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[Review] 2016 TV Pilot Reviews

Dieses Thema im Forum "Serien" wurde erstellt von DJ Doena, 16. September 2016.

  1. Vulcan

    Vulcan Lieutenant

    Muss man denn immer gleich eine Rassensache draus machen? ;)

    Bei Wikipedia hat da jemand eine Liste von solchen Serien angefertigt:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Primetime_Emmy_Award_for_Outstanding_Drama_Series

    OK, Scherz beiseite:
    Es geht bei dem Thema ja immer um einen differenzierten Blickwinkel:
    Ist es beunruhigend, wenn in EINER Serie nur Weiße Hauptrollen haben? Nein.
    Wäre es beunruhigend, wenn in den meisten Serien nur Weiße Hauptrollen hätten? Ja.
    Ist es beunruhigend, wenn in EINER Serie (MacGyver) zwei Schwarze im fünfköpfigen Seriencast sind; wo Afroamerikaner in den USA nur 1/8 der Bevölkerung stellen? Nein.
    Ist es beunruhigend, dass in EINER Serie (Game of Thrones) nur ein Schwarzer unter den etwa 60 wichtigsten Charakteren ist; wo Afroamerikaner in den USA doch 1/8 der Bevölkerung stellen? Nein.
    Ist es beunruhigend, wenn eben diese Serien mit einem sehr geringen Anteil an oder ganz ohne Schwarze signifikant (=über Jahre hinweg; in deutlichem Ausmaß) häufiger Preise bekommen? Ja.
    Ist es beunruhigend, wenn in einem Jahr mal nur Weiße Oscars bekommen? Nein.
    Ist es beunruhigend, wenn bei Oscar-Verleihungen über Jahrzehnte hinweg systematisch der Anteil der Weißen unter den Preisträgern signifikant höher liegt als ihr Anteil an der Bevölkerung, während Schwarze in deutlich geringerem Maße Preise bekommen als es ihr Bevölkerungsanteil erwarten lassen würden und während Amerikaner asiatischer Abstammung sogar in noch stärkerem Maße unterrepräsentiert sind? Ja, absolut.
    Ist es beunruhigend, wenn jemand seine Argumente nur noch als Antwort auf selbstgestellte Fragen darlegt? Nein, ganz sicher nicht! :rolleyes:

    Wie komme ich zu den Gedanken? Auf Deine Frage nach einer Serie ohne schwarze Charaktere sind mir gleich als erstes vier der fünf Emmy-Gewinner (Outstanding Drama Series; Mad Men, Sopranos, Game of Thrones, Breaking Bad) der letzten 10 Jahre eingefallen; und die fünfte (Homeland) war mir nur deswegen nicht in den Sinn gekommen, weil ich sie nie gesehen habe. ;)
    [Zum Vergleich sei aber auch die Kategorie Outstanding Comedy Series genannt, welche in den letzten 10 Jahren wohl nur von zwei Serien gewonnen wurde: Modern Family (da gibt es offenbar keine Schwarzen); 30 Rock (da gibt es Schwarze).]

    Auffällig ist ansonsten, dass von den 10 im Eingangspost gelisteten Serie zwar alle einen supporting black guy haben, aber keine einen Schwarzen als Protagonisten. Das wäre durchaus auch eine möglche Erklärung, warum die Schwarzen selten die großen Preise bekämen.
    Das mag aber genauso gut auch einfach zufälliges statistisches Rauschen sein; bei einer Stichprobengröße von 10 kann man ja kaum eine Signifkanz bekommen. Wenn Lethal Weapon mit im Anfangspost stehen würde, sähe die Sache ja auch schon wieder ganz anders aus. Ich kenne mich mit den aktuellen Serien nicht so aus, ob es einige mit einem schwarzen Protagonisten gibt, wo die Serie aber nicht rein schwarz ist; in den letzten Jahren gab es wohl zumindest Sleepy Hollow.

    Entsprechend Danke für den Denkanstoss. Die Sache mit den Emmies war mir vorher gar nicht so klar.

    Ich habe von den genannten neuen Serie bisher nur MacGyver gesehen. Ich hatte Schlimmes erwartet und tatsächlich schien es sich insofern zu bestätigen, als dass die Serie viel zu bemüht wirkt, viele "moderne" Aspekte (Teil einer geheimen Regierungs-Geheimorganisation, die aber jeder kennt; Sherlock-artige Schrift schwirrt im Bild umher usw. usf.) einzubauen. Sie ist aber keine ganz so große Enttäuschung wie erwartet, teilweise blitzt sogar mal ein ganz klein bißchen MacGyver-Feeling auf.
    Apropos merkwürdig: Ist Dir klar, inwiefern es für irgendjemanden der Charaktere Sinn ergibt, dass Jack die Todesszene von Nikki offenbar unbeschadet überlebt? Wird der von den Leuten einfach liegengelassen, weil ihr KillCount schon aufgebraucht war?

    tl;dr: Ein Einzelfall ist eine akzeptable und durchaus normale Anomalie. Aber eine systematische Unterrepräsentation ist ein ernsthaftes Problem.

    Live long and prosper,
    Vulcan
     
  2. Galaxy-Class

    Galaxy-Class Lieutenant

    Witziger Weise hab ich gesern "Platon's Stiefkinder" gesehen. Wenn du so willst war Uhura auch eine Quotenschwarze, oder ?
     
  3. DJ Doena

    DJ Doena Admiral Mitarbeiter

    Im Prinzip ja. Aber 1966 war ja zugegebenermaßen auch etwas anderes als 2016.

    Für mich ist Gleichberechtigung erreicht, wenn die Minderheit genau beschissen ist, wie die Mehrheit.

    Inzwischen haben wir das erreicht.

    Stars können schwarz und berühmt sein und menschlich trotzdem nichts wert (O.J. Simpson, Bill Cosby). Frauen können CEOs sein und trotzdem ganze Unternehmen in den Abgrund reißen (Blythe Masters, Carly Fiorina).

    Hier ist ein interessanter Fakt: Gemessen an den letzten 20 Jahren haben Schwarze ziemlich genau ihren Anteil an der Bevölkerung in Oskars gewonnen.

    Und über Asiaten spricht eh nie jemand. In der Opferhierarchie Amerikas gibt es Schwarze und eventuell noch Latinos. Asiaten sind nicht mal zur Gruppe der sogenannten "people of colour" zugeordnet.

    Wenn in den Raum geworfen wird, dass Schwarze im Durchschnitt nur 66% von dem verdienen, was ein durchschnittlicher Weißer verdient, dann wird unter den Tisch fallen gelassen, dass Weiße nur durchschnittlich 87% von dem verdienen, was ein Asiate heimbringt. Das passt nämlich nicht ins Narrativ vom bösen weißen Mann, der Minderheiten unterdrückt.


    Mich haben Schwarze in Serien nie gestört. Ich wusste, dass es sie in den USA gibt, also war es für mich das Natürlichste von Welt, sie in US-Serien zu sehen und zwar in allen möglichen Settings (die alte Galactica zum Beispiel). Ich habe auch fast rein-schwarze Serien wie die Cosby Show oder Alle unter einem Dach geguckt (und heute eben die Carmichael Show).

    Für mich war das nie ein Big Deal. Bis eben diese ganze Social Justice Warrior Welle aufkam, die in allem und jedem Diskriminierung sieht, die bekämpft werden müsse. Wenn sogar Ivy League Harvard-Studenten darüber jammern, wie unterdrückt sie doch seien: https://www.youtube.com/watch?v=cjcIQOUuFQ4
     
  4. DJ Doena

    DJ Doena Admiral Mitarbeiter

    [​IMG]

    Speechless Website
    Speechless @ Wikipedia
    Speechless @ IMDb

    Die Dimeo-Familie ist wieder einmal umgezogen, um ihrem ältesten Sohn J.J. eine Chance in einer neuen Schule zu geben. J.J. hat Cerebralparese, eine Krankheit, die ihn an einen Rollstuhl bindet und es ihm unmöglich macht, zu sprechen (aber nicht, sich auszudrücken).

    J.J.s Mutter Maya ist die treibende Kraft hinter dem Umzug, denn ihr ganzes Leben dreht sich um J.J., um ihm die bestmögliche Pflege und Bildung zu ermöglichen.

    Aber ihre anderen zwei Kinder haben langsam die Nase voll davon, ständig entwurzelt zu werden, nur damit J.J. eine kleine wahrgenommene (aber nicht immer tatsächliche) Verbesserung erfährt.

    J.J.s neue Schule ist sehr tolerant und aufgeschlossen, aber niemand kann Mayas Standards gerecht werden, was offensichtlich wird, als die neue Schule J.J. nur die Abfallrampe anbieten kann, weil sie keinen echten behindertengerechten Zugang am Eingang haben.

    J.J.s Dad geht die ganze Welt ganz ruhig an und es interessiert ihn nicht wirklich, was andere über ihn denken. Dadurch schafft er es, eine Gegenbalance zu seiner Frau zu sein und nicht den Fakt aus den Augen zu verlieren, dass da noch zwei weitere Kinder sind, die aufgezogen werden müssen.

    Ich habe bereits ein paar mehr Folgen gesehen und die Serie schafft es, einen interessanten Balanceakt fertig zu bringen.

    Auf der einen Seite zeigen sie tatsächlich, die Probleme zu zeigen, die Menschen mit Behinderungen täglich haben und die Mutter kommt oftmals wie eine echte Social Justice Warrior herüber, die manchmal nur um des Kämpfens willen zu kämpfen scheint.

    Aber sie machen das so übertrieben (zum Beispiel will die ganze Schule J.J. zum Klassensprecher machen, nur weil er behindert ist und nicht basierend auf irgendwelchen Verdiensten) und durchsetzt mit gutem Humor, dass sie es schaffen, ihren Punkt rüberzubringen ohne oberlehrerhaft zu wirken.

    Es hilft natürlich absolut, dass J.J. ein absolut ausgeglichenes Kind ist, der seine Behinderungen mit Hilfe der Werkzeuge, die ihm zur Verfügung stehen, überwindet.

    Während Minnie Drivers (Maya) Charakter mich an ihre Rolle in About a Boy (die Serie) erinnert, so ist John Ross Bowie's Dad auf der anderen Seite überhaupt nicht wie The Big Bang Theorys Sheldons Widersacher Barry Kripke.

    [youtube]4u55WK6AbaM[/youtube]

    *Sowohl der Darsteller als auch der Charakter haben Cerebralparese, eine Krankheit, unter der auch Breaking Bads Darsteller RJ Mitte leidet.