen Weg" zu finden - was durchaus Sinn ergibt, weil er nach der Rückkehr von Tuvok und Neelix ja nicht mehr die Chance gehabt hätte, sein Leben wie vorher fortzuführen.
Nicht schlecht. Man hätte da so ein 2-3 Folgen-Ding draus machen können. Sie versuchen, zu koexistieren, haben aber ständig Konflikte. Und da er so verliebt in Kes ist, diese aber bei Neelix bleibt, erträgt er es nicht mehr, die beiden miteinander zu sehen und das ist dann der letzte Funken um den Entschluss zu treffen, irgendwo dort neue Wege ohne die Voyager einzuschlagen.
 

Peter von Frosta

Lieutenant Junior Grade
Das Hauptproblem an der Folge Tuvix ist eine Falsche Disjunktion in Janeways Handeln. Es wird behauptet, dass es zu dem gegebenen Problem nur zwei mögliche Lösungen gäbe: Tuvix töten oder Tuvok und Neelix "töten". Die Annahme, dass dieses die zwei einzigen Möglichkeiten sind, ist aber falsch.
Genau an dieser Stelle ist doch der Bullshit. Es gibt zu dem Zeitpunkt, zu dem Janeway scheinbar eine Entscheidung fällen muss weder Tuvok noch Neelix, sondern nur Tuvix. Die Notwendigkeit hier zu handeln stammt vollständig aus Produktionsgründen.
 

USS Nelame

Lieutenant
Die Folge war in meinen Augen eine der schwächeren Folgen von Voyager und dass ich sie nicht zu Voyagers schwächsten zähle sagt eigentlich schon alles über die (leider doch grottige) Qualität der Serie aus.
Wir haben in früheren Serien doch schon gesehen, dass Transporter dazu genutzt werden können, um Personen zu duplizieren - ich sage nur "der doppelte Riker". Das kombiniert mit der Trennung, die wir in "Tuvix" sehen hätte das Dilemma gelöst, Tuvix wäre am Leben geblieben und Tuvok inklusive Neelix wären wieder da gewesen. Wenn man sich schon keine neue Lösung für ein moralisches Dilemma aus den Fingern saugen will, warum orientiert man sich dann nicht am eigenen Universum für das man schreibt und produziert? Mir seit jeher unbegreiflich und daher auch eine denkbar schlechte Lösung am Ende, die Janeway nur zu einer Möderin stilisiert und als Charakter im Sinne einer moralischen Instanz untauglich gemacht hat.
Peinlich auch, dass es den Autoren von Voyager nicht gelang, daraus ein spannendes Charaktergespann zwischen Janeway und Chakotay herzustellen: Sie der kaltherzige Captain, der bereit ist, alles zu tun, um die eigene Crew zu retten und er der besonnende, moralisch in Werten verankerte "gute Geist", der sie stets wieder auf den rechten Pfad zurückholt. In dieser Form sehen wir es eigentlich nur in "Scorpion" und "Equinox".

Ach Mensch... Voyager hätte so gut sein können...
 
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