Und jetzt mal gesondert zu deiner Meinung, Moral bäuchte es nicht:
du selbst sagst, man müsste den Hilflosen helfen. Das ist auch MORAL!!!!
Ich muss mich jetzt schwer beherrschen, dass ich nicht wieder ausfallend werde, aber diese Äusserung hat mich tierisch aufgeregt!
Lies erstmal genau was ich gesagt. Habe. Ich habe nicht gesagt, dass du keine anderen Argumente hast und ich habe mich mit keinem Wort generell gegen die Moral ausgesprochen. ich habe folgendes gesagt:
"Moral ist, überspitzt gesagt, das Mittel desjenigen der sonst keine guten Argumente hat. "
Das habe ich folgendermaßen gemeint:
Wer heute den Sozialstaat in Zweifel zieht, macht sich moralisch verdächtig. Hat er kein Herz für Arme? Umweht ihn der kalte hauch des Sozialdarwinismus? Gehört er zu jenen anarchokapitalistischen Staatsfeinden? Damit sowas erst gar nicht aufkommt, passen die Sozialexperten der Parteien, Gewerkschaften Kirchen und Wohlfahrtsverbände auf uns auf. Und das bringt mich auf die Palme. Die Gutmenschen hierzulande haben den Begriff Moral für sich gepachtet. Sobald jemand etwas gegen den Sozialstaat sagt wird er als "unmoralisch" oder "kaltherzig" abgestempelt. Das verhindert in der Öffentlichkeit jede Diskussion. Und da kommt wirklich oft nur das Argument "Moral". So kann man sich bequem als Retter der Schwachen und die Gegenpartei als neoliberale Hyäne abstempeln. Deshalb reagiere ich bei dem Begriff "Moral" sehr empfindlich. Die fortschreitende Moralisierung der Gesellschaft (das hab ich schonmal gesagt) ersetzt Verstand immer häufiger durch Emotionen und Humanitätsduselei.
Deshalb war das kein dummer Spruch, sondern eine zutreffende Beobachtung.
Und vorher hatten wir keine soziale Marktwirtschaft hier? Das kaputte Deutschland un Vollbeschäftigung in den 60ern? Komm mir jetzt bloss nicht mit dem Argument, das wäre veraltet, dein Friedmann ist ja auch nicht mehr der frischeste. Scheinbar funkt das Prinzip aber. Die Anstiege der neueren Zeit sind auf Versagen der Politik in detailfragen zurückzuführen. Ja, die haben Fehler gemacht, schaffen wir doch gleich den ganzen Staat ab.
Wenn wir den Staat minimieren würden hätten Politiker ja weniger Möglichkeiten Fehler zu machen und Unheil anzurichten. Gänzlich abschaffen will ich ihn natürlich nicht.
In der dritten Welt, wo Wasser und Nahrung knapp sind, vermehren sich die Menschen am stärksten
Armut und Überbevölkerung, die du scheinbar in einen Zusammenhang stellst, sind keinesfalls das gleiche. In den USA leben mehr Menschen pro Quadratkilometer als in Afrika. Die alten Bundesländer sind ebenso dicht besiedelt wie Indien, Italien dichter als Pakistan. Krasse Überbevölkerung herrscht in dem nicht gerade bettelarmen Monaco. Die allgemeine Konzentration auf das Thema "zu viele Menschen" verstellt manchmal den Blick auf ein anderes wichtiges Problem: Es gibt immer noch zuwenig Demokratie und Marktwirtschaft auf der Welt.
Und du scheinst ja auch zu glauben, dass Hunger und Elend immer mehr zunehmen. Das stimmt aber einfach nicht. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde in vielen Ländern gehungert. Es gab damals 2 Milliarden Menschen auf der Welt. Zur Jahrtausendwende gibt es mehr als 6 Milliarden Menschen, und es ist genug Nahrung für alle da. Hungerkatastrophen verschwanden nicht nur aus Europa und Amerika, sondern seit den 70er Jahren auch aus Asien. Die Hungersnöte, die in jüngster Zeit Afrika heimsuchten, etwa in Somalia, im Sudan oder in Äthiopien, waren die Folge von Bürgerkriegen und nicht von Nahrungsmangel auf dem afrikanischen Kontinent. Auch die Entwicklungsländer produzieren heute genügend Nahrung für jeden Bürger. Wenn dennoch in einigen Gebieten der Erde Hunger ausbricht, so liegt das nicht daran, dass nicht genügend Nahrung vorhanden ist, sondern an Staatsterror, Krieg oder Bürgerkrieg.
Insgesamt werden immer weniger Menschen Opfer von Hungersnöten. In der 90er Jahren sank sank die Zahl der Unterernährten in den Entwicklungsländern jährlich um 8 Millionen. Die durchschnittliche Nahrungsversorgung pro Kopf wird in den Entwicklungsländern seit Jahrzehnten immer besser. Doch zu viele Menschen bleiben von diesem Fortschritt ausgeschlossen. Durch Fortschritte in Landwirtschaft und Medizin wurden große Erfolge erzielt. Die durchschnittliche Pro-Kopf Versorgung mit Kalorien stieg von 1930 bis 1980 weltweit um 30%; in den armen Ländern sogar um 40% Damit nähert sich die durchschnittliche Lebensmittelversorgung in den Entwicklungsländern einem Niiveau, das Europa vorm 2. WK herrschte. Impfungen, Hygienemaßnahmen und erste Ansätze medizinischer Versorgung führten dazu, daß die Lebenserwartung besonders deutlich zunahm. Der dramatische Anstieg der Weltbevölkerung ist also weniger darauf zurückzuführen, daß sich die Menschen vermehren wie die Kaninchen, sondern vielmehr darauf, dass sie nicht mehr sterben wie die Fliegen.
Afrika ist kein verlorener Kontinent. Die globale Verelendungstheorie wurde oft genug widerlegt. Die grausamen Bürgerkriege in einigen Ländern überschatten das Bild. In anderen Staaten sind Demokratie und Marktwirtschaft auf Erfolgskurs.
Ob es Zufall ist, dass sich Naturkatastrophen jetzt so häufen (natürlich liegt das auch an der besseren Aufzeihnung, aber man kann es auch nicht ganz wiederlegen)
Es hat sich vielfach eingebürgert, Unwetter oder Überschwemmungen gleich dem Treibhauseffekt zuzuschreiben (hast du zwar nicht direkt getan, aber ich nehme an, dass du das meinst.) Doch selbst der Vorsitzende des Intergovernmental Panel On Climate Change (IPCC), unter dessen Dach sich bei der sich bei der UN die Klimawarner der Welt versammelt haben, tritt dem entgegen. Der Schwede Dr. Bert Bolin sagte, es sei Unsinn, derzeit jegliche Überflutungen, Dürren, Wirbelstürme oder andere extreme Wetterereignisse steigenden Temperaturen anzulasten. "Ein solcher Zusammenhang kann nicht erkannt werden" sagte Bolin auf einer Diskussion 1997 und
fügte hinzu: "Umweltaktivisten, die dies dennoch tun, traue ich deshalb nicht". Eine Gruppe von IPCC-Forschern berichtet darüber hinaus, dass bei Hurrikanen und Wirbelstürmen eine abnehmende Tendenz zu beobachten ist. Auch in der Nordsee konnte keine Zunahme der Sturmhäufigkeit festgestellt werden. Dürren oder Überschwemmungen sind auf Wetterlaunen oder Naturereignisse zurückzuführen - nicht auf einen Klimawandel.
Andere vermeintliche Indikatoren für häufigere Unwetter erweisen sich bei nähere Betrachtung ebenfalls als übertrieben. So diente eine spektakuläre Schadensmeldung der Münchener Rückversicherung vielfach als Beleg für den verhängnisvollen menschlichen Eingriff in das Klima. Danach war 1995 durch Naturkatastrophen ein ungewöhnlich hoher Volkswirtschaftlicher Schaden von ca. 180 Milliarden Dollar enstanden. Was verschwiegen wurde: Allein 100 Milliarden Dollar dieser Summe entfielen auf das Erbeben in Kobe. Das Versicherungsunternehmen äußert sich inzwischen zurückhaltender. Gerhard Berz, Leiter der Forschungsabteilung der Versicherung, führt die steigenden Schadenssummen in erster Linie auf die dichtere Besiedlung, den steigenden Lebensstandard und die wachsende Bevölkerung zurück. Einfach gesagt: Wo früher ein Hurrikan über unbesiedelte Klippen hinwegfegte, nimmt er heute womöglich eine Siedlung von Luxusferienhäusern Huckepack.
Ich gehe auf jeden Punkt bei dir ein, aber in vielen Punkten, die ich genannt habe, vermisse ich eine Stellungnahme gänzlich
Also ich habe noch nicht gemerkt, dass du auf jeden meiner Punkte eingehst. Aber es stimmt, dass ich nicht auf jeden deiner Punkte eingehe. Das liegt daran, dass ich den Eindruck habe dass eine weitere Stellungnahme nicht nötig ist, da schon alles gesagt wurde. Wenn du willst kann ich das aber in Zukunft trotzdem machen.
und zur Mindestlohnsetzung:
Natürlich gäbe es einen stärkeren Anreiz, denn ohne Arbeit gäbs auch kein Geld. Das müsste als Ansporn reichen.
Und zu deinen anderen Ausführungen dazu: Mir fehlt jetzt der wissenschaftliche Hintergrund um das zu widerlegen. Bin ja kein Experte. Kann gut sein, dass es so kommt aber das würde nur die Praxis zeigen.
@ Sovok
Die Konjunktur. Erkennst du wenigstens an, dass sich Unternehmen und Haushalte pro-zyklisch verhalten? Müsste ja eigentlich schon sein, wenn du so ein Experte bist. Auf jeden Fall folgt daraus die Notwendigkeit eines sich anti-zyklisch verhaltenden Sektors. Und das ist nun mal nur der Staat.
Auweia bloß nicht! Die antizyklische Konjunkturpolitik ist keine erlaubte Politik die einen ungesunden Zustand heilt sondern sie ist selbst die Krankheit (für deren Therapie sie sich komischerweise hält). Klingt seltsam ist aber so: Die Probleme die mit Hilfe deiner antizyklischen Konjunkturpolitik gelöst werden sollen existieren eigentlich überhaupt nicht. Das liegt daran dass sich auf den Märkten, läßt man sie von politischer Seite her in Ruhe, das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage immer von selbst einstellt (gut es gibt einige wenige Ausnahmen). Das gilt sowohl für die produzierten Waren und die Dienstleistungen als auch für Arbeitskräfte. Jeder bekommt was er will wenn er gibt was er geben will oder kann. Wer etwas nicht kauft, kauft es nicht, weil es ihm zu teuer ist. Und wer etwas nicht verkauft, der hat mit seiner Zeit und seinem Leben eben etwas anderes vor. Dabei ist der Markt im Prinzip immer übersichtlich; jeder weiß was der Konkurrent anbietet und was er verlangt; jeder weiß, was alle Nachfrager nach Waren, Dienstleistungen und auch Arbeitskräften zu zahlen bereit sind. Deshalb ist jeder letztlich für alles selbst verantwortlich. Genau deshalb hat der Staat nicht nur nichts zu tun, der Staat darf auch nichts tun. Denn mit jeder Tat stört er nur die vielen einzelnen und ihre Tätigkeit am Markt. Somit schafft der Staat durch sein vorsorgliches Eingreifen erst die Probleme, zu deren Lösung er seine gesellschaftlich und politisch schädliche Allgegenwart dann verlangt.
Und jetzt noch ein paar praktische Probleme:
1. Der sog. "Time lag", die zeitliche Lücke zwischen dem Beschluss eines Konjunkturprogramms und dessen Wirksamwerden. Ein Konjunkturzyklus dauert mitunter nur drei bis vier Jahre. Ehe der Staat sein Konjunkturprogramm beschlossen und umgesetzt hat, vergehen schnell ein oder zwei Jahre. Also hat der Bauarbeiter, der durch einen Staatsauftrag wieder in Brot gebracht wird, erst dann (mehr) Geld in der Tasche wenn die Konjunktur wieder anzieht.
Das Konjunkturprogramm wirkt dann schlimmstenfalls kontraproduktiv: Die Saat der Staatsausgaben geht erst dann auf, wenn die Konjunktur schon längst wieder angezogen hat.
2.Wenn der Staat sich für Konjunkturprogramme verschuldet (was in der Regel immer der Fall ist) muss er entweder die Steuern erhöhen oder sich das Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Dies führt zu allgemein höheren Zinsen. Höhere Steuern machen den positiven Effekt von Konjunkturprogrammen sofort zunichte. Steigen die Zinsen, weil der Staat Kredite nachfragt, werden Haushalte und Unternehmen vom Kapitalmarkt verdrängt - sie verschieben ihre Investitionen.
3. Die Erwartungen der Menschen. Haushalte und Unternehmen sind sich darüber klar,dass staatliche Schuldenmacherei so oderso zu Steuererhöhungen führen wird. Vor allem die private Haushalte legen also zumindest einen Teil des Geldes, das staatliche Konjunkturprogramme in ihre Taschen spülen, beiseite - denn sie wissen, dass ihnen das Geld ohnehin wieder abgenommen wird.
4. Die Globalsierung. Die Volkswirtschaften sind offener denn je - Geld, Güter und Dienstleistungen zirkulieren um die Welt. Eine Exportnation wie Deutschland ist alles andere als eine geschlossene Volkswirtschaft. Beschließt der Bundestag ein Konjunkturprogramm, können sich letzten Endes auch die Wirte auf Mallorca und die Autobauer in Japan freuen. Denn auch bei ihnen landet ein Teil des Geldes, das deutsche Bauarbeiter und Ingenieure durch das Konjunkturprogramm verdienen. Der gewünschte Effekt verpufft einfach.
Dass dieser ganze antizkylische Krams nix bringt kannst du am besten an Japan erkennen. Die haben in den 90ern 7 richtig fette Konjunkturspritzen im Wert von rund 2 Billionen Mark durchgezogen - nutzlose, aber extrem teure Strohfeuer. Am Ende wurden nur bankrottreife Baufirmen künstlich über Wasser gehalten. Und jetzt ham die die Kacke richtig am dampfen. Der Aufschwung ist nicht eingetreten. Das Bankensystem steht vorm Kollaps, die Arbeitslosigkeit steigt, die Staatsschulden sind die höchsten einer Industrienation.
Achja ein Experte bin ich in keiner Weise. Ich interessiere mich nur ein bisschen für sowas.
Und zu denen gehört nun mal, dass Planwirtschaft genauso wenig funktioniert, wie freie Marktwirtschaft
Wann wurde jemals richtig, und ich meine richtig freie Marktwirtschaft denn je praktiziert? Jetzt sag nicht in den USA, da greift der Staat noch viel zu viel in die Wirtschaft ein.
Kurze Frage zum Schluss:
Bist du liberal und denkst du, dass das für die Realität gut ist?
Ja