Bushs "Clear Skies Initiative"

Falke das Existenzminimum ist nicht subjektiv. Es umfaßt alles, was das Individium braucht um seine Arbeitskraft zu erhalten. Vereinfacht gesagt, alles was die körperliche und geistige Gesundheit erhält.
Subjektiv ist nur die Ansicht der einzelnen Gesellschaftsgruppen, welche Bestandteile nötig sind diesen Zustand zu erreichen.
 
@LarsT: geb dir im Grunde Recht, nur meinte Falke das wohl ein bisschen anders. In einer Gesellschaft wie der unsrigen mag mancher z.B. ein eigenes Auto zum Existenzminimum hinzuzählen, obwohl es zum Überleben gar nicht notwendig ist. Wobei ich aber auch der Meinung bin, dass sich das Existenzminimum schon nach den jeweiligen Gesellschaften richten sollte, insofern ist subjektiv hier ganz ok. Wer bewertet das? Das ist natürlich eine schwierige Frage, aber wäre auch lösbar.

@Falke:
die steigenden Reallöhne zur Zeit der Industrialisierung sind auf das Ansteigen der Produktivität zurückzuführen, aber entscheidend hierbei ist, dass der Anstieg ja den Leute zu sehr ungleichen Teilen zugute kam. Ich glaube, wir reden immer solange aneinander vorbei, als du alles nach zahlenmässiger Effizienz bewertest und ich Effizienz und soziale Gerechtigkeit in Einklang bringen will. Fakt war, dass ein Überangebot an willigen Fabrikarbeitern vorhanden war und die Arbeitgeber, da kein Schutz der Arbeiter über Gewerkschaften oder Gesetzgebung bestand, unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sahen. Sicher war das Leben auf dem Land zu der Zeit auch nicht erquicklich, aber die Situation verschlimmerte sich erstmal, bis sie dann langsam, einerseits aus humanitärem Gedankengut einiger weniger Unternehmer und der aufkeimenden Sozialgesetzgebung etwas eingebremst wurde. Also wenn man sich die "Hausordnungen" von damals ansieht, möchte man meinen, man hätte einen KZ-Bericht vorliegen...

Der Sozialist gibt dem Armen täglich einen Fisch um ihn zu sättigen, während der Liberale dem Armen eine Angel gibt und ihm zeigt wie man damit Fische fängt. Dabei ist noch zu beachten dass der Sozialist die von ihm verteilten Fische von Dritten bezahlen läßt und zur Verteilung der Fische eine Bürokratie für sich und seine Genossen errichtet, die dreimal so viel kostet wie die Fische.
Das letzte Mal zum Mitschreiben: keiner von uns will den Sozialismus, keiner von uns stellt die Marktwirtschaft in Frage, aber wir wollen nur lieber eine soziale als eine völlig freie!
Und nochwas: was tut der Angler, wenn keine Fische mehr da sind, weil ein Grosskutter den Fluss gerade leergefischt hat?

Um die Situation der Armen zu verbessern wäre meiner Ansicht nach eine andere Lösung sinnvoller:
Das Finanzamt könnte jedem Steuerpflichtigen, dessen Einkommen unter der Armutsgrenze liegt, die Differenz zum politsch gewünschten Mindesteinkommen ohne weitere Prüfungen überweisen. Im Gegenzug würde der Staat auf jede Einmischung ins soziale Leben verzichten. Alle Sozialbehörden könnten geschlossen werden, da es keine Armen mehr gäbe.
So würde der Staat Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit unterstützen.
Bleibt unter dem Strich das selbe: ich bezweifle, dass hier die Arbeitsmotivation grösser wird, eher im Gegenteil... ob auch genug Billigarbeitsplätze geschaffen werden können? Vilelleicht, will ich nicht ganz ausschliessen.

Wann hatte so etwas denn je dauerhaft Bestand?
Kennst du Microsoft? ;)

Die Situation der Armen war nie besser als in den Zeiten des freien Marktes. Wenn man aber erst mal damit anfängt, die zehn Prozent der Bevölkerung mit dem jeweils niedrigsten Einkommen \'die Armen\' zu nennen, dann wird es immer Arme geben, weil einige immer diese zehn Prozent sein müssen.
Wir rechnen ja nicht grundsätzlich immer die unteren 10% der Bevölkerung, damit wir was zum jammern haben, aber auch bei uns gibt es Leute, die betteln müssen, um überhaupt eine völlig unzureichende Ernährung zu bekommen, die kein Dach über dem Kopf haben und im Winter erfrieren! Während andere Kaviar-Empfänge veranstalten. Sorry, aber da krieg ich einen moralischen! Die gerechte Verteilung des Reichtums regelt der Markt nicht. Wie gesagt, schafft er es nichtmal, Chancengleichheit für alle herzustellen, der Staat hat hier auch versagt, aber ob es ohne nicht noch schlimmer wäre? Effizienz ist nicht alles, wir sind Menschen, die alle in einem Boot sitzen (eine kaputtgehende Erde) und so kann ich es nicht verstehen, wenn man so wenig an andere denkt.

Übrigens: Eine wichtige Ursache für diie oft angepranerte Ungleichheit in den USA sind die 16 Millionen Menschen, die in den vergangenen 20 Jahren zumeist aus armen Ländern einwanderten. Nimmt man diese aus der Statistik ist die "Armut" plötzlich verschwunden.
Die Schwarzen sind die letzten 20 Jahre eingewandert? Ist mir völlig neu! Armut: siehe meine Erklärung oben! Kann man nicht schönreden!

Zerstörung des Wachstums des Gesamteinkommens, von welchem die Hoffnungen der Armen wirklich abhängen
Und dann? Wer profitiert denn hauptsächlich vom Wachstum? Wie gesagt, Chancengleichheit usw. siehe oben.

mit dem Begriff in Zusammenhang mit dem Schulsystem hab ich Probleme. Ich erinnere da nur an die eine Simpsonsfolge... (Unterricht als Marktforschung)
Ansonsten interessante Theorie, aber das hat auch Denkfehler:
1. hängt die Wahl der Schule noch auf absehbarer Zeit von der räumlichen Distanz ab (man würde hier wohl im ländlichen weniger investieren, was wieder die Chancengleichheit verletzt, darauf folgt wieder starke Verstädterung usw.)
2. dass sich die Schulen aussuchen können, wen sie aufnehmen und wen rausschmeissen. Ich brauch wohl nicht zu sagen, dass dies instrumentalisiert werden kann, und das wohl wieder zu Lasten der kleineren Leute, die weniger Kontakte pflegen oder weniger zahlungskräftig sind etc. Also ein Schlupfloch für die von mir befürchtete Politik der Herstellung von Chancenungleichheit.

Edit:
ich bin leider die nächste Zeit schlecht abkömmlich, war nur hier wegen Krankheit. Also wär nett, wenn mich da jemand weiter vertreten könnte, ich bin wieder die ganze Woche unterwegs.
 
eine kaputtgehende Erde

Wo geht sie denn genau kaputt? :confused: :confused:


Sorry, aber da krieg ich einen moralischen

Moral ist, überspitzt gesagt, das Mittel desjenigen der sonst keine guten Argumente hat. :p ;)


und so kann ich es nicht verstehen, wenn man so wenig an andere denkt.


Tu ich doch! Es wird immer Menschen geben, die unverschuldet in Not geraten oder sogar von Geburt an auf fremde Hilfe angewiesen sind, wie z. B. geistig Behinderte. Hier hat sich aber erwiesen, daß kleine karitative Organisationen viel wirkungsvoller helfen als der Staat, da sie näher an den Bedürftigen sind, eine geringere Bürokratie haben und von den Spendern besser kontrolliert werden können. Hilfe für die Hilflosen muss sein. Das habe ich nicht in Frage gestellt.


weil ein Grosskutter den Fluss gerade leergefischt hat?

Ich wette dass der Grosskutter vom Staat subventioniert wurde!

wollen nur lieber eine soziale als eine völlig freie


1980 hatten wir in Deutschland 920.000 Sozialhilfeempfänger. 1996 waren es schon 2.420.000.
Warum diese enorme Erhöhung? Deutschland wurde in diesem Zeitraum weder von Kriegen noch von Naturkatastrophen heimgesucht. Die jahrzehntelange Herrschaft der SED hat zwar die Infrastruktur im Osten zerstört und damit echte Armut geschaffen. Das erklärt aber die Zunahme der "Hilfsbedürftigen" nur zu einem geringen Teil. Auch in den alten Bundesländern wächst die Zahl der Sozialhilfeempfänger ständig.
Die Sozialbürokratie schafft sich ihre Klienten doch selbst. Auf dem Markt gilt: "die Nachfrage schafft das Angebot", im Staatsbereich jedoch: "das Angebot schafft die Nachfrage". Wir leben doch in einem System, das Arbeit zunehmend besteuert und Nichtarbeit subventioniert. Ein sozialhilfeberechtigtes Ehepaar mit zwei Kindern im Alter von 13 und 15 Jahren bezieht monatlich ca. 80€ mehr als die vergleichbare Familie eines Metallarbeiters der unteren Lohnstufe. Da kann doch was nicht stimmen. Der Wohlfahrtsstaat schafft langfristig ein ekelhaftes, alles durchdringendes System von perversen Verhaltensanreizen dem sich kaum jemand entziehen kann. Er deformiert unaufhaltsam den Charakter.

Die Summe staatlicher "Wohltaten" ist in Deutschland seit 1960 um 1900% gestiegen. Über 1,2 Billionen Mark (600 Milliarden € ) wurden ende der 90er für Soziales ausgegeben. Jede dritte erwirtschaftete Mark.
Aber bewirkt das umgeleitete Geld wirklich gutes? Nope!
Das meißte Geld landet keinesfalls bei Behinderten, verarmten Alten, , chancenlosen Arbeitssuchenden und überlasteten alleinerziehenden Müttern. Die Subventionen und Sozialtransfers kommen der breiten Mittelschicht zugute. Nur ein drittel des Geldes für soziale Ausgaben landet bei den wirklich Bedürftigen. Der Rest geht in die Bezahlung von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen. :dead: :dead: :dead:
38 deutsche Behörden sind ganz oder Teilweise sind mehr oder weniger mit dem Verteilen milder gaben beschäftigt.
Aber es kommt noch härter: Die Freizeitvergnügen des Volkes gelten ebenfalls als förderungsbedürftig: So fließt Staatsknete u.a. an Karnevalsvereine, Sportvereine, Hundezüchtervereine. Stinkreiche Fußballclubs kassieren Gelder für den Bau prunkvoller Stadien. Suventioniert werden auch Opernhäuser und Sprachreisen in die Toskana.
Und das richtig miese daran ist, dass gerade die Menschen mit niedrigem Einkommen dafür aufkommen müssen.

Und wenn das Steuersäckel nicht mehr ausreicht um alle Wohltaten zu finanzieren nehmen Regierungen Kredite auf. Sie bedienen sich also bei den Kindern, die sich später mit überschuldeten Staatskassen befassen dürfen. In jeder 2. politischen Sonntagsrede ist von der ökologischen Verantwortung gegenüber späteren Generationen die Rede. Dass man Nachkommen auch ökonomisch die Zukunft verbauen kann wird im großen, gemütlichen Volksheim nicht so gerne gehört. (Gut, die SPD predigt das seit kurzem, echte Taten kommen aber nicht.)

Mit Blick auf diese Umverteilung bekommt die Penetranz des deutschen Wohlfahrtskartells einen ganz anderen Klang. Es geht in vielen Fällen schlicht und einfach nicht um die Linderung von Not, sondern um die Sicherung von Vorteilen. Es sind die Lauten, die Cleveren und Unverschämten die zu den Hauptnutzern des Sozialsystems gehören. Wer also zu den wirklich bedürftigen zählt und leise leidet hat da schlechte Karten. Als mitte der 90er am Sozialetat gespart wurde traf es die Pflegesätze für Schwerbehinderte und die medizinische Versorgung für Asylbewerber. Gruppen also, die - anders als die Freunde des verbilligten Opernbilletts - keine Lautstarke Lobby haben.

Aber was zum Teufel könnte man tun, um die real existierende Armut zu bekämpfen? Was empfehlen neoliberale Sozialarbeiter? Wie wäre es beispielsweise, wenn private, kapitalistische Unternehmen mit dem Wohlfahrtsmanagement Profite machen dürften? Dafür gibt es in den USA funktionierende Ansätze.

Und die wirklich Hilflosen könnten von privaten Organisationen versorgt werden. Echt glaubwürdig sind sozialpolitische Bemühungen ja ohnehin nur dann, wenn sie ehrenamtlich erfolgen und mit eigenen Mitteln finanziert werden.

... ob auch genug Billigarbeitsplätze geschaffen werden können
In den USA gibt es doch genug. Hierzulande wurden sie doch nur von den Gewerkschaften wegsolidarisiert. Nach dem Motto: Besser kein Arbeitsplatz als ein schlecht bezahlter. Das ist für mich unmenschlich.


Kennst du Microsoft?

leider

ich bezweifle, dass hier die Arbeitsmotivation grösser wird, eher im Gegenteil...

Warum?


Die gerechte Verteilung des Reichtums regelt der Markt nicht. Wie gesagt, schafft er es nichtmal, Chancengleichheit für alle herzustellen, der Staat hat hier auch versagt, aber ob es ohne nicht noch schlimmer wäre?

Woher willst du wissen, dass der Kapitalismus daran Schuld ist? Kann es nicht auch Staatsversagen sein? Ich glaube eher an letzteres.
 
Ich müsste eigentlich was lernen, aber darauf muss ich noch antworten.
Woher willst du wissen, dass der Kapitalismus daran Schuld ist? Kann es nicht auch Staatsversagen sein? Ich glaube eher an letzteres.
Der Staat hat es nicht besser gemacht, das ist, was ich gesagt habe, aber der reine Markt hätte das hier auch nicht geschafft. Oder glaubst du, dass es mehr Chancengleichheit in den USA gibt als bei uns? Die Division in Arm und Reich ist da noch extremer als bei uns. Kann sich ein armer dort einen Universitätsbesuch leisten?

Dass die Arbeitsmoral bei deinem System auch net besser würde (Niedriglöhne), stütze ich auf folgendes: ich habe ja dann unter dem Strich immer noch die selbe Kohle, auch wenn ich einen Job für 1000 und einen für 1200 Kröten annehme (gesetzt dem Fall, Mimimum ist auf 1500 Mücken festgelegt worden). Warum sollte ich dann einen für 1200 annehmen, der wahrschenilich auch mit mehr Arbeit verbunden ist?

In den USA gibt es doch genug. Hierzulande wurden sie doch nur von den Gewerkschaften wegsolidarisiert. Nach dem Motto: Besser kein Arbeitsplatz als ein schlecht bezahlter. Das ist für mich unmenschlich.
Liest du eigentlich meine Posts? Ich habe doch selbst gesagt, dass ich die Aktion der IG Metall im Hinblick auf das VW-5000-Projekt nicht gut gefunden habe. Es ging mir mehr darum, ob Billigjobs insofern geschaffen werden können, als dass sie auch Abnehmer finden. Billigjobs können natürlich den Arbeitern nicht die selbe Belastung zumuten wie bei den "normalen" Jobs.

Aber was zum Teufel könnte man tun, um die real existierende Armut zu bekämpfen? Was empfehlen neoliberale Sozialarbeiter? Wie wäre es beispielsweise, wenn private, kapitalistische Unternehmen mit dem Wohlfahrtsmanagement Profite machen dürften?
Ja, wie machen die denn Profite? Mit der Moral der Bürger, die sich engagieren? ich dachte Moral wäre "das Mittel desjenigen der sonst keine guten Argumente hat" (auf das komm ich nochmal gesondert zu sprechen)?

1980 hatten wir in Deutschland 920.000 Sozialhilfeempfänger.
Und vorher hatten wir keine soziale Marktwirtschaft hier? Das kaputte Deutschland un Vollbeschäftigung in den 60ern? Komm mir jetzt bloss nicht mit dem Argument, das wäre veraltet, dein Friedmann ist ja auch nicht mehr der frischeste. Scheinbar funkt das Prinzip aber. Die Anstiege der neueren Zeit sind auf Versagen der Politik in detailfragen zurückzuführen. Ja, die haben Fehler gemacht, schaffen wir doch gleich den ganzen Staat ab.

Aber es kommt noch härter: Die Freizeitvergnügen des Volkes gelten ebenfalls als förderungsbedürftig: So fließt Staatsknete u.a. an Karnevalsvereine, Sportvereine, Hundezüchtervereine. Stinkreiche Fußballclubs kassieren Gelder für den Bau prunkvoller Stadien. Suventioniert werden auch Opernhäuser und Sprachreisen in die Toskana.
Und das richtig miese daran ist, dass gerade die Menschen mit niedrigem Einkommen dafür aufkommen müssen.
Habe ich irgendwo behauptet, ich fände das gut? Das beweist nur eins: früher hatten wir scheinbar gute Politiker, heute nicht mehr.

Ich wette dass der Grosskutter vom Staat subventioniert wurde!
Schon vergessen? Monopole à la Microsoft?

Und jetzt mal gesondert zu deiner Meinung, Moral bäuchte es nicht:
du selbst sagst, man müsste den Hilflosen helfen. Das ist auch MORAL!!!!
Ich muss mich jetzt schwer beherrschen, dass ich nicht wieder ausfallend werde, aber diese Äusserung hat mich tierisch aufgeregt!
Schaffen wir die Moral doch einfach ab! Bin ich für, denn dann kann ich einfach meine Pump schnappen und alle über den Haufen bolzen, der mich blöd anschaut! Schöne neue Welt ohne Moral! Und selbst wiedersprochen hast du dir auch noch!
Und nochwas: du sagst mir, ich wüsste mir nicht anders zu helfen? Weisst du dir nicht anders zu helfen, als dass du solche hohlen Phrasen rauslassen musst? Ich habe eher den Eindruck, dass du dir nicht zu helfen weisst! Ich gehe auf jeden Punkt bei dir ein, aber in vielen Punkten, die ich genannt habe, vermisse ich eine Stellungnahme gänzlich oder es kommt so ein blöder Spruch wie oben. Hätt'ste nicht gedacht, dass mir das auffällt, oder?

Von mir aus in einer Woche kann es weitergehen, solange bin ich vorraussichtlich nicht in Zugang zu einem PC.

Edit:
das hätte ich jetzt fast vergessen
Wo geht sie denn genau kaputt? (Die Erde ist gemeint)
Das ist ja eigentlich so banal, dass man nicht antworten muss. Die anthropologischen Faktoren sind schon überall spürbar. Ob es Zufall ist, dass sich Naturkatastrophen jetzt so häufen (natürlich liegt das auch an der besseren Aufzeihnung, aber man kann es auch nicht ganz wiederlegen)
Es bezog sich aber v.a. auf die Situation der Menschheit insgesamt. In der dritten Welt, wo Wasser und Nahrung knapp sind, vermehren sich die Menschen am stärksten. Glaubst du die bleiben da still sitzen und warten, bis sie verrecken, während wir im Champanger baden? Da kommt nochmal was auf uns zu... (ja ich bin Pessimist, was das angeht...)
 
Bin nochmal über ein entsprechendes Kapitel zur Mindestlohnsetzung gestolpert, deswegen betreiben wir einfach mal Wirtschaftspolitik.

Falke, dein System der "Lohnsubventionen" soll ja darauf abzielen, dass sich ein Markträumungspreis einpendelt. Das Stellenangebot würde sich zwar nur bis zu einem Teil der benötigten Arbeitsplätze ausdehen, dafür würde aber auch die Stellennachfrage sinken, wenn der Marktlohn unterhalb des Mindestlohns liegt. Wenn so ein Marktgleichgewicht entstehen würde, würde theoretisch Vollbeschäftigung entstehen, da auch das Arbeitsangebot, bzw. die Stellennachfrage sinken würde. Bis hierher stimme ich noch zu (siehe meine Meinung zu VW), aber ich habe bei folgenden Faktoren bedenken:
geht der Marktlohn soweit zurück, dass der Lohn nicht mehr ausreicht, sich mit Obdach und Nahrung zu Versorgen, würde die Arbeitsangebotskurve anormal verlaufen, das Arbeitsangebot würde ausgeweitet. Folge wäre ein extremer Überschuss an Arbeitsangebot = Arbeitslosigkeit, zudem ein extrem niedriger Lohnsatz. Das ist fatal (man ist zwar immo weit weg davon, aber ganz auszuschliessen ist es nicht, dass mal wieder sowas passiert, z.B. infolge von riesigen Einwanderungsströmen). Insofern könnte man darüber nachdenken, einen Mindestlohn genau an dem Punkt im Grafen zu setzen, an dem sich das Arbeitsangebot umkehrt. Das würde bedeuten, dass im Normalfall keine Fehlallokationen wie jetzt (wo der Mindestlohn wohl zu hoch gesetzt ist) geschehen würden und im Ernstfall bei inversem Arbeitsangebotsverlauf diese Massnahme wohl sowohl Arbeitslosigkeit als auch Lohnsätze unter dem Existenzminimum verhindern würde. das war eine Theoretische Überlegung von mir, wenn ich Zeit habe, mach ich dazu einen Graphen, um das auch empirisch zu beweisen.
Das System der Lohnsubvention könnte man dann oberhalb dieser kritischen Grenze ansetzen. Wir sind uns einig, dass ein absolutes Existenzminimum (nur genug essen und Kleidung) in der modernen Gesellschaft immer noch zuwenig ist. Deshalb könnte man einen zweite Grenze im Graphen ziehen, z.B. da wo jetzt der Mindestlohsatz steht. Zwischen dem "kritischen Lohnsatz" und dem "sozialen Lohnsatz" (so nenne ich das jetzt mal) könnte man dann die Arbeit subventionieren, solange keine speziellen Einflüsse (wie übergrosse Zuwanderung, s.o.) eintreten.
Ein Problem sehe ich aber noch in dem, was ich oben schon geschrieben habe. Differenziert man den Arbeitsmarkt etwas mehr aus, in mehrere Einzelmärkte, so wird man evtl. zwei verschiedene Märkte für zwei verschiedene Arbeitsbereiche kriegen, die beide unter dem "sozialen Lohnsatz" liegen. Der eine Markt ist mit mehr Arbeitseinsatz für den Arbeiter verbunden als der andere, gleichwohl bekommen die Arbeiter auf beiden Märkten durch die Subventionierung den gleichen Lohn. Zu erwarten wäre auch hier, dass auf dem einen Markt folglich ein Arbeitsangebotsüberschuss (und damit Arbeitslosigkeit) folgt, auf dem anderen ein Überangebot von Arbeitsplätzen. Folge: Fehlallokationen.
Deswegen sage ich: auch das ist nicht vorbehaltslos zu übernehmen.
Man könnte darüber nachdenken, andere Anreize für die schwerere Arbeit von staatlicher Seite zu sorgen, damit sich ein Marktgleichgewicht hier zumindest annähernd einpendelt. Das kann man aber hier nicht diskutieren, das wäre wohl zu komplex. Aber so scheint es mir ein recht gutes Mittel zwischen Effizienz und Gerechtigkeit zu sein, quasi eine "Kombilösung" aus den Extrem-Ansätzen zu schaffen.

Darum geht es mir:
ich vertrete keine Extrem-Positionen, weil sich extreme in so gut wie allen Lebensbereichen als ideologisch anziehungskräftig, aber praktisch doch mit einigen Fehlern erweisen.
 
Ich will mich ja nur ungern in diese Wirtschaftexpertenrunde einmischen, aber ich muss doch mal einen Kommentar ablassen.

@Falke
Das was du alles so beschreibst, ist meiner Meinung nach nur eine Seite einer Münze. Die Münze heißt "Schöne Theorie, Scheiß Praxis" und die andere Seite dieser Münze ist der Kommunismus.
Außerdem ignorierst du Erkenntnisse der Menschheit. Und zu denen gehört nun mal, dass Planwirtschaft genauso wenig funktioniert, wie freie Marktwirtschaft. Wenn du was verbessern willst - was du ja offensichtlich willst - dann solltest du auf der Basis dieser Erkenntnisse anfangen und nicht diese Anzweifeln. Was mich betrifft, kannst du hier noch so viele Beispiele und Zitate bringen, dass freie Marktwirtschaft funktioniert. Ich glaub es dir einfach nicht. Und ich denke, das geht jedem so, der es in der Schule komplett anders gelernt hat. Oder sind wir alle einer Vergangenheitsfälschung und Staatspropaganda verfallen?

Ich hätt dann doch noch was fachliches: Die Konjunktur. Erkennst du wenigstens an, dass sich Unternehmen und Haushalte pro-zyklisch verhalten? Müsste ja eigentlich schon sein, wenn du so ein Experte bist. Auf jeden Fall folgt daraus die Notwendigkeit eines sich anti-zyklisch verhaltenden Sektors. Und das ist nun mal nur der Staat.

Kurze Frage zum Schluss:
Bist du liberal und denkst du, dass das für die Realität gut ist?
 
Und jetzt mal gesondert zu deiner Meinung, Moral bäuchte es nicht:
du selbst sagst, man müsste den Hilflosen helfen. Das ist auch MORAL!!!!
Ich muss mich jetzt schwer beherrschen, dass ich nicht wieder ausfallend werde, aber diese Äusserung hat mich tierisch aufgeregt!


Lies erstmal genau was ich gesagt. Habe. Ich habe nicht gesagt, dass du keine anderen Argumente hast und ich habe mich mit keinem Wort generell gegen die Moral ausgesprochen. ich habe folgendes gesagt:

"Moral ist, überspitzt gesagt, das Mittel desjenigen der sonst keine guten Argumente hat. "

Das habe ich folgendermaßen gemeint:
Wer heute den Sozialstaat in Zweifel zieht, macht sich moralisch verdächtig. Hat er kein Herz für Arme? Umweht ihn der kalte hauch des Sozialdarwinismus? Gehört er zu jenen anarchokapitalistischen Staatsfeinden? Damit sowas erst gar nicht aufkommt, passen die Sozialexperten der Parteien, Gewerkschaften Kirchen und Wohlfahrtsverbände auf uns auf. Und das bringt mich auf die Palme. Die Gutmenschen hierzulande haben den Begriff Moral für sich gepachtet. Sobald jemand etwas gegen den Sozialstaat sagt wird er als "unmoralisch" oder "kaltherzig" abgestempelt. Das verhindert in der Öffentlichkeit jede Diskussion. Und da kommt wirklich oft nur das Argument "Moral". So kann man sich bequem als Retter der Schwachen und die Gegenpartei als neoliberale Hyäne abstempeln. Deshalb reagiere ich bei dem Begriff "Moral" sehr empfindlich. Die fortschreitende Moralisierung der Gesellschaft (das hab ich schonmal gesagt) ersetzt Verstand immer häufiger durch Emotionen und Humanitätsduselei.
Deshalb war das kein dummer Spruch, sondern eine zutreffende Beobachtung.


Und vorher hatten wir keine soziale Marktwirtschaft hier? Das kaputte Deutschland un Vollbeschäftigung in den 60ern? Komm mir jetzt bloss nicht mit dem Argument, das wäre veraltet, dein Friedmann ist ja auch nicht mehr der frischeste. Scheinbar funkt das Prinzip aber. Die Anstiege der neueren Zeit sind auf Versagen der Politik in detailfragen zurückzuführen. Ja, die haben Fehler gemacht, schaffen wir doch gleich den ganzen Staat ab.

Wenn wir den Staat minimieren würden hätten Politiker ja weniger Möglichkeiten Fehler zu machen und Unheil anzurichten. Gänzlich abschaffen will ich ihn natürlich nicht.

In der dritten Welt, wo Wasser und Nahrung knapp sind, vermehren sich die Menschen am stärksten

Armut und Überbevölkerung, die du scheinbar in einen Zusammenhang stellst, sind keinesfalls das gleiche. In den USA leben mehr Menschen pro Quadratkilometer als in Afrika. Die alten Bundesländer sind ebenso dicht besiedelt wie Indien, Italien dichter als Pakistan. Krasse Überbevölkerung herrscht in dem nicht gerade bettelarmen Monaco. Die allgemeine Konzentration auf das Thema "zu viele Menschen" verstellt manchmal den Blick auf ein anderes wichtiges Problem: Es gibt immer noch zuwenig Demokratie und Marktwirtschaft auf der Welt.

Und du scheinst ja auch zu glauben, dass Hunger und Elend immer mehr zunehmen. Das stimmt aber einfach nicht. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde in vielen Ländern gehungert. Es gab damals 2 Milliarden Menschen auf der Welt. Zur Jahrtausendwende gibt es mehr als 6 Milliarden Menschen, und es ist genug Nahrung für alle da. Hungerkatastrophen verschwanden nicht nur aus Europa und Amerika, sondern seit den 70er Jahren auch aus Asien. Die Hungersnöte, die in jüngster Zeit Afrika heimsuchten, etwa in Somalia, im Sudan oder in Äthiopien, waren die Folge von Bürgerkriegen und nicht von Nahrungsmangel auf dem afrikanischen Kontinent. Auch die Entwicklungsländer produzieren heute genügend Nahrung für jeden Bürger. Wenn dennoch in einigen Gebieten der Erde Hunger ausbricht, so liegt das nicht daran, dass nicht genügend Nahrung vorhanden ist, sondern an Staatsterror, Krieg oder Bürgerkrieg.
Insgesamt werden immer weniger Menschen Opfer von Hungersnöten. In der 90er Jahren sank sank die Zahl der Unterernährten in den Entwicklungsländern jährlich um 8 Millionen. Die durchschnittliche Nahrungsversorgung pro Kopf wird in den Entwicklungsländern seit Jahrzehnten immer besser. Doch zu viele Menschen bleiben von diesem Fortschritt ausgeschlossen. Durch Fortschritte in Landwirtschaft und Medizin wurden große Erfolge erzielt. Die durchschnittliche Pro-Kopf Versorgung mit Kalorien stieg von 1930 bis 1980 weltweit um 30%; in den armen Ländern sogar um 40% Damit nähert sich die durchschnittliche Lebensmittelversorgung in den Entwicklungsländern einem Niiveau, das Europa vorm 2. WK herrschte. Impfungen, Hygienemaßnahmen und erste Ansätze medizinischer Versorgung führten dazu, daß die Lebenserwartung besonders deutlich zunahm. Der dramatische Anstieg der Weltbevölkerung ist also weniger darauf zurückzuführen, daß sich die Menschen vermehren wie die Kaninchen, sondern vielmehr darauf, dass sie nicht mehr sterben wie die Fliegen.
Afrika ist kein verlorener Kontinent. Die globale Verelendungstheorie wurde oft genug widerlegt. Die grausamen Bürgerkriege in einigen Ländern überschatten das Bild. In anderen Staaten sind Demokratie und Marktwirtschaft auf Erfolgskurs.

Ob es Zufall ist, dass sich Naturkatastrophen jetzt so häufen (natürlich liegt das auch an der besseren Aufzeihnung, aber man kann es auch nicht ganz wiederlegen)

Es hat sich vielfach eingebürgert, Unwetter oder Überschwemmungen gleich dem Treibhauseffekt zuzuschreiben (hast du zwar nicht direkt getan, aber ich nehme an, dass du das meinst.) Doch selbst der Vorsitzende des Intergovernmental Panel On Climate Change (IPCC), unter dessen Dach sich bei der sich bei der UN die Klimawarner der Welt versammelt haben, tritt dem entgegen. Der Schwede Dr. Bert Bolin sagte, es sei Unsinn, derzeit jegliche Überflutungen, Dürren, Wirbelstürme oder andere extreme Wetterereignisse steigenden Temperaturen anzulasten. "Ein solcher Zusammenhang kann nicht erkannt werden" sagte Bolin auf einer Diskussion 1997 und
fügte hinzu: "Umweltaktivisten, die dies dennoch tun, traue ich deshalb nicht". Eine Gruppe von IPCC-Forschern berichtet darüber hinaus, dass bei Hurrikanen und Wirbelstürmen eine abnehmende Tendenz zu beobachten ist. Auch in der Nordsee konnte keine Zunahme der Sturmhäufigkeit festgestellt werden. Dürren oder Überschwemmungen sind auf Wetterlaunen oder Naturereignisse zurückzuführen - nicht auf einen Klimawandel.
Andere vermeintliche Indikatoren für häufigere Unwetter erweisen sich bei nähere Betrachtung ebenfalls als übertrieben. So diente eine spektakuläre Schadensmeldung der Münchener Rückversicherung vielfach als Beleg für den verhängnisvollen menschlichen Eingriff in das Klima. Danach war 1995 durch Naturkatastrophen ein ungewöhnlich hoher Volkswirtschaftlicher Schaden von ca. 180 Milliarden Dollar enstanden. Was verschwiegen wurde: Allein 100 Milliarden Dollar dieser Summe entfielen auf das Erbeben in Kobe. Das Versicherungsunternehmen äußert sich inzwischen zurückhaltender. Gerhard Berz, Leiter der Forschungsabteilung der Versicherung, führt die steigenden Schadenssummen in erster Linie auf die dichtere Besiedlung, den steigenden Lebensstandard und die wachsende Bevölkerung zurück. Einfach gesagt: Wo früher ein Hurrikan über unbesiedelte Klippen hinwegfegte, nimmt er heute womöglich eine Siedlung von Luxusferienhäusern Huckepack.


Ich gehe auf jeden Punkt bei dir ein, aber in vielen Punkten, die ich genannt habe, vermisse ich eine Stellungnahme gänzlich

Also ich habe noch nicht gemerkt, dass du auf jeden meiner Punkte eingehst. Aber es stimmt, dass ich nicht auf jeden deiner Punkte eingehe. Das liegt daran, dass ich den Eindruck habe dass eine weitere Stellungnahme nicht nötig ist, da schon alles gesagt wurde. Wenn du willst kann ich das aber in Zukunft trotzdem machen.


und zur Mindestlohnsetzung:

Natürlich gäbe es einen stärkeren Anreiz, denn ohne Arbeit gäbs auch kein Geld. Das müsste als Ansporn reichen.
Und zu deinen anderen Ausführungen dazu: Mir fehlt jetzt der wissenschaftliche Hintergrund um das zu widerlegen. Bin ja kein Experte. Kann gut sein, dass es so kommt aber das würde nur die Praxis zeigen.

@ Sovok


Die Konjunktur. Erkennst du wenigstens an, dass sich Unternehmen und Haushalte pro-zyklisch verhalten? Müsste ja eigentlich schon sein, wenn du so ein Experte bist. Auf jeden Fall folgt daraus die Notwendigkeit eines sich anti-zyklisch verhaltenden Sektors. Und das ist nun mal nur der Staat.


Auweia bloß nicht! Die antizyklische Konjunkturpolitik ist keine erlaubte Politik die einen ungesunden Zustand heilt sondern sie ist selbst die Krankheit (für deren Therapie sie sich komischerweise hält). Klingt seltsam ist aber so: Die Probleme die mit Hilfe deiner antizyklischen Konjunkturpolitik gelöst werden sollen existieren eigentlich überhaupt nicht. Das liegt daran dass sich auf den Märkten, läßt man sie von politischer Seite her in Ruhe, das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage immer von selbst einstellt (gut es gibt einige wenige Ausnahmen). Das gilt sowohl für die produzierten Waren und die Dienstleistungen als auch für Arbeitskräfte. Jeder bekommt was er will wenn er gibt was er geben will oder kann. Wer etwas nicht kauft, kauft es nicht, weil es ihm zu teuer ist. Und wer etwas nicht verkauft, der hat mit seiner Zeit und seinem Leben eben etwas anderes vor. Dabei ist der Markt im Prinzip immer übersichtlich; jeder weiß was der Konkurrent anbietet und was er verlangt; jeder weiß, was alle Nachfrager nach Waren, Dienstleistungen und auch Arbeitskräften zu zahlen bereit sind. Deshalb ist jeder letztlich für alles selbst verantwortlich. Genau deshalb hat der Staat nicht nur nichts zu tun, der Staat darf auch nichts tun. Denn mit jeder Tat stört er nur die vielen einzelnen und ihre Tätigkeit am Markt. Somit schafft der Staat durch sein vorsorgliches Eingreifen erst die Probleme, zu deren Lösung er seine gesellschaftlich und politisch schädliche Allgegenwart dann verlangt.

Und jetzt noch ein paar praktische Probleme:
1. Der sog. "Time lag", die zeitliche Lücke zwischen dem Beschluss eines Konjunkturprogramms und dessen Wirksamwerden. Ein Konjunkturzyklus dauert mitunter nur drei bis vier Jahre. Ehe der Staat sein Konjunkturprogramm beschlossen und umgesetzt hat, vergehen schnell ein oder zwei Jahre. Also hat der Bauarbeiter, der durch einen Staatsauftrag wieder in Brot gebracht wird, erst dann (mehr) Geld in der Tasche wenn die Konjunktur wieder anzieht.
Das Konjunkturprogramm wirkt dann schlimmstenfalls kontraproduktiv: Die Saat der Staatsausgaben geht erst dann auf, wenn die Konjunktur schon längst wieder angezogen hat.

2.Wenn der Staat sich für Konjunkturprogramme verschuldet (was in der Regel immer der Fall ist) muss er entweder die Steuern erhöhen oder sich das Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Dies führt zu allgemein höheren Zinsen. Höhere Steuern machen den positiven Effekt von Konjunkturprogrammen sofort zunichte. Steigen die Zinsen, weil der Staat Kredite nachfragt, werden Haushalte und Unternehmen vom Kapitalmarkt verdrängt - sie verschieben ihre Investitionen.

3. Die Erwartungen der Menschen. Haushalte und Unternehmen sind sich darüber klar,dass staatliche Schuldenmacherei so oderso zu Steuererhöhungen führen wird. Vor allem die private Haushalte legen also zumindest einen Teil des Geldes, das staatliche Konjunkturprogramme in ihre Taschen spülen, beiseite - denn sie wissen, dass ihnen das Geld ohnehin wieder abgenommen wird.

4. Die Globalsierung. Die Volkswirtschaften sind offener denn je - Geld, Güter und Dienstleistungen zirkulieren um die Welt. Eine Exportnation wie Deutschland ist alles andere als eine geschlossene Volkswirtschaft. Beschließt der Bundestag ein Konjunkturprogramm, können sich letzten Endes auch die Wirte auf Mallorca und die Autobauer in Japan freuen. Denn auch bei ihnen landet ein Teil des Geldes, das deutsche Bauarbeiter und Ingenieure durch das Konjunkturprogramm verdienen. Der gewünschte Effekt verpufft einfach.


Dass dieser ganze antizkylische Krams nix bringt kannst du am besten an Japan erkennen. Die haben in den 90ern 7 richtig fette Konjunkturspritzen im Wert von rund 2 Billionen Mark durchgezogen - nutzlose, aber extrem teure Strohfeuer. Am Ende wurden nur bankrottreife Baufirmen künstlich über Wasser gehalten. Und jetzt ham die die Kacke richtig am dampfen. Der Aufschwung ist nicht eingetreten. Das Bankensystem steht vorm Kollaps, die Arbeitslosigkeit steigt, die Staatsschulden sind die höchsten einer Industrienation.


Achja ein Experte bin ich in keiner Weise. Ich interessiere mich nur ein bisschen für sowas.


Und zu denen gehört nun mal, dass Planwirtschaft genauso wenig funktioniert, wie freie Marktwirtschaft

Wann wurde jemals richtig, und ich meine richtig freie Marktwirtschaft denn je praktiziert? Jetzt sag nicht in den USA, da greift der Staat noch viel zu viel in die Wirtschaft ein.

Kurze Frage zum Schluss:
Bist du liberal und denkst du, dass das für die Realität gut ist?

Ja
 
Hmpf. Also ich hab meine Abiturprüfung in Wirtschaft noch vor mir und da werde ich lieber das erzählen, was in meinem Hefter steht, als das, was du mir erzählst ;)
Und da steht unter der Überschrift "Notwendigkeit staatlicher Konjunkturpolitik":
Im Boom werden Überschüsse abgeschöpft, damit es nicht zu einer Überhitzung kommt, in der Rezession wird das Geld wieder zurückgepumpt, um Armut zu verhindern. Dann steht weiter unten, wie du richtig gesagt hast: Probleme: Finanzierung, Maßnahmenwahl, Nebenwirkungen, polit. Folgen, Dosierung, Timing, Prozyklisches Verhalten von H+U, Koordinierung.
So und du willst angesichts dieses riesen Haufens an Problemen, das lieber komplett abschaffen. Das ist mir ja nun überhaupt nicht geheuer.

Dann steht ganz am Anfang, gleich von der ersten Stunde. "Wirtschaftsordnungen". Unter "freie Marktwirtschaft": ist die Wirtschaftsordnung der Industriestaaten des 19. JH. Soziale Absicherung: Keine; Unternehmen: großer Einfluss; Antrieb: Eigennutz; Preisbildung über N+A ungehemmt, Privateigentum. Kurzer Blick rüber zu Geschichte zeigt uns freie Markwirtschaft zusammen mit Massenelend, Kinderarbeit, Pauperismus (o.ä.).

Hattest du kein Wirtschafsunterricht in der Schule? Wie konntest du dich dermaßen von dem Rest der Menschheit isolieren, dass du zu so gravierend anderen Überzeugungen kommst? (Jetzt als ernsthafte Frage, das interessiert mich) Und wir sprechen hier nicht über Meinungen, wo das ja noch möglich wäre, sondern über Fakten!

Bist du liberal und denkst du, dass das für die Realität gut ist?
Ja

Nix für ungut, aber dann bist du in meine Falle getappt ;)
Die alternative Frage zu Bist du liberal und denkst du, dass das für die Realität gut ist? wäre nämlich Siehst du die Realität und denkst du, dass liberal für sie gut ist? gewesen. Auf den ersten Blick mag diese Umstellung der Frage völlig sinnlos sein. Auf den zweiten Blick sieht man aber, dass bei letzterer auf der Grundlage der Realität von ihr aussgehend Maßnahmen abgeleitet werden, die zur Besserung führen. Ob diese Maßnahmen nun mit der Aufschrift liberal, konservativ, ökologisch oder sonst was kommen ist ja erst mal egal. Bei ersterem wird aber von der Grundlage des "liberal seiens" ausgegangen und realitätsblind versucht krampfhaft Maßnahmen durchzuführen, die diesem Anspruch des "liberal seiens" (BTW: ersetzbar durch was beliebig anderes) gerecht werden. Das meinte auf der ersten Seite dein Diskussionspartner wohl auch mit der Ideologie.

Ma' als Beispiel:
Die Grünen haben sich bei ihrer Gründung im Jahre wasweißich ganz bestimmt nicht an einen Tisch gesetzt und gesagt: "So, wir sind jetzt ökologisch". Dann haben alle genickt, ja tolle Idee. Als nächster Schritt hat man dann im Duden nachgeguckt, was "ökologisch" denn überhaupt ist und das dann ins Parteiprogramm geschrieben. Dann haben sich alle zusammengesetzt und sich alles mögliche ausgedacht, was alles "ökologisch" ist und haben es auch noch ins Parteiprogramm gepackt. Das wäre dann die Denkweise von Frage 1, auf die du mit Ja geantwortet hast.

Frage 2 sähe dann so aus:
Die Grünen haben sich bei ihrer Gründung zusammengesetzt, haben gesehen, ja voll überall Umweltverschmutzung und so. Um das zu ändern müssmer mal das und das und das machen. Haben das alles ins Parteiprogramm geschrieben. Sich das hinterher angeguckt und festgestellt: "Oh, das ist ja ökologisch" (überspitzt ausgedrückt) und haben halt dann auf ihre Partei draufgeschrieben: "ökologisch".

Die Gefahr, wenn man für sich von vornherein festlegt, dass man liberal, konservativ, rechtsradikal, linksradikal, sozial, ökologisch oder sonst was ist, ist nämlich, dass man dann von diesem "Trip" nicht mehr runterkommt und nur noch blind eben wie gesagt "alles macht, um diesem selbst gesetzten Anspruch gerecht zu werden". Viel besser ist es, immer auf dem Boden der Realität zu stehen und sich aus dem Boddich der ganzen Maßnahmen das gerade passende rauszusuchen (jetzt bitte nicht gerade Nummer 2,3 oder 4 ;)). Nun sind die einen eher für solche Maßnahmen, die man als sozial bezeichnet, andere für solche, die man als liberal bezeichnet und wieder andere für solche, die man als ökologisch bezeichnet. Und das ist gut so. Aber diese Bezeichnungen sind niemals Grundlage, oder dürfen niemals Grundlage des Handels sein, sondern sind nur "Überschriften" und "Bezeichnungen". Grundlage ist die Realität bzw. die zur ihrer Verbesserung führenden Maßnahmen.

So, und natürlich wirst du dich selbst bei 2. einordnen, auch wenn du ohne zu wissen, was ich fieses im Schilde führte auf 1. mit Ja geantwortet hast, das hätte sowieso jeder gemacht ;). Aber macht es dich denn überhaupt nicht stutzig, dass in allen Geschichtsbüchern dieser Welt was anderes steht, als das was du sagst? Kommt da nicht der geringste Zweifel bei dir auf? Nun ist Mehrheit zugegebenermaßen kein Zeichen für Rechthaben, aber mit deiner radikalen Ansicht stehst du mit deinen paar Wirtschaftsheinis, ja wohl ziemlich alleine da ;) Nun will ich dir ganz bestimmt nicht deine liberalen Sachen absprechen und die ganzen Umweltschutzbeispiele waren ja alle ganz toll (und Kommerz damit zu verbinden haben auch alle anderen schon erkannt). Aber in einigen Sachen solltest du schon mal Abstriche machen. Freie Marktwirtschaft ist Müll, Staat ist notwendig. Was ist denn mit den Tieren und Pflanzen, die sich beim besten Willen nicht kommerziell nutzen lassen? Wertlos? Was hindert dich, das auf Menschen zu übertragen? Ist es die Moral? :)
 
Hattest du kein Wirtschafsunterricht in der Schule? Wie konntest du dich dermaßen von dem Rest der Menschheit isolieren, dass du zu so gravierend anderen Überzeugungen kommst? (Jetzt als ernsthafte Frage, das interessiert mich)

aber mit deiner radikalen Ansicht stehst du mit deinen paar Wirtschaftsheinis, ja wohl ziemlich alleine da


Erstmal gibt nicht nur die paar "Wirtschaftsheinis" wie Friedman oder Hayek. Es gibt überall Anhänger dieser liberalen Ideen. Mit Reagan und Thatcher gab es sogar Regierungschefs die versucht haben diese zu verwirklichen. In den USA bilden die Liberalen einen einflußreichen Block bei den Republikanern, hierzulande gibt es "Die Freien", eine extrem liberale Partei. Alleine stehe ich also wirklich nicht da. Und all diese Leute zählen meiner Ansicht nach auch zur Menschheit, also weiß ich nicht wo ich mich isoliert habe.
Und wie ich zu der Überzeugung komme? Für mich ist nunmal die Freiheit des Einzelnen das Wichtigste. Und diese wird halt nur durch die freie Marktwirtschaft garantiert. Der Staat soll die Freiheit beschützen und sich nicht in sie einmischen.


Die Gefahr, wenn man für sich von vornherein festlegt, dass man liberal, konservativ, rechtsradikal, linksradikal, sozial, ökologisch oder sonst was ist, ist nämlich, dass man dann von diesem "Trip" nicht mehr runterkommt und nur noch blind eben wie gesagt "alles macht, um diesem selbst gesetzten Anspruch gerecht zu werden". Viel besser ist es, immer auf dem Boden der Realität zu stehen und sich aus dem Boddich der ganzen Maßnahmen das gerade passende rauszusuchen

Sehe ich genauso. Ich bin auch nicht mit allen liberalen Meinungen einverstanden.

Dann steht ganz am Anfang, gleich von der ersten Stunde. "Wirtschaftsordnungen". Unter "freie Marktwirtschaft": ist die Wirtschaftsordnung der Industriestaaten des 19. JH. Soziale Absicherung: Keine; Unternehmen: großer Einfluss; Antrieb: Eigennutz; Preisbildung über N+A ungehemmt, Privateigentum. Kurzer Blick rüber zu Geschichte zeigt uns freie Markwirtschaft zusammen mit Massenelend, Kinderarbeit, Pauperismus (o.ä.).


So ich habe dazu schonmal was gesagt, aber anscheinend nicht ausführlich genug.
Seit Friedrich Engels Buch "Die Lage der arbeitenden Klassen in England" von 1845 spukt der Gedanke durch die deutschen Geschichtsbücher, durch die Industrialisierung sei die breite Masse aus einer bis dahin behaglichen Existenz herausgerissen worden. Selten ist die Frage gestellt worden ob das Elend breiter Bevölkerungsschichten nicht schon in den Jahrhunderten zuvor existierte. Der Professor Wilhelm Abel hat dies getan. Das erste Ergebnis seiner historischen Analyse ist, dass es den Menschen tatsächlich nicht immer so schlecht ging wie zum Zeitpunkt des Erscheinen von Engels Buch "Die Lage der Arbeitenden Klasse in England". Die Massenarmut zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat ihre Ursachen allerdings nicht in der Industrialisierung, sondern in der Zeit davor. Man muss bis ins Mittelalter zurückgehen, um die Ursachen des sog. Pauperismus zu verstehen. Für die Entwicklung der Reallöhne vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert ergibt sich, dass Bevölkerungswachstum im allgemeinen mit abnehmendem Wohlstand, Bevölkerungsabnahme dagegen mit wachsendem Wohlstand verbunden war. Dies lässt sich damit erklären, dass bei Bevölkerungsabnahme schlechte Böden nicht mehr bebaut werden müssen, wodurch die Produktivität in der Landwirtschaft steigt. Damit sinkt der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten. Mehr Menschen können sich der Produktion "luxuriöser" Waren zuwenden, der Lebensstandard steigt folglich. Wenn andererseits die Bevölkerung wächst, sinkt der Lebensstandard nach dem gleichen Prinzip. Im 13. und frühen 14. Jahrhundert galt diese Regel jedoch nicht. In diesem Zeitraum stiegen die realen Löhne bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum. Verantwortlich für diese ungewöhnliche Entwicklung war vor allem die stärkere Arbeitsteilung in den Städten, der aufblühende Handel sowie technischer Fortschritt (wie das Handspinnrad und der Tretwebstuhl). In den Städten bildeten sich bald Zünfte und Gilden, die oft den Wettbewerb einschränkten und damit das Wachstum behinderten. Außerdem wurde die Mobilität der Arbeitskräfte behindert, Landkauf immer mehr erschwert. Diese Entwicklungen erstickten den aufkeimenden Kapitalismus. Im 16. Jahrhundert kam es dann bei starkem Bevölkerungswachstum zur Verelendung breiter Schichten. Am Elend änderte sich nichts Wesentliches, bis im 19. Jahrhundert die Industrialisierung in Schwung kam. Am Anfang der Entwicklung von der vorindustriellen Massenarmut zum heutigen Massenwohlstand stand eine Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft: In der Mitte des 18. Jahrhunderts war die Landwirtschaft in England fortgeschrittener als im übrigen Europa. Eine große Rolle spielte dabei die Privatisierung bisher gemeinschaftlich genutzten Landes einer Gemeinde. Viele Menschen fanden in dieser Zeit bei Bevölkerungssteigerung und Produktivitätszuwachs kein Auskommen mehr in der Landwirtschaft. Die abwandernden Landarbeiter bildeten dann die Basis für die Industrie, die sich langsam im Norden Englands entwickelte. Als sich nach 1800 die Entwicklung beschleunigte, stiegen zum ersten Mal seit dem ausgehenden Mittelalter die Einkommen bei gleichzeitigem Bevölkerungszuwachs. 1830 war das Pro-Kopf-Einkommen im industrialisierten England schon stark angestiegen, es betrug etwa das 1,5 fache des Einkommens im immer noch agrarisch und feudal geprägten Deutschland.
Die Not wurde nicht von der Industrialisierung verursacht, sondern durch sie abgeschafft.



Staat ist notwendig

Habe ich nie bestritten. Ich bin wirklich kein Anarchokapitalist. Ja, der Staat ist notwendig, aber nur um für Gesetze und Sicherheit zu sorgen. Denn jeder kleine Eingriff des Staates in das Marktgeschehen zieht zwangsläufig neue und stärkere Maßnahmen nach sich. Die Spirale führt unvermeidlich in eine Planwirtschaft und/oder Diktatur. Jede Form von Wohlfahrtsstaat hat totalitäre Züge. Das ist der Weg in die Knechtschaft.
 
@ Falke:

Ich habe 2 Fragen an dich.

1.) Kennst du dich mit Angebots- und Nachfragekurven aus (z.B. was hinter den Kurven steckt, wie sich auf einem Markt ein Gleichgewichtspreis und eine Gleichgewichtsmenge bildet)?

2.) Bist du dafür oder dagegen, dass der Staat eine kilometerabhängige Gebühr für LKWs auf Autobahnen bzw. anderen Straßen erhebt?
 
Kennst du dich mit Angebots- und Nachfragekurven aus (z.B. was hinter den Kurven steckt, wie sich auf einem Markt ein Gleichgewichtspreis und eine Gleichgewichtsmenge bildet)?

Davon hab ich was im Politikunterricht gelernt.


Bist du dafür oder dagegen, dass der Staat eine kilometerabhängige Gebühr für LKWs auf Autobahnen bzw. anderen Straßen erhebt?


Generell halte ich kilometerabhängige Gebühren für LKWs auf Autobahnen für eine vernünftige Sache. Voraussetzung für eine solche Gebühr ist aber, dass der Betreiber einiger (oder aller) Straßen nicht gleichzeitig die Konkurrenz durch andere Straßen oder Verkehrsmittel in seinem Sinne steuern oder verhindern kann. Unter dieser Bedingung sind Nutzungsgebühren, natürlich auch für PKW und andere Arten von Straßen die in einer freien Marktwirtschaft zu erwartende Form der Finanzierung dieser "öffentlichen" Infrastruktur und ein guter Schritt in die richtige Richtung, da dadurch das Kostenbewusstsein der Konsumenten geschärft und zukünftig vielleicht eine Privatisierung möglich wird.
Aber: Wenn es keine freie Konkurrenz unter den Betreibern von Verkehrsangeboten gibt, dann sind Gebühren für die Straßennutzung, in welcher Form auch immer, nur eine zusätzliche Methode den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen.
 
*lol*
ich muss jetzt aber schonmal lachen. Du schreibst, du hast im Politikunterricht von Angebots- und Nachfragekurven gehört... also von dem Hintergrund hört sich deine Argumentation so fundiert an, dass man meinen könnte, du würdest sie abschreiben (wenn das nicht der Fall ist, ist das durchaus ein kompliment!)
Aber jetzt wird mir auch immer klarer, warum du auf einige Punkte von mir (wo ich dir faktisch und mit Beispielen wiedersprochen habe) nicht eingegangen bist, sondern nur einmal zugegeben hast, nicht alles durchdacht zu haben. Man kann natürlich bei diesen Langen Posts nicht alles berücksichtigen, ich habe mir jedenfalls immer beste Mühe gegeben, alle Punkte aufzugreifen.
Jedenfalls hänge ich gerade in der Vordiplomsvorbereitung im Fach Wirtschaftspolitik (passt ja wie die Faust aufs Auge) und mache soviele Angebots- und Nachfragekurven, dass ich schon bald nachts davon träume.
In einigen Punkten gebe ich dir Recht:
der Moralitätsbegriff wird in der Tat von vielen Leuten "vergewaltigt", dennoch glaube ich, dass es einen Wertekanon gibt, der zeitlos und auch kulturübergreifend ist. Auf den berufe ich mich hier, und nicht auf das, was die Medien uns als "Moral" verklickern wollen (siehe auch Thema Erfurt)
auch dass seit Marx und Engels eine starke Skepsis gegen freie Märkte da sind, stimmt. In der Regel (aber nur in der Regel!!!) regulieren sich freie Märkte selbst in optimaler Hinsicht. Ich bin auch der Meinung, dass der Staat zuviel in die Wirtschaft eingreift und damit Investitionen abwürgt, aber es gibt ein paar Fälle, die auch auf freien Märkten Fehlallokationen verursachen. Das können atypisch verlaufende Angebotskurven sein (wie die von Arbeit): hier kann es im Extremfall sein, dass es keinen Schnittpunkt zwischen Angebots- und Nachfragekurve gibt, und dann kann sich auch kein Gleichgewicht einpendeln, im Gegenteil, der Marktpreis wird in dem Fall sogar ex- oder implodieren (deswegen meinte ich vorher auch, einen Mindeslohn an der Stelle anzubringen, wo die Arbeitsangebotskurve einen Knick macht, weil sie in dem Fall aufgrund Fehlen eines natürlichen Gleichgewichtes da eins schafft, wo der Abstand zwischen Nachfrage- und Angebotskurve am geringsten ist und somit die Arbeitslosigkeit am niedrigsten.
Zu den Lohnsubventionen und das dies kein Allheilmittel ist, habe ich mich schon geäussert, und das ist ein Faktum, dass sich nicht widerlegen lässt. Gleichwohl meine ich aber schon, dass die Lösung noch besser ist als Mindestlöhne (die v.a. Jugendarbeitslosigkeit verursachen). Mietgeldzuschüsse statt Höchstmieten sind auch zu überlegen, allerdings bräuchte man da auch wieder Steueraufkommen...
eine optimale Lösung gibt es nicht, und alle Leute auf extremen Positionen machen es sich oft zu einfach!
Zu der Sache mit der Überbevölkerung: du hast einen elementaren Punkt vergessen: die klimatischen Bedingungen! V.a. in der Landwirtschaft wirst du in diesen Ländern nie soviel aus dem Boden rausholen können wie in den USA oder Europa, wegen Dürreperioden oder anderer Naturkatastrophen. Die vermindete Produktivität macht sich aber auch im industriellen Sektor, wenn auch nicht so stark, bemerkbar. Wo das Wasser hernehmen für Industrien, die eins brauchen?
Das mit den Bürgerkriegen kann ich schlecht wiederlegen, aber da die Bevölkerung seit dem von dir genannten Eckpunkt verdreifacht hat, glaube ich schon, dass heute mehr Menschen Not leiden als vor 50 Jahren. Teils siend sie selbst Schuld, wie du schon sagtest, aber ich sehe da auch Staaten, die ohne Bürgerkriege arm genug dran sind.
Entwicklungshilfe kann über den freien Markt geregelt werden, denn es lohnt sich auch für Unproduktive Länder eine Spezialisierung auf die Güter, wo sie komparative Kostenvorteile haben (komparative Vorteile gibt es immer, nur absolute können auch gar nicht vorhanden sein) und sich so im Welthandel besser stellen. Allerdings reicht das meiner Meinung nicht aus, um den 3.Welt-Staaten auf die Beine zu helfen und aufzuschliessen, weil die westliche Welt für den desolaten Zustand teil mitverantwortlich ist (Kolonialzeit). Entwicklungshilfe ist in meinen Augen daher gerechtfertigt.
Der dramatische Anstieg der Weltbevölkerung ist also weniger darauf zurückzuführen, daß sich die Menschen vermehren wie die Kaninchen, sondern vielmehr darauf, dass sie nicht mehr sterben wie die Fliegen.
Das ist mir auch klar! Insofern kann man aber die ganze Medizin angreifen, die in Industriestaaten eine Überalterung verursacht und in Entwicklungsländern eine Bevölkerungsexpolsion, aber ich will nicht darüber entscheiden, was denn moralisch angebrachter wäre...
Natürlich gäbe es einen stärkeren Anreiz, denn ohne Arbeit gäbs auch kein Geld.
Der Markt schafft aber nicht sofort das Gleichgewicht, sondern muss sich erst einpendeln, d.h. es würde eine bestimmte Zeitspanne mit (urückgehender)Arbeitslosigkeit geben. In der Zeit kann man die Leute aber nicht mit 0 abspeisen und verhungern lassen. Auch nach dem Einpendeln auf einen markträumenden Preis im Arbeitsmarkt könnte man die Sozialhilfe nicht abschaffen, denn bei Preisänderungen infolge von Nachfrage- oder Angebotsänderungen stellt sich der neue Preis auch nicht innerhalb von Milisekunden neu ein, sondern braucht auch hier eine gewisse Zeit des Einpendelns (in der es Arbeitslosigkeit geben kann). Das ganze wird auch Cobweb-Theorie genannt und kann in jedem beliebigen Buch nachgelesen werden.
 
ich muss jetzt aber schonmal lachen. Du schreibst, du hast im Politikunterricht von Angebots- und Nachfragekurven gehört... also von dem Hintergrund hört sich deine Argumentation so fundiert an, dass man meinen könnte, du würdest sie abschreiben (wenn das nicht der Fall ist, ist das durchaus ein kompliment!)

Wir haben solche Kurven und den Markt etliche Wochen behandelt.
Sonst lese ich aber einiges an liberaler Literatur, da geht es halt mehr um die Grundsätze, Vorzüge und Gründe. Die Sachen sind halt mehr für ein breites Publikum geschrieben und gehen nicht auf theoretische Feinheiten ein.
Und ich schreibe nicht ab, ich lese aber einige Zahlen und Fakten (z.B. über Überbevölkerung) nochmal nach bevor ich poste um mich zu vergewissern, dass ich keinen Unsinn schreibe.


Entwicklungshilfe ist in meinen Augen daher gerechtfertigt.


Sehe ich anders. Entwicklungshilfe hilft nicht, sie verursacht eher Schaden.
Das liegt an folgendem:
1.Die Wirtschaft in den Entwicklungsländern wird gewissermaßen politisiert. Von der Entwicklungshilfe profitieren in den Empfängerländern die politisch einflußreichen Gruppen wie Beamte, Militärs, Akademiker und natürlich die Politiker. Es kommt zu Rangeleien um die Verteilung, das geht zu Lasten der Produktion.
2. Viele Zahlungen gehen an Regierungen, die durch falsche Politik selbst zu einem großen Teil Schuld an der Misere sind. Die werden so gestärkt.
3. Durch Entwicklungshilfe wird der Druck von der unterstützten Regerierung genommen selbst notwendige Reformen durchzuführen.
4. Das ganze basiert auf einem falschen Modell. Ein Land kann sich nur dauerhaft aus der Armut befreien, wenn einige Bedingungen erfüllt sind (freie Märkte, Recht auf Sicherheit und privates Eigentum usw....). Wenn das nicht gegeben ist kann keine eigenständige Bewegung in Gang gesetzt werden.

Wir sollten aber natürlich bedingungslos unsere Märkte für Produkte und Dienstleistungen der Entwicklungsländer öffnen (wenn ich dich recht verstanden habe willst du das auch). Durch freien Handel könnten sich die armen Länder selbst helfen.

Ein kleines Beispiel wozu Entwicklungshilfe führt:
Mikronesien wurde in den 40er Jahren unter US-Verwaltung gestellt. Die neue Verwaltung hat sofort damit angefangen Unmengen an Wohltaten (freie Kleidung, Nahrung usw....) zu spendieren. Einheimische Bauern und Handwerker sind pleite gegangen, für ihre Produkte gab es keine Märkte mehr. Die Produktion ist stark eingebrochen. Nach einigen Jahrezehnten war Mikronesien völlig abhängig von der Entwicklungshilfe geworden.

Hat Entwicklungshilfe eigentlich schonmal etwas konkretes positives bewirkt? Mir ist so etwas nicht bekannt.


glaube ich schon, dass heute mehr Menschen Not leiden als vor 50 Jahren

Aus welcher Quelle hast du das? Ich habe bisher anderes gelesen.


in der Landwirtschaft wirst du in diesen Ländern nie soviel aus dem Boden rausholen können wie in den USA oder Europa, wegen Dürreperioden oder anderer Naturkatastrophen. Die vermindete Produktivität macht sich aber auch im industriellen Sektor, wenn auch nicht so stark, bemerkbar. Wo das Wasser hernehmen für Industrien, die eins brauchen?

Zur Landwirtschaft: Sicher werden sie nie dieselbe Produktion haben wie wir, aber es reicht bereits jetzt für die Versorgung der eigenen Bevölkerung. Und die Produktivität kann noch gesteigert werden.

Zum Wasser:
Das Problem ist ja das Süßwasser, das in der Tat sehr knapp ist. Aber durch neue Techniken können immer mehr Wasservorkommen nutzbar gemacht werden und Wasserverschwendung (vor allem in der Landwirtschaft) kann gemindert werden.
Meerwasser ist aber reichlich vorhanden, und kann das nicht für die Industrie genutzt werden?


aber ich sehe da auch Staaten, die ohne Bürgerkriege arm genug dran sind

Welche sind das denn z.B.?

auf extremen Positionen machen es sich oft zu einfach!

Sicher, meine Position ist extremer als die der Mehrheit aber es gibt noch weitaus extremere Positionen (z.B. die wirklich extrem radikal-liberalen, die haben den völlig verrückte Forderungen).
Ich denke nicht, dass ich es mir mit meiner Position zu einfach mache.


Der Markt schafft aber nicht sofort das Gleichgewicht, sondern muss sich erst einpendeln, d.h. es würde eine bestimmte Zeitspanne mit (urückgehender)Arbeitslosigkeit geben. In der Zeit kann man die Leute aber nicht mit 0 abspeisen und verhungern lassen. Auch nach dem Einpendeln auf einen markträumenden Preis im Arbeitsmarkt könnte man die Sozialhilfe nicht abschaffen, denn bei Preisänderungen infolge von Nachfrage- oder Angebotsänderungen stellt sich der neue Preis auch nicht innerhalb von Milisekunden neu ein, sondern braucht auch hier eine gewisse Zeit des Einpendelns (in der es Arbeitslosigkeit geben kann). Das ganze wird auch Cobweb-Theorie genannt und kann in jedem beliebigen Buch nachgelesen werden.


Sicher würde es sich nicht sofort einpendeln. Man muß ja auch nicht alles über Nacht umwerfen. Wenn es sich aber erstmal einigermaßen eingependelt hat kann man die Sozialhilfe meiner Meinung nach doch abschaffen, denn für die wirklich bedürftigen gäbe es ja die privaten Organisationen. Das hab ich aber alles schon ausführlichst dargestellt. Möchte ich nicht nochmal tun.


aber ich will nicht darüber entscheiden, was denn moralisch angebrachter wäre...

ich auch nicht
 
Sonst lese ich aber einiges an liberaler Literatur, da geht es halt mehr um die Grundsätze, Vorzüge und Gründe. Die Sachen sind halt mehr für ein breites Publikum geschrieben und gehen nicht auf theoretische Feinheiten ein.
Und ich schreibe nicht ab, ich lese aber einige Zahlen und Fakten (z.B. über Überbevölkerung) nochmal nach bevor ich poste um mich zu vergewissern, dass ich keinen Unsinn schreibe.
Um ein möglichst objektives Bild zu bekommen, das weiss auch jeder Wissenschaftler, sollte man verschiedene Werke heranziehen und nicht nur welche aus einer Geistesströmung. Weil gerade bei "soft siences" es ausgeschlossen ist, dass jemand alle Wahrheiten auf seiner Seite hat, dazu sind sie zu unwägbar. Liberale Literatur für die breite Masse? Ich denke, da gibt es doch auch welche, die tiefer reingehen, sowie es auch von den anderen Richtungen Literatur gibt, die oberflächlicher und besser Lesbar sind. Manchmal, nicht oft aber manchmal, steckt aber der Teufel im Detail, wie (ich sag das jetzt zum dritten Mal) anormal verlaufende Angebotskurven.

Zu deinen Punkten mit der Entwicklungshilfe:
absolut richtig, was die offizielle Hilfe von staatlicher Seite angeht. Ich meinte aber mehr die Hilfe caritativer Organisationen, die nicht permanent eingreifen, sondern dann, wenn es brennt. Somit sollte auch Anreiz für heimische Produkte nur wenig verlorengehen. Ich habe im Hinterkopf auch immer noch die "Versündigung" früherer Zeiten von unserer Seite.

Wir sollten aber natürlich bedingungslos unsere Märkte für Produkte und Dienstleistungen der Entwicklungsländer öffnen (wenn ich dich recht verstanden habe willst du das auch). Durch freien Handel könnten sich die armen Länder selbst helfen.
Ja natürlich will ich das, das ist die beste Entwicklunghilfe! Man sieht an Produktions- und Konsummöglichkeitenkurven, dass ein Land durch Spezialisierung und Handel auch dann seinen Konsum verbessern kann, wenn es in der Produktion der Güter auch absolut unterlegen ist.

Hat Entwicklungshilfe eigentlich schonmal etwas konkretes positives bewirkt? Mir ist so etwas nicht bekannt.
Schwer zu beantworten. Was staatliche Hilfe angeht, so wohl nicht, aus den von dir schon genannten Gründen. Aber caritative Organisationen, auch wenn sie selbst viel vom erbettelten Geld verschlingen, haben, denke ich wohl schon die eine oder andere Schule oder Krankenstation zu "verantworten" ;)

Aus welcher Quelle hast du das? Ich habe bisher anderes gelesen.
Dazu hab ich keine Quelle, das war ein Pi x Daumen-Kopfrechnung von mir. Wo kann man deine Zahlen nachlesen?

Meerwasser ist aber reichlich vorhanden, und kann das nicht für die Industrie genutzt werden?
Schon, aber in Afghanistan oder Burkina-Faso ist auch Meerwasser etwas knapp ;)
(Leitungen über 1000km baut man auch net von heut auf morgen, weder technisch noch finanziell)

Welche sind das denn z.B.?
Hmmm, ich hoffe das ich jetzt nichts falsches sage, aber Bangladesh fällt da wohl darunter. Mit den afrikanischen Staaten kenne ich mich, was die Geschichte angehnt, nicht so genau aus. Gut möglich, dass da mehr Staaten als man denkt durch einen Bürgerkrieg ruiniert wurden. Aber ich würde auch relativ(!) stabile Staaten wie Kamerun nicht gerade als reich einstufen.
Die Produktion ihrer Landwirtschaft kann gesteigert werden, das stimmt, aber ich finde, gerecht wäre es, wenn diese Menschen mal die selben Chancen wie wir bekommen würden. Über die Mittel dahin ist zu diskutieren...

denn für die wirklich bedürftigen gäbe es ja die privaten Organisationen. Das hab ich aber alles schon ausführlichst dargestellt. Möchte ich nicht nochmal tun.
Wie gesagt, es gibt die Zwischenzeiten des Einpendelns auf einen neuen Marktpreis, in denen es immer etwas Arbeitslosigkeit geben wird. Ganz ohne geht es deshalb nicht. Das mit den privaten Organisationen ist mir noch net ganz klar: ich hab das zwar gelesen, aber wie steigen Organisationen da ein? Es müsste ja aaF provitabel sein, sonst würde ein Kapitalist nicht reininvestieren. Wenn's eine von moral getriebene Organisation ist: dann bleibt aber immer noch ein generelles Problem: was tust du, wenn die Organisation Insolvenz anmelden muss? Und andere Organisationen nicht kompensieren können, bzw. nicht sofort einsteigen wollen?

zwei Punkte noch von weiter oben:
wer sollen denn bitte "Die Freien" (nach deiner Darstellung eine echte Massenpartei) sein? Ich kenn noch die FDP, aber Forderungen wie deinige kommen da nur aus dem libertären Flügel um Lambsdorff, die FDP im ganzen setzt sich zwar für mehr Liberalität ein, aber nicht sooo extrem. Dann gibt's da auch noch den linksliberalen Flügel (mit dem ich mich recht gut identifizieren kann).

@sovok: freie Marktwirtschaft gibt es nirgendwo in der Welt, denn auch in den USA gibt es Mindestlöhne usw.
Jetzt kann man sich fragen, warum es wohl nirgendwo eine total freie gibt... ;)
 
Wo kann man deine Zahlen nachlesen?
FAO-aktuell vom 22.10.1999
(http://www.verbraucherministerium.de/welternaehrung/fao-aktuell-1999/fa9942.htm)

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.11.1996

R. Bailey: The True State of the Planet, 1995

Dirk Maxeiner und Michael Miersch: Das Lexikon der Öko-Irrtümer


Liberale Literatur für die breite Masse? Ich denke, da gibt es doch auch welche, die tiefer reingehen,
Ja, hab ich jetzt auch was gefunden.


Um ein möglichst objektives Bild zu bekommen, das weiss auch jeder Wissenschaftler, sollte man verschiedene Werke heranziehen und nicht nur welche aus einer Geistesströmung.
Stimmt. Damit hab ich heute auch angefangen.

Ich meinte aber mehr die Hilfe caritativer Organisationen, die nicht permanent eingreifen
Achso. hab ich falsch verstanden.


Schon, aber in Afghanistan oder Burkina-Faso ist auch Meerwasser etwas knapp (Leitungen über 1000km baut man auch net von heut auf morgen, weder technisch noch finanziell)
Stimmt, in solchen Ecken is Wasser knapp. Aber man braucht ja auch nicht unbedingt für alle Industrien Unmengen an Wasser.


Wie gesagt, es gibt die Zwischenzeiten des Einpendelns auf einen neuen Marktpreis, in denen es immer etwas Arbeitslosigkeit geben wird. Ganz ohne geht es deshalb nicht. Das mit den privaten Organisationen ist mir noch net ganz klar: ich hab das zwar gelesen, aber wie steigen Organisationen da ein? Es müsste ja aaF provitabel sein, sonst würde ein Kapitalist nicht reininvestieren. Wenn\'s eine von moral getriebene Organisation ist: dann bleibt aber immer noch ein generelles Problem: was tust du, wenn die Organisation Insolvenz anmelden muss? Und andere Organisationen nicht kompensieren können, bzw. nicht sofort einsteigen wollen?
Also erstmal würden sich ja viele Leute gegen soziale Notsituationen versichern. Das wären dann kapitalistische Organisationen.
Und für diejenigen die sich nicht versichert haben (warum auch immer) wären dann diese privaten Organisationen da. Die würden für dann Hilfe für die Bedürftigen anbieten. Unterkünfte für obdachlose zum Beispiel.
Und zur Finanzierung:
Wenn die Steuern endlich auf ein angemessenes Maß (so ca. 15%) fallen würden gäbe es auch wesentlich mehr Bereitschaft in der Bevölkerung für solche karitativen Organisationen zu spenden. In den USA (wo die Steuern ja bekanntlich wesentlich niedriger sind) werden jedes Jahr über 120 Milliarden Dollar für sowas gespendet.
Sollte das wider Erwarten nicht ausreichen könnte der Staat in absoluten Notsituationen diese Organisationen unterstützen (aber wirklich nur wenn es nicht anders geht).

wer sollen denn bitte "Die Freien" (nach deiner Darstellung eine echte Massenpartei) sein?
Ich habe wenn ich mich nicht irre nicht gesagt, dass es eine Massenpartei ist. Ich habe nur gesagt, dass sie existiert. Naja vielleicht wächst sie ja noch. Bisher hat sie nur einige wenige Mitglieder.

Hmmm, ich hoffe das ich jetzt nichts falsches sage, aber Bangladesh fällt da wohl darunter. Mit den afrikanischen Staaten kenne ich mich, was die Geschichte angehnt, nicht so genau aus. Gut möglich, dass da mehr Staaten als man denkt durch einen Bürgerkrieg ruiniert wurden. Aber ich würde auch relativ(!) stabile Staaten wie Kamerun nicht gerade als reich einstufen.

Möglich. Kann ich jetzt nix zu sagen.
 
Hat Entwicklungshilfe eigentlich schonmal etwas konkretes positives bewirkt? Mir ist so etwas nicht bekannt.

Äh, hallo? Natürlich hat Entwicklungshilfe schonmal was Positives bewirkt. Meine Quelle für diese Aussage ist wie so oft die Logik. Würde Deutschland und andere Industriestaaten so viel Milliarden raushauen, wenn es noch nie was gebracht hätte? Sowas grundlegendes bedarf keines Beispieles (obwohl ich eins wüsste). Und Krautwiggerl, du hast dem auch noch angesichts der 4 Beispiele von Falke in einem Anflug geistiger Umnachtung zugestimmt ;)
 
Sovok schrieb:


Äh, hallo? Natürlich hat Entwicklungshilfe schonmal was Positives bewirkt. Meine Quelle für diese Aussage ist wie so oft die Logik. Würde Deutschland und andere Industriestaaten so viel Milliarden raushauen, wenn es noch nie was gebracht hätte? Sowas grundlegendes bedarf keines Beispieles (obwohl ich eins wüsste). Und Krautwiggerl, du hast dem auch noch angesichts der 4 Beispiele von Falke in einem Anflug geistiger Umnachtung zugestimmt ;)

Wo hat sie denn genau was positives bewirkt? Na, wo sind denn deine Beispiele?
Und welcher meiner 4 Punkte war denn deiner Meinung nach nicht zutreffend und warum bitteschön nicht?
Und sorry, aber deine "Logik" ist Nonsens. Meinst du etwa wirklich, dass alles was Politiker machen und beschließen sinnvoll ist?
 
Falke schrieb:
Wo hat sie denn genau was positives bewirkt?
Zum Beispiel beim Bau von kleinen Krankenhäusern zur Verbesserung der medizinischen Grundversorgung, bei der Errichtung von Schulen, bei gesundheitlicher Aufklärung, bei der Errichtung von Heimen für Straßenkinder, bei der Bekämpfung der Beschneidung von Mädchen in einigen Ländern, bei der Verständigung zwischen rivalisierenden Clans...

Dadurch haben sich die Lebensbedingungen der Menschen verbessert.
 
Falke schrieb:
Wo hat sie denn genau was positives bewirkt? Na, wo sind denn deine Beispiele?
Ich werde keine Beispiele aufzählen, weil das so ist, als wenn ich hier 2 dutzend Bilder von der Erde posten müsste, um zu beweisen, dass sie rund ist. Und wenn du jetzt sagst: "Na siehste! Du weißt keine! Dann hab ich Recht" disqualifizierst du dich selbst. ;)

Und welcher meiner 4 Punkte war denn deiner Meinung nach nicht zutreffend und warum bitteschön nicht?
Keiner. Das ist wie mit der Konjunktur. Es gibt diese Probleme. Aber dadurch wird das Ganze nicht vernichtet. Um etwas abzuschaffen bedarf es schon mehr, als Probleme bei der Verwirklichung.

Und sorry, aber deine "Logik" ist Nonsens. Meinst du etwa wirklich, dass alles was Politiker machen und beschließen sinnvoll ist?

Nö, aber du meinst, dass alles was Politiker in Bezug auf Entwicklungshilfe machen und beschließen sinnlos ist. Der einzige, der hier immer nur absolute Aussagen macht bist du. Und nichts ist einfacher als absolute Aussagen zu zerschlagen. :)

*zum Stargate gucken wegflitz*

*wegen Werbung wieder komm*

Und außerdem: Wieso muss ich beweisen, dass Entwiklcungshilfe einmal was
gutes
gebracht hat? Wieso beweist du nicht, dass Entwicklungshilfe immer was schlechtes gebracht hat? Viel Spaß. Ich hoffe jetzt siehst du endlich, dass dein Standpunkt völlig haltlos ist.
 
Haltlos!? Na dann schaun wir mal. Ich werd jetzt mal mit ein paar schlauen Zahlen um mich werfen (extra nochmal sicherheitshalber nachgelesen in der Zeit 17/2002).
Fangen wir mal an:
In Afrika südlich der Sahara erreicht der Anteil an den inländischen Bruttoinvestitionen ca 20% und pro Kopf 21 Dollar im Jahr. Dennoch hat sich die Lage gerade in dieser Region drastisch verschlechtert. Die Zahl der Armen ist gestiegen, der Hunger hat zugenommen, Bürgerkriege wüten, viele Staaten zerfallen im Chaos. Die Entwicklungshilfe steht also vor einem Scherbenhaufen. Gut, jetzt könnte man einfach sagen, dass die Hilfe nicht hoch genug war. Aber paradoxerweise ist es gerade ihr relativ großes Gewicht, das diese negative Entwicklung massgeblich mitverursacht hat. Woran liegts? Im Kalten Krieg war staatliche Entwicklungshilfe ein Instrument der Außenpolitik und hatkorrupte Regime dauerhaft subventioniert, politische Reformen damit verhindert und so indirekt die Bevölkerung bluten lassen. Darunter leidet Afrika noch heute. Der korrupte und steinreiche Diktator Mobutu, ehemaliger Präsident von Zaire (heute Kongo wenn ich nicht irre), der sein Land in die Steinzeit zurückgewirtschaftet hat wurde noch durch westliche Entwicklungshilfe durchgepeppelt, als die von ihm angeordneten Gemetzel selbst für afrikanische Verhältnisse unappetitliche Ausmaße angenommen hatten. Aber Mobutu galt eben als Bollwerk gegen den Kommunismus.
Der Kalte Krieg ist zwar zuende, aber schwerwiegende strukturelle Probleme der Entwicklungshilfe gibt es immer noch. Besonders negativ wirkt sich aus dass die staatliche Entwicklungshilfe von den Geberländern als Dauersubvention konzipiert ist. In undemokratischen Systemen bevorzugt das von Regierung zu Regierung fließende Geld bei den Nehmerländern einseitig die jeweils herrschenden Stämme und Clans. Das hat fatale Auswirkungen: Die ungleiche Verteilung trug nämlich zu vielen brutalen Bürgerkriegen bei. Zum Beispiel in Somalia, wo sich der Clan des ehemaligen Präsidenten Siad Barre so lange Geld in die Taschen stopfte, bis die anderen Clans auch was abhaben wollten und zurückschlugen. Oder z.B in Burundi, wo die Gelder der Entwicklungshilfe bei den herrschenden Tutsis hängen blieben, während die unterdrückte Landbevölkerung (überwiegend Hutus) nichts davon abbekam. Die dadurch verursachte soziale Schieflage ist mitschuldig an dem entsetzlichen Gemetzel zwischen den beiden Volksgruppen. Diese Liste ist noch beliebig verlängerbar.
Außerdem erzeugt die Hilfe eine gewisse Nehmermentalität und entmündigt die Nehmer obendrein. Die in diesen Ländern extrem wichtige Eigeninitiative kann sich nicht richtig entfalten. Außerdem wird die Hilfe in den Empfängerländern von einer absurd aufgeblähten Entwicklungshilfebürokratie gemanagt. Die dort beschäftigten Beamten fehlen in den unterentwickelten Volkswirtschaften folglich an an anderen Einsatzgebieten. Alle Versuche die Hilfe die Hilfe effektiver einzusetzen sind aufgrund der Dynamik der Geber-Nehmer-Beziehungen gescheitert. Die Hilfe fließt selbst dann weiter wenn zahlreiche Auflagen nicht erfüllt werden. Auch weil die Geber untereinander keine gemeinsame Strategie entwickeln scheitert die Absicht, "gute Politik" durch Hilfe zu belohnen.
Und das Argument, dass trotz dieser zahlreichen Fehler wenigstens ein kleiner Teil der Hilfe bei den Armen ankommt ist kaum zutreffend. Abgesehen davon, dass von den durchschnittlich 21 Dollar pro Kopf einige in die Taschen korrupter Staatsdiener gehen und andere in die Geberländer zurückfließen, setzt der dann noch verbleibende Rest keine Wachstumsprozesse in Gang. Wachstum ist aber notwendig für Bekämpfung von Armut. 70% der Investitionen gehen in den öffentlichen Sektor, insbesondere in Straßen, Flughäfen, Kraftwerke, Telekommunikation und große Wasserversorgungsanlagen. Deren Unterhalt führt dann zu einer Überbeanspruchung der Staatshaushalte und nützt den Armen herzlich wenig. Die immer wieder gern gezeigten Brunnen in Afrika sind also ganz und garnicht repräsentativ für die staatliche Entwicklungshilfe (über die ich ja spreche).
Die staatliche Entwicklungshilfe geht von völlig falschen Voraussetzungen aus. Sie setzt voraus, dass nur die notwendige Infrastruktur geschaffen werden muss, dann wird sich die Produktivkräfte schon irgendwie entwickeln. Es ist aber in der Praxis völlig anders (siehe Aufbau Ost, da hast du ein hervorragendes Beispiel dafür direkt vor der Haustür).
Der Drang in große Infrastrukturprojekte zu investieren wird noch verstärkt, da man den Erfolg der Hilfe an der Menge des ausgegebenen Geldes misst. Wer viel für die Entwicklungshilfe gibt, erfährt deshalb internationale Wertschätzung. Diesem Mechanismus entspringen auch die Milliardenzusagen für Afghanistan - die negativen Auswirkungen einer derartigen Politik sind leicht vorauszusehen. In Bosnien kann man sie bereits besichtigen. Ganz nebenbei führt die staatliche Entwicklungspolitik auch noch zu einer unerträglichen Staatsverschuldung der Entwicklungsländer, da die erhofften positiven volkswirtschaftlichen Impulse ausblieben. Rechnet man die Aufwendungen für die Schuldenlast der alten Kredite gegen die neuen Zusagen, bleibt von der Hilfe netto praktisch nichts übrig.
Toll verdammter Mist jetzt hat Dortmund gerade verloren *heul
Was solls zurück zum Thema: Es gab vielleicht einige erfolgreiche Projekte (mir sind zwar keine Bekannt) aber diese Art Hilfe konnte in den ärmsten Ländern keine positive Entwicklung anstoßen und hat sogar negative Entwicklungen verursacht. Und wie beretis gesagt besteht die etwas paradoxe Situation,dass die Hilfe zwar so hoch war, dass sie sich negativ auswirken konnte, aber auf der anderen Seite war sie so niedrig, dass sie die Erwartungen, die Kosten durch Wachstum wieder reinzuholen, nicht erfüllt hat.
Die gesamte staatliche Entwicklungshilfe erreicht ca. 53 Milliarden Dollar im Jahr. Das sind 20% weniger als das was jährlich für den Aufbau Ost von Westdeutschland nach Ostdeutschland fließt, rund 65 Milliarden Dollar (zumindest war es jahrelang soviel, mag sein, dass es mittlerweile weniger ist). Das wirklich benötigte Kapital hat andere Dimensionen. In Afrika südlich der Sahara müssen, um in zehn Jahren Vollbeschäftigung zu erreichen, jedes Jahr etwa 15 Millionen neue Jobs, vornehmlich in der Industrie, geschaffen werden. Die dafür notwendigen Investitionen liegen bei mindestens 350 Milliarden Dollar im Jahr, etwa 15mal so viel wie die gesamte staatliche Entwicklungshilfe für Afrika. Ich denke ich habe dazu jetzt genug gesagt. Mit Blankoschecks erreichen wir lediglich eines: Unsere Regierungen dürfen sich damit brüsten, etwas "dagegen" getan zu haben. Aber was haben sie denn eigentlich getan? Ein Glas Wasser auf den Flächenbrand geschüttet? Lächerlich ist das! Wenn all die Politiker wirklich ernsthaft an den Bedingungen der ärmsten Länder interessiert wären würden sie die Zollschranken niederreißen. Mit Almosen erreichen wir nur eines: Wir können unser Gewissen beruhigen. Gleichzeitig nehmen wir aber all den Armen die Chance sich selbst zu helfen, indem wir aberwitzig hohe Zölle auf ihre Produkte erheben und unsere Landwirtschaft mit riesigen Subeventionen vollstopfen und die Produkte der Ärmsten so zusätzlich unterdrücken. Sicher, wir können so ab und zu verhindern, dass Menschen jämmerlich verhungern. Aber das werden wir solange mitansehen müssen, bis wir diesen Ländern endlich einmal die Chance geben sich selbst zu entwickeln, anstatt sie mit Geld zu knebeln und mit diversen fiesen Marktzugangsbarrieren ins Elend zu stürzen.


Ich glaube nicht, dass mein Standpunkt so haltlos ist wie von dir behauptet.
 
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