Staffelanalyse: Lower Decks, Staffel 1

Vulcan

Lieutenant
Die erste Staffel von Lower Decks ist nun abgeschlossen und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen:

LD
ist unter den aktuellen Star Trek-Produktionen mit Abstand diejenigen, die am wahrhaftesten eine Star Trek-Serie ist.*

Obwohl LD auf Humor ausgerichtet ist, beachtet es den Canon, die Botschaft und andere Eigenheiten von Star Trek sehr viel mehr und ernsthafter als z. B. PIC oder gar DIS. Sehr erfrischend ist dabei das Wiederaufgreifen von typischen Tropes, die dann aber natürlich in vollkommen entgegengesetzte Richtungen entwickelt werden als es das jeweilige Trope sonst tun würde.

LD braucht am Anfang etwas Zeit, um sich einzulaufen, wurde aber mit jeder Folge besser und macht einfach Spaß. Ich habe mich durchgängig gut unterhalten gefühlt und man konnte geradezu fühlen, dass hier Leute am Werk waren, die ihr Star Trek kennen und lieben.

Vielen Dank an Mike McMahan!

* vielleicht abgesehen von The Orville.

Skalen jeweils 0 bis 10

Gesamturteil: 8/10

Episodenwertung (ergänze ich womöglich nach der deutschen Erst-Ausstrahlung):
1x01 Second Contact: 8/10 Ein ordentlicher Pilotfilm, der mehrere parallele Handlungen aufweist und gleichzeitig das Setting und die Figuren gut einführt.

Handlung 8/10
Die Folgen sind thematisch in sich abgeschlossen; über die Staffel findet aber konsequent eine Charakter-Entwicklung statt. Jede Folge bietet dabei mehrere parallele Handlungsstränge, ebenso wie in den späteren TNG-Staffeln. Diese Handlungsstränge sind jeweils gut durchdacht umgesetzt und werden vernünftig abgeschlossen.

Originalität 8/10
Einerseits werden viele Themen aus den bisherigen Serien wieder aufgegriffen. Andererseits wird dabei aber erstens gezielt eine andere Perspektive präsentiert und zweitens gekonnt eine andere Richtung der Entwicklung verfolgt, so dass der Abschluss jeder Handlung im Grunde vollständig originell ist.

Message 6/10
LD hat die Botschaft von Star Trek nicht als Haupt-Anliegen, aber LD beachtet sie und führt sie an einigen Stellen aus. An ein paar Stellen gibt es aber auch Abstriche zum Zwecke der Comedy. Diese fallen aber sehr viel kleiner aus als die gigantischen Abstriche in DIS und PIC.

Storytelling 9/10
Die Serie ist weitgehend episodisch organisiert mit Charakter-Entwicklung, die über die Folgen hinweg weitergesponnen wird. Manchmal gibt es Abschnitte, wo der Humor den Vorrang vor der Handlung bekommt. Außerdem sind die Folgen leider nur eine knappe halbe Stunde lang - überraschenderweise wirken die Handlungen dennoch sowohl vollständig als auch organisch vom Timing - lediglich der Pilotfilm ist etwas "hektisch".

Editing 10/10
Die Folgen sind gut aufbereitet. Es wird gut darauf geachtet, dass die Handlung für den Zuschauer Sinn ergibt und die Dialoge und Abläufe packend sind.

Interne Kontinuität
10/10
Mir sind keine relevanten Logikfehler aufgefallen, nur Kleinigkeiten.

Externe Kontinuität
9/10
Die Serie übernimmt viele Teile der Vorgänger korrekt und treu, so dass man sich fast in TNG hereinversetzt fühlt. Es gibt nur kleinere Abstriche aus humoristischen Gründen. Selbst Design, "Kameraführung", Schrifteinblendungen sind originaltreu. Es gibt eine Vielzahl an expliziten Referenzen zu den bisherigen Serien, die schon fast die vierte Wand brechen und manchmal mehr nach Gesprächen zwischen Star Trek-Super-Fans klingen. Die in ihrer Anzahl dezent eingesetzten Cameos früherer Star Trek-Rollen sind auch genau richtig dosiert.

Design 10/10
Das Design ist perfekt an die 90er-Star Trek-Serien angepasst und wirkt trotzdem (im Zeichentrick) auf dem Stand der Technik. Trotzdem erlaubt die Serie sich auch den ein oder anderen Scherz in Bezug auf die anderen Produktionen mit Titel "Star Trek".

Spezialeffekte
6/10
Die Spezialeffekte sind einer Zeichentrick-Serie angemessen und der TNG-Zeit sehr passend nachempfunden.

Sets 8/10
Die Sets sind logische Weiterentwicklungen der Sets aus TNG bis Nemesis.

Cast 8/10
Der Voice-Cast ist gut. Ich würde aber empfehlen, die Serie mit Untertiteln zu gucken, da einige Personen (ihrem Charakter entsprechend) sehr schnell sprechen.

Diversität 10/10
- 2 Männer, 2 Frauen
- 3 Menschen (ein technisch-aufgewerteter), 1 Orion
- 1 weiß, 2 schwarz*, 1 grün (* von der Helligkeit wahrscheinlich mit schwarzen und weißen Vorfahren, ähnlich wie Obama)
- einigermaßen diverse wiederkehrende Charaktere.

Charakteridentifikation 9/10
Die Charaktere sind menschlich, mit Fehlern, versuchen aber ihr Bestes zu geben. Man kann sich gut mit ihnen identifizieren und realistischerweise nerven manche von ihnen auch mal im angemessenen Maße (also nicht Tilly-mäßig).

Titel 8/10
Die Folgentitel beschreiben die Folgen adäquat.

Vorspann 10/10
Der Vorspann ist ein typischer Star Trek-Vorspann - versetzt mit humoristischen Twists. Es ist somit der perfekte Vorspann für LD.

Musik 7/10
Die Musik war weitgehend passend und orientierte sich an passenden Stellen an seinen Vorgängern.

Strange New Worlds 8/10
Wir kriegen nahezu jede Folge neue Welten präsentiert und/oder die Fortschreibung uns bereits von früher bekannter Welten.

New Life, New Civilizations
9/10
Es gibt eine bunte Mischung aus alten und neuen Lebensformen.

To boldy go, where no one has gone before 7/10
Es gibt einige neue Ideen und einige Male wird bereits bekannten Ideen ein neuer Twist entgegengesetzt.

Live long and prosper,
Vulcan
 

DJ Doena

Admiral
Teammitglied
Ich hab dieses Review noch nicht gesehen, kann es also (fast) neutral posten. Außer, dass ich weiß, dass Steve das neue Trek oftmals in Schutz nimmt und keiner von den "alles nach ENT = enscheiße" ist.

 
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