Abnehmende Qualität des Fernsehens

Vulcan

Lieutenant
Ich habe heute die TNG-Folge Der Rachefeldzug/The Wounded angeschaut und muss sagen, dass ich beeindruckt bin wie gelungen diese einzelne Folge es schafft, die Themen PTSD sowie die Entlarvung naiver Kriegsfalken-Argumentation zu behandeln.

Das ist mir besonders aufgefallen, weil die erste Staffel von DIS behauptet, diese Themen zentral zu behandeln (Tyler's PTSD und Badass Captain Lorca) und insbesondere die Verantwortlichen der Serie mehrfach behauptet hatten, diese Themen seien ihnen in der Staffel sehr wichtig gewesen und zuvor bei Star Trek noch nicht behandelt worden.

Dennoch sehe ich in den ganzen 15 Folgen der ersten Staffel von DIS sehr viel weniger ernsthafte Behandlung des Themas als in dieser einen TNG-Folge.

Besonders deutlich kann man den Qualitätsunterschied anhand eines Gesprächs von Picard mit Maxwell im Besprechungsraum sehen:
The Wounded[1] schrieb:
MAXWELL: Picard, I have to tell you I was grateful when I realised it was you Starfleet sent after me. Somebody who knows what it's really like out here.
PICARD: I know of nothing out here that could possibly justify what you have done.
MAXWELL: Then listen to this. The Cardassians are arming again. That so-called science station? Military supply port.
PICARD: How do you know this?
MAXWELL: Information comes my way.
PICARD: From whom? Where is your documentation?
MAXWELL: I know what they're doing. I can smell it. There's no good reason for a science station in the Cuellar System, but it's a hell of a strategic site for a military transport station. A jumping-off point into three Federation sectors. They're running supply ships back and forth and nobody's going to tell me it's for scientific research.
PICARD: But whatever circumstances you encountered, why didn't you notify Starfleet?
MAXWELL: And wait six months while the bureaucrats sit around reading reports, trying to figure out what to do? They don't know what's going on out here. But you should, Picard. You know what it's like to be under fire.
PICARD: You weren't under fire.
MAXWELL: Lives were at stake.
PICARD: Whose lives?
MAXWELL: We had to act now.
PICARD: Why?
MAXWELL: It smells musty in here. Like a bureaucrat's office.
PICARD: You have killed nearly seven hundred people and you have taken us to the brink of war.
MAXWELL: I have prevented war, or at the very least delayed it a good long time. The peace treaty was a ruse, to give them breathing room, time to regroup.
PICARD: And so all alone you decided to dispose of the treaty.
MAXWELL: I took the initiative. I did what had to be done.
PICARD: What had to be done? For whom? Why does a man with a long and brilliant service abandon the fundamental principles that he has believed in, even fought for, all his life? I believe it is because of what they did to your wife and your children.
Maxwell stellt immer wieder Aussagen in den Raum ("I did what had to be done.", "We had to act now.", "Information comes my way."), die auch heute (und insbesondere in Filmen und Serien) als Handlungsbegründung genommen werden, aber tatsächlich vollkommen inhaltslos sind - tatsächlich sind einige wortwörtlich in aktuellen Produktionen wie DIS wiederzufinden.
Der Unterschied zu den heutigen Produktionen ist dann, dass Picard dazu Rückfragen stellt, um echte Informationen zu bekommen - die Maxwell natürlich nicht liefern kann. Wohingegen ich das Gefühl habe, dass heutzutage (insbesondere bei DIS) diese inhaltslosen Ansagen einfach geschluckt werden ohne dass jemand die Intelligenz/ den Schneid hat, die notwendigen Rückfragen zu stellen.

Wie seht ihr das? Einerseits interessiert mich dabei Eure Sicht darauf in Bezug auf DIS. Andererseits würde mich aber natürlich auch interessieren, ob Euch direkt eine aktuelle Serie in den Sinn kommt, wo Leute nicht mit so leeren Ansagen wie den oben genannten durchkommen.

Live long and prosper,
Vulcan

[1] http://www.chakoteya.net/NextGen/186.htm
 

USS Nelame

Lieutenant
Dennoch sehe ich in den ganzen 15 Folgen der ersten Staffel von DIS sehr viel weniger ernsthafte Behandlung des Themas als in dieser einen TNG-Folge.
Liegt ja auch daran, weil DIS sich einen Scheiß um die Charaktere kümmert, sondern nur Michael als Erlöserin (habe ich das jetzt richtig verstanden, dass man das sogar wortwörtlich anwenden kann) ins Zentrum stellt. Wäre Michael wenigstens eine Figur, der ich gerne folgen würde, dann wäre es ja was anderes. Aber selbst nach 2 Staffeln bin ich mit ihr immer noch nicht warm geworden, da überzeugen mich Saru, Pike (wie gut, dass es da wohl eine eigene Serie geben wird!) und sogar die Imperatorin viel mehr!

Das lässt sich in meinen Augen alles darauf zurückführen, dass die Serie keine Geschichte erzählen will - das vielleicht auch, aber nicht vorrangig. Sondern stattdessen eine Agenda fahren will. Michael muss so geil und toll sein, weil sie eine Frau ist, obendrein auch noch schwarz und außergewöhnlich, weil ja Ziehschwester von Spock und was weiß ich noch alles.
Mit dieser Ideologie-Scheiße haben sie Star Wars und Doctor Who schon krachend an die Wand gefahren, etliche Filme und Serien sind zurecht(!) in der Versenkung verschwunden und ich sehe es auch bei Star Trek Discovery, dass das noch böse enden wird, wenn die Macher sich nicht endlich von dieser Agenda frei machen und sich auf ihr kreatives Potenzial besinnen, anstatt auf "sie hat ne Vagina, also müssen wir sie zur Heldin skripten". Genau in dem Zusammenhang kommt dann auch das, was du so schön bemerkst zu dem Fazit "we did what had to be done". Das soll dann die Begründung dafür sein, dass wir es hier mit Helden zu tun haben. Charaktere werden aber nicht zu Helden, weil ein Schicksal, ein Gesetz, eine übergeordnete Macht oder ein Skript es ihnen aufbürdet. Sie entwickeln sich dahin. Wachsen an sich selbst über sich selbst hinaus und tun aus der daraus gewonnenen Kraft heraus das Richtige, selbst wenn es am Ende ihren Untergang bedeutet.
Und was erleben wir bei Michael? In 2 Staffeln, die bis auf wenige, erfreuliche Ausnahmen nur sie im Zentrum hatten, gab es effektiv 0 Charakterentwicklung, kaum Einsicht und überhaupt keine bleibende Veränderung. Da fühle ich mich, als hätten sie Voyager aus der Retorte geholt und in einen einzigen Charakter hineingegossen.

Discovery ist da für mich leider auch nur symptomatisch. Im Internet kursieren bereits seit Jahren übelste Witze über das heutige "blackwashing" durch Hollywood. Man muss nur mal nach "Netflix adaptation" suchen und kriegt die wildesten Karrikaturen und Collagen zu sehen. Mir fällt auch tatsächlich momentan keine aktuelle Serie ein, die in dem Sinne positiv herausstechen würde - das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich bereits seit 5 Jahren den Fernseher aus meiner Bude verbannt habe. Neben dem ganzen Infotainment und Trash-TV von RTL und Co (worauf ich hier gar nicht erst eingehen möchte) bilden da die amerikanischen Serien mit ihrem Diversititsmus-Ideal und dem Wunsch, auf diesen Zug aufzuspringen, quasi die dritte verbleibende Standsäule der Fernsehunterhaltung. Und viele Macher verkennen gleichzeitig, dass es beim Aufgreifen dieser Themen ursprünglich mal darum ging, gesellschaftliche Zwänge zu brechen, indem man ihnen eine erstrebenswerte Alternative entgegenstellt. Das macht wahres Heldentum aus!
Aber was sind heutzutage die Alternativen? Alleinstellungsmerkmal sind heute die Hautfarbe, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung. Und das soll schon für einen Titelhelden oder einen Hauptcharakter reichen. Dass die gähnende Leere dahinter dann natürlich für unglaubwürdige Geschichten, zähe Handlungsstränge und im Endeffekt für miserable Quoten sorgt, wird dann darauf geschoben, dass das Publikum ja so intolerant sei. Dabei empfinde ich das als absolutes Versagen der Produzenten, sowohl auf narrativer, als auch auf ideologischer Ebene. Schlimmer sogar, mein Eindruck ist inzwischen, dass die Serien, die sich ganz bewusst dagegen entscheiden und stattdessen Rassismus, Sexismus, Missbrauch, Folter und Kriminalität zum Handlungsgegenstand machen, heutzutage die einzigen sind, die noch Mut beweisen, weil sie sich gegen diesen Wirbelwind erzwungener political correctness stellen. Oder wie kann man sich den Erfolg von Game of Thrones (zumindest, bevor die Co-Autoren die Serie ab Staffel 5 zerstört haben), The Witcher, Sex Education, Breaking Bad etc. erklären? Auch sicher nicht das Beste, was es jemals zu sehen gab, aber immerhin versuchen sie nicht etwas darzustellen, was sie gar nicht sind.

So, nachdem ich mir jetzt meinen Frust von der Seele geschrieben habe, wollte ich aber auch noch einmal in die Runde fragen, ob jemand die Serie "The Expanse" kennt. Ich kenne nur Trailer und ein Review dazu, aber mein Eindruck ist, dass das vielleicht Potenzial hat und endlich einmal wieder ein Juwel unter dem Haufen Scheiße sein könnte, den wir aktuell präsentiert kriegen.
 
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Vulcan

Lieutenant
Liegt ja auch daran, weil DIS sich einen Scheiß um die Charaktere kümmert, sondern nur Michael als Erlöserin (habe ich das jetzt richtig verstanden, dass man das sogar wortwörtlich anwenden kann) ins Zentrum stellt. Wäre Michael wenigstens eine Figur, der ich gerne folgen würde, dann wäre es ja was anderes. Aber selbst nach 2 Staffeln bin ich mit ihr immer noch nicht warm geworden, da überzeugen mich Saru, Pike (wie gut, dass es da wohl eine eigene Serie geben wird!) und sogar die Imperatorin viel mehr!
Ja, ich stimme zu, dass der Charakter ist nicht gut gelungen (wobei das für mich auf die meisten DIS-Charaktere zutrifft).

Das lässt sich in meinen Augen alles darauf zurückführen, dass die Serie keine Geschichte erzählen will - das vielleicht auch, aber nicht vorrangig. Sondern stattdessen eine Agenda fahren will. Michael muss so geil und toll sein, weil sie eine Frau ist, obendrein auch noch schwarz und außergewöhnlich, weil ja Ziehschwester von Spock und was weiß ich noch alles.
Dem kann ich mich aber nicht anschließen. Dazu mehr in meinem nächsten Post (siehe unten).

So, nachdem ich mir jetzt meinen Frust von der Seele geschrieben habe, wollte ich aber auch noch einmal in die Runde fragen, ob jemand die Serie "The Expanse" kennt. Ich kenne nur Trailer und ein Review dazu, aber mein Eindruck ist, dass das vielleicht Potenzial hat und endlich einmal wieder ein Juwel unter dem Haufen Scheiße sein könnte, den wir aktuell präsentiert kriegen.
Ich habe The Expanse geschaut und die Serie hat mir sehr gut gefallen. Ein oft erwähnter und interessanter Aspekt ist, dass die Weltraum-Elemente (z. B. Schub und Trägheit) vergleichsweise realistisch dargestellt werden.
Ich muss allerdings anmerken, dass mich die vierte Staffel dann absolut enttäuscht hat.

Live long and prosper,
Vulcan
 

Vulcan

Lieutenant
Was bedeutet es denn für eine Serie, eine Agenda zu haben? Das ist nur eine andere Formulierung, um zu sagen, dass die Serie über den Unterhaltungswert hinaus eine Botschaft (wie z. B. eine präsentierte Moral) hat und das gilt für jede Serie.

Es unterscheidet sich nur in Intensität und Aussage der Botschaft. TOS und TNG hatten z. B. eine hohe Intensität; hingegen z. B. How I Met Your Mother eine geringere. So eine Botschaft wird heutzutage gerne als "Agenda" bezeichnet wird, sobald diese Botschaft mit "persönlicher Freiheit und Gleichberechtigung" zu tun hat, aber dazu unten mehr.

Ein besonders relevanter Aspekt in dieser Hinsicht ist der sogenannte soziale Druck. Dieser wird eingesetzt gegen "Unerwünschtes". Man lässt gewissermaßen sein Gegenüber wissen, dass man etwas nicht gut findet und übt auf ihn Druck aus, z. B. um das "Unerwünschte" zu ändern.

Dieser Mechanismus an sich ist erst ein mal weder gut noch schlecht.

Es gibt z. B. die positive Ausprägung, dass jemand, der sich wie ein totales Arschloch verhält, befürchten muss, dafür ausgegrenzt zu werden.

Es gibt aber auch negative Ausprägungen, wie dass jemand ausgegrenzt wird, z. B. einfach weil er an einem bestimmten Ort geboren wurde oder ein bestimmtes Geschlecht hat.

Etwas vereinfacht ausgedrückt, ist es also eine Aussage ala "Du bist/hast/machst ..., schäm' Dich dafür!" Man bedenke dabei, dass es aber insbesondere auch um das Vorleben der "richtigen" Variante geht, und die Scham dabei als Ausgrenzung aus dieser Norm hervorgeht. Auf diesen Punkt komme ich gleich nochmal zurück.

Dieser soziale Druck ist absolut nichts Neues und Du wirst ihn finden in jeder einzelnen Fernsehserie (und auch sonstigen Geschichte oder jeglicher menschlichen Interaktion), die Du je gesehen hast. Denn ein Großteil der Konventionen, was dabei als "Unerwünscht" gilt, ist Teil des gesellschaftlichen Vertrages, den wir miteinander haben, und fließt somit automatisch in jede Geschichte ein. Da sich die Gesellschaft über die Zeit verändert, verändert sich auch die Festlegungen, was das "Unerwünschte" ist.

So gab es mit der Zeit glücklicherweise einen Rückgang an diskriminierenden Konventionen wie
"Du bist aus einem unteren Stand, schäm' Dich!", "Du bist eine Frau, schäm' Dich!", "Du bist schwarz, schäm' Dich!", womit die Gesellschaft auch für Menschen lebenswerter wird, die nicht adlige, weiße Männer sind. Das ist sehr begrüßenswert.

...ebenso in Bezug auf repressive Konventionen gegen persönliche Freiheiten wie
"Du hast andere (z. B. sexuelle) Vorlieben als ich, schäm' Dich!", "Du hast andere Vorstellung, wie Dein Garten auszusehen hat als ich, schäm' Dich!", "Du willst als Frau Hosen tragen, schäm' Dich!"

Auf der anderen Seite gab es (gefühlt?) einen Zuwachs an Konventionen gegen Diskriminierung:
"Du behandelst ihn schlechter, weil er schwarz ist, schäm' Dich!", "Du erwartest, dass ausschließlich weiße Männer wichtige aktive Rollen im Leben übernehmen dürfen, schäm' Dich!"

Hier kommen wie wieder auf den Punkt mit der Norm von oben zurück. Der Punkt, den DIS und die anderen von Dir genannten Beispiele hier machen, ist es als Norm darzustellen, dass nicht nur weiße Männer, sondern z. B. auch Frauen wichtige Rollen einnehmen können und sogar die Hauptrolle spielen können. Und damit natürlich den sozialen Druck mit obiger Aussage "Du erwartest, dass ausschließlich weiße Männer wichtige aktive Rollen im Leben übernehmen dürfen, schäm' Dich!" erzeugen.

Die Entwicklung bei diesen Konventionen gehen also weg von
"Es gibt EINE richtige Art, zu sein und zu leben und jeder andere ist ein Arschloch!" (also eine Gesellschaft für adlige, weiße, männliche Spießer) hinzu "Jeder kann leben und sein was er will; und jeder, der das ablehnt, ist ein Arschloch!" (also einer Gesellschaft für alle, die bereit sind, Toleranz zu leben).

Nun stellt sich die Frage: Ja, aber wenn es schon immer diesen sozialen Druck gab und er sich noch gemächlich mit der Gesellschaft ändert, warum wird er denn nun jetzt plötzlich als Problem betrachtet?

Und hier fallen wir als Gesellschaft leider wieder auf die rechten Demagogen und ihre Opferrollen-Propaganda herein. Für diese ist ein beliebtes Vorgehen, Kritik an ihren Angriffen selbst als den Angriff darzustellen, kurzum: Nicht der Verbrecher sei der Böse, sondern derjenige, der den Verbrecher entlarvt.

Das ist ein beliebtes Mittel von Rechten und das wenden sie in allen Lebenslagen an, z. B.:

- irgendeinen absurden Scheiß von sich geben (z. B. man solle alle Ausländer an der Grenze erschießen)
- dann stellt jemand Fakten dagegen und zeigt, dass die Rechten Schwachsinn labern.
- Daraufhin beschweren die Rechten sich, dass das ein Angriff auf die Meinungsfreiheit sei - offensichtlich totaler Blödsinn* - aber plötzlich ist der rechte Spinner in der Opferrolle.
(* Angriff auf Meinungsfreiheit wäre es, wenn man verhindert hätte, dass sie es sagen. Sie es stattdessen offen sagen zu lassen und unter Verwendung der Meinungsfreiheit mittels Fakten als Trottel zu entlarven ist hingegen gelebte Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, dass man dafür gefeiert wird, scheiße zu labern, sondern nur, dass man das Recht hat scheiße zu labern und sich danach anhören darf, wie scheiße das war, was man da gelabert hat.)

Und was macht es einfacher, sich in die Opferrolle zu stellen? Propaganda-Begriffe!

Und da sind wir nun: Solange der soziale Druck im Interesse der rechten Spinner benutzt wird, um Ausländer auszugrenzen oder um Frauen am Herd zu halten oder um diejenigen auszugrenzen, die den Führer kritisieren oder die Hippies, die sich die Haare nicht schneiden lassen wollen, finden die Rechten das super.

Aber sobald der soziale Druck stattdessen sich gegen Ausgrenzung der Ander(-sdenkend-)en wendet, dann heißt er plötzlich "Political Correctness" und wird zu einer angeblich unerträglichen Unterdrückungs-"Agenda" der "Gutmenschen".

Und daher ist es wichtig, dass wir nicht auf deren Begriffs-Propaganda reinfallen! Und dann muss man sagen: Ja, ich möchte, dass es allen Menschen gut geht, also bin ich halt ein Gutmensch.
Ja, ich möchte, dass man für rassistische/sexistische Kommentare zurecht gewiesen wird. Dann bin ich wohl Befürworter von "Political Correctness".
Ja, ich mag es, wenn Filme eine Botschaft/Moral der Gleichberechtigung und für Diversität vermitteln. Dann bin ich offenbar Befürworter dieser "Agenda"-Filme.

Zu erwähnen wäre natürlich noch, dass die Botschaft einer Serie gerade dann besonders intensiv ist, wenn sie von jeweils aktuellen gesellschaftlichen Konventionen abweicht; das taten TOS (z. B. schwarze Frau und Russe im Kommandostab) und TNG (z. B. einvernehmliche Problemlösungen) sehr stark. Diese hatten also eine deutliche Agenda und das war super!

DIS ist sehr viel weniger extrem als Star Trek es zuvor war; in Bezug auf Diversität sind sie aber ganz ok (ein ausgeglichenes Geschlechter-Verhältnis; die 2. (bei bis dato 7) Star Trek-Serien mit weiblicher Hauptrolle; ein homosexuelles sowie ein heterosexuelles Pärchen usw.) - in Bezug auf Problemlösung waren sie natürlich nicht gut.

Was mich persönlich dabei sehr stört, ist dass diese anti-freiheitliche und anti-Gleichstellungs-Kritik die berechtigte inhaltliche Kritik (Logikfehler; faschistischer Geheimdienst-Blödsinn usw.) überschattet. Es gibt so vieles, was ich an DIS kritisiere, aber in die Medien schafft es dann diese lächerliche sexistische, homophobe Kritik der neuen Rechten.

Mit dieser Ideologie-Scheiße haben sie Star Wars und Doctor Who schon krachend an die Wand gefahren, etliche Filme und Serien sind zurecht(!) in der Versenkung verschwunden
Das Problem der neuen Star Wars-Filme ist nicht, dass es eine weibliche Hauptrolle gibt oder einen schwarzen Sidekick. J.J. Abrams und Konsorten sind unfähig, eine gute Handlung mit überzeugenden Charakteren zu schreiben.
Deswegen sind die neuen Star Wars-Filme scheiße. Deswegen sind die Abrams Trek-Filme scheiße.
Die haben die selben Probleme, obwohl erstere mit weiblicher Protagonistin und letztere im Prinzip ohne nennenswerte weibliche Figuren daherkommen.

Zufälligerweise habe ich soeben den Film Enola Holmes gesehen. Der hat ganz klar eine "Agenda"/Botschaft und dennoch ist er einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe. Der ist so gut geschrieben, dass ich selbst Henry Cavill gut fand. ;)

Wo ich das nun alles geschrieben habe, möchte ich nochmal auf den Charakter zurückkommen...
Als Verräter von der Sternenflotte verurteilt, dann als Berater an Bord des Schiffes - und irgendwie drängen die Autoren den Charakter immer wieder in den Vordergrund jeder Handlung, ohne dass es irgendeinen Sinn ergibt! Kein Wunder, dass die Leute sich darüber aufregen... würde man meinen. Aber irgendwie hatte niemand ein Problem mit Tom Paris - Beobachter... ok, Pilot... na gut.... ach, machen wir ihn doch auch noch zur Krankenschwester, so dass er auch in jeder Szene mitspielen darf, in der der Doktor vorkommt. Ok, Voyager's erste Außenmission... wir wollen untersuchen, wie es zu dieser verheerenden Explosion kam... wen nehmen wir mit? Den Wissenschaftsoffizier? Ach nee, komm', lassen wir doch den Piloten das Ganze untersuchen - und siehe da, nicht die wissenschaftlich gebildete Janeway hat den rettenden Einfall, wo sie nach der ionischen Energie suchen müssen, sondern unser All-rounder Paris! Das ist mir jetzt aufgefallen, als ich VOY nochmal von vorne geschaut habe.
Aber während niemand ein Problem mit "Pary Sue" hatte, beklagen wir uns nun alle über Burnham.

Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, dass es hier einen gewissen Doppelstandard gibt. Bei weiblichen Protagonistinnen verlangen wir, dass sie gut sein müssen. Sonst werden sie gnadenlos niedergeschrien. Bei männlichen Protagonisten reicht oft offenbar sehr viel weniger, dass wir sie einfach akzeptieren. Wie seht Ihr das?
 
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Vulcan

Lieutenant
@USSNelame:
Entsprechend teile ich aber den Eindruck, dass die heutigen Serien im Kern leider - wie Du schreibst - unglaublich leer sind und gleichzeitig die - in DJDoenas Video erwähnte - Moral vermissen lassen.

Auch wenn wir bei der Gleichberechtigung offenbar wenigstens einen Schritt weiter gekommen sind, bräuchte es halt dennoch jemanden, der sich (zusätzlich) auch mal wieder auf den Inhalt konzentriert.

Live long and prosper,
Vulcan
 

USS Nelame

Lieutenant
Ja, ich stimme zu, dass der Charakter ist nicht gut gelungen (wobei das für mich auf die meisten DIS-Charaktere zutrifft).
Kann ich so unterschreiben. Es sagt schon viel aus, wenn die Side-Kicks a'la Imperatorin oder Pike mehr Interesse wecken, als die Hauptprotagonistin. Und den Rest der Crew... ganz ehrlich - von der Hälfte konnte ich mir bis Ende Staffel 1 nicht einmal die Namen merken.

Was bedeutet es denn für eine Serie, eine Agenda zu haben? Das ist nur eine andere Formulierung, um zu sagen, dass die Serie über den Unterhaltungswert hinaus eine Botschaft (wie z. B. eine präsentierte Moral) hat und das gilt für jede Serie.
Ja, das war wohl unglücklich formuliert. Mit "Agenda" meine ich in diesem Zusammenhang, dass die Serie sich als eine moralische Instanz hinstellt, ohne andere Positionen zuzulassen. Oder wann sehen wir Michael mal ihre Entscheidungen hinterfragen? Wann sehen wir, dass die dort formulierten und gelebten (vermeintlichen) Ideale einer Prüfung unterzogen werden? Dass ein Mensch, obwohl er so weit entwickelt sein soll, diesen Entwicklungsstand hinterfragt, wie es der Junge in TNG tut, dessen Mutter gestorben ist (da haben wir eine ganze Episode drüber!) oder Sisko, der die Blauäugigkeit der Sternenflotte hinterfragt, weil diese auf der Erde weit weg vom Geschehen an der Grenze thront. Ja sogar Picard, der an seinen Erfahrungen mit den Borg zerbricht.
In DIS habe ich oft den Eindruck, dass Drama nur da ist, um den Zuschauer zu fesseln, aber nicht, um die Charaktere zu formen. Die dort transportierte Agenda ist also viel weniger ein Gegenbeispiel, wie man es besser machen könnte. Sondern eine unhinterfragte, alternativlos erscheinende Position, die - wenn man ihr nicht folgt - automatisch zwischen gut und böse unterscheidet, noch bevor eine eigentliche Handlung aufgetreten ist.
Ich kann nur hoffen, dass DIS hier noch aus der Vergangenheit lernt, denn in der Retroperspektive erscheint es mir so, dass TNG in Staffel 1 und teilweise auch in Staffel 2 genau dasselbe Problem gehabt hat.

Es unterscheidet sich nur in Intensität und Aussage der Botschaft. TOS und TNG hatten z. B. eine hohe Intensität; hingegen z. B. How I Met Your Mother eine geringere. So eine Botschaft wird heutzutage gerne als "Agenda" bezeichnet wird, sobald diese Botschaft mit "persönlicher Freiheit und Gleichberechtigung" zu tun hat, aber dazu unten mehr.

Ein besonders relevanter Aspekt in dieser Hinsicht ist der sogenannte soziale Druck. Dieser wird eingesetzt gegen "Unerwünschtes". Man lässt gewissermaßen sein Gegenüber wissen, dass man etwas nicht gut findet und übt auf ihn Druck aus, z. B. um das "Unerwünschte" zu ändern.

Dieser Mechanismus an sich ist erst ein mal weder gut noch schlecht.

Es gibt z. B. die positive Ausprägung, dass jemand, der sich wie ein totales Arschloch verhält, befürchten muss, dafür ausgegrenzt zu werden.

Es gibt aber auch negative Ausprägungen, wie dass jemand ausgegrenzt wird, z. B. einfach weil er an einem bestimmten Ort geboren wurde oder ein bestimmtes Geschlecht hat.
Ja, sehr treffend analysiert. Mein Eindruck ist nur, dass sich dieser Mechanismus heutzutage eben nicht mehr nur auf den Inhalt, sondern darüber hinaus auch auf die Hollywood-Kultur ausgeweitet hat. Du magst Rose Tico oder Admiral Holdo nicht? Dann bist du ein Chauvinist. Du findest das Remake der Ghostbusters scheiße? Dann bist du ein Vertreter des männlich, weißen Patriarchats. Du findest es bescheuert, dass Arielle von einer schwarzen Schauspielerin gespielt werden soll? Dann bist du ein Rassist.
Das ist ein (in meinen Augen) völlig aus dem Ruder gelaufener gesellschaftlicher Diskurs, dem es nur noch auf political correctness ankommt, der sich hier in der Arbeit der Autoren abzeichnet. Es wird nicht mehr danach gefragt, warum etwas so ist, geschweige denn nach einer Motivation gesucht, sondern es wird einfach so gemacht und damit als einzig gültige Wahrheit deklariert. Die Probleme, die damit einhergehen, sind meiner Meinung nach ganz gravierend und natürlich fällt auch dem Publikum auf, dass es hier nicht mehr primär um Inhalte geht, sondern um einen Erziehungsaskept!
Da fühle ich mich manchmal durch mein Studium der Kulturwissenschaften an die Zeiten des Kalten Kriegs zurückerinnert - solch eine Propaganda-Maschine war damals in der Sovjet-Union Gang und Gebe.

So gab es mit der Zeit glücklicherweise einen Rückgang an diskriminierenden Konventionen wie
"Du bist aus einem unteren Stand, schäm' Dich!", "Du bist eine Frau, schäm' Dich!", "Du bist schwarz, schäm' Dich!", womit die Gesellschaft auch für Menschen lebenswerter wird, die nicht adlige, weiße Männer sind. Das ist sehr begrüßenswert.

...ebenso in Bezug auf repressive Konventionen gegen persönliche Freiheiten wie
"Du hast andere (z. B. sexuelle) Vorlieben als ich, schäm' Dich!", "Du hast andere Vorstellung, wie Dein Garten auszusehen hat als ich, schäm' Dich!", "Du willst als Frau Hosen tragen, schäm' Dich!"
Das stimmt und das war in meinen Augen die ganz große Stärke von TNG, dies eben nicht mit der Holzhammer-Methode a'la "Du machst nicht mit, du bist ein Arsch" zu erreichen, sondern indem sie solche Szenarien genommen und weiter gesponnen haben, bis die negativen Folgen offenkundig wurden. Ich erinnere mich noch an "The Drumhead", wo nur Picard als moralische Instanz erscheint und seine Gegenspieler weder mit Widerstand, noch mit Standpauken oder gar Gewalt angeht, sondern mit der Stimme der Vernunft und der Erinnerung daran, wofür sie hier eigentlich alle gemeinsam streiten (sollten). Er wird für mich erst deshalb zum moralischen Vorbild, weil er die Folgen am eigenen Leib demonstriert und obendrein immer seinen Idealen treu bleibt. Er überzeugt aus Haltung und setzt dadurch ein Beispiel.
Ich mag mich ja täuschen, aber ich kann mich an keine Episode jenseits von DS9 erinnern, die das sowohl in Star Trek als auch in einem anderen Serienuniversum vollbracht hat.

Hier kommen wie wieder auf den Punkt mit der Norm von oben zurück. Der Punkt, den DIS und die anderen von Dir genannten Beispiele hier machen, ist es als Norm darzustellen, dass nicht nur weiße Männer, sondern z. B. auch Frauen wichtige Rollen einnehmen können und sogar die Hauptrolle spielen können. Und damit natürlich den sozialen Druck mit obiger Aussage "Du erwartest, dass ausschließlich weiße Männer wichtige aktive Rollen im Leben übernehmen dürfen, schäm' Dich!" erzeugen.

Die Entwicklung bei diesen Konventionen gehen also weg von
"Es gibt EINE richtige Art, zu sein und zu leben und jeder andere ist ein Arschloch!" (also eine Gesellschaft für adlige, weiße, männliche Spießer) hinzu "Jeder kann leben und sein was er will; und jeder, der das ablehnt, ist ein Arschloch!" (also einer Gesellschaft für alle, die bereit sind, Toleranz zu leben).
Das ist auch nicht das Problem. Sondern, dass die Serien- und Filmemacher es in dieser Absicht vergessen, worauf es bei einem guten Charakter ankommt. Eine Frau in Führungsposition ist wertlos, wenn sie keine bewundernswerten Eigenschaften mitbringt. Genauso, wie ein Mann. Ob ein Charakter gelungen ist oder nicht, ist praktisch schon seit jeher unabhängig von dem Geschlecht.
Man muss Beispiele setzen, um davon zu überzeugen, dass der gewählte Weg eine gute Alternative ist. Denn ansonsten bekräftigt man damit genau die gegenteilige Meinung. Oder kennst du auch nur einen einzigen Star Wars Fan, der Rey, Rose oder Admiral Holdo als gelungene Beispiele emanzipierter, starker Frauen betrachtet? Diese 3 Figuren sind doch inzwischen zu Personifikationen von überzeichnetem Feminismus und Inkompetenz geworden bzw. symbolisieren, dass du nur dann gut bist, wenn du nie einen Fehler gemacht hast (im Fall von Rey, der ja alles wohl schon von Geburt an zugeflogen ist) - wer einer Frau in Führungspositionen ablehnt, muss also nur auf einen dieser 3 Archetypen zurückgreifen, um weiter an seiner Position festzuhalten. Diese Figuren haben jeglichen Emanzipationsbestrebungen einen absoluten Bärendienst erwiesen und sind mit Sicherheit keine guten Beispiele. Stattdessen wird es massenhaft Fans geben, die Prinzessin Leia (trotz der vermurksten letzten 3 Filme), Padme Amidala oder sogar Aila Secura als Paradebeispiele für starke Frauen identifizieren werden - und das, obwohl letztere nicht einmal ein paar Minuten Zeit auf dem Bildschirm verbringen konnte. Was machen diese 3 Beispiele also besser, als die anderen 3 von mir genannten? Sie sind menschlich, hinterfragen sich selbst und wachsen an ihren Fehlern über sich hinaus.
 

USS Nelame

Lieutenant
Nun stellt sich die Frage: Ja, aber wenn es schon immer diesen sozialen Druck gab und er sich noch gemächlich mit der Gesellschaft ändert, warum wird er denn nun jetzt plötzlich als Problem betrachtet?

Und hier fallen wir als Gesellschaft leider wieder auf die rechten Demagogen und ihre Opferrollen-Propaganda herein. Für diese ist ein beliebtes Vorgehen, Kritik an ihren Angriffen selbst als den Angriff darzustellen, kurzum: Nicht der Verbrecher sei der Böse, sondern derjenige, der den Verbrecher entlarvt.

Das ist ein beliebtes Mittel von Rechten und das wenden sie in allen Lebenslagen an, z. B.:

- irgendeinen absurden Scheiß von sich geben (z. B. man solle alle Ausländer an der Grenze erschießen)
- dann stellt jemand Fakten dagegen und zeigt, dass die Rechten Schwachsinn labern.
- Daraufhin beschweren die Rechten sich, dass das ein Angriff auf die Meinungsfreiheit sei - offensichtlich totaler Blödsinn* - aber plötzlich ist der rechte Spinner in der Opferrolle.
(* Angriff auf Meinungsfreiheit wäre es, wenn man verhindert hätte, dass sie es sagen. Sie es stattdessen offen sagen zu lassen und unter Verwendung der Meinungsfreiheit mittels Fakten als Trottel zu entlarven ist hingegen gelebte Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, dass man dafür gefeiert wird, scheiße zu labern, sondern nur, dass man das Recht hat scheiße zu labern und sich danach anhören darf, wie scheiße das war, was man da gelabert hat.)

Und was macht es einfacher, sich in die Opferrolle zu stellen? Propaganda-Begriffe!
Das ist so treffend beschrieben, dass ich da nichts mehr weiter hinzufügen kann. Genauso empfinde ich es auch, nur empfinde ich diese Taktik bereits als so ausgelutscht und durchschaubar, dass sie mir nur noch ein müdes Lächeln abjagt. Leider aber gibt es immer noch genug Menschen, die darauf hineinfallen.


Und da sind wir nun: Solange der soziale Druck im Interesse der rechten Spinner benutzt wird, um Ausländer auszugrenzen oder um Frauen am Herd zu halten oder um diejenigen auszugrenzen, die den Führer kritisieren oder die Hippies, die sich die Haare nicht schneiden lassen wollen, finden die Rechten das super.

Aber sobald der soziale Druck stattdessen sich gegen Ausgrenzung der Ander(-sdenkend-)en wendet, dann heißt er plötzlich "Political Correctness" und wird zu einer angeblich unerträglichen Unterdrückungs-"Agenda" der "Gutmenschen".

Und daher ist es wichtig, dass wir nicht auf deren Begriffs-Propaganda reinfallen! Und dann muss man sagen: Ja, ich möchte, dass es allen Menschen gut geht, also bin ich halt ein Gutmensch.
Einerseits ja. Andererseits erlebe ich (vielleicht durch mein akademisches Umfeld) aber auch den Druck gleichermaßen von der linken Seite des politischen Spektrums. Ich scheue mich nicht davor zu sagen, dass der Platz in einem Land begrenzt ist oder dass man nur sozial gegenüber Ausländern sein kann, wenn man dies auch gegenüber der eigenen Bevölkerung ist. Das aber in bestimmten Kreisen geäußert deklariert mich zum "Rassisten" und "Kapitalisten". Und das, obwohl ich normalerweise von der "Kapitaldiktatur" spreche.
Das Problem erscheint mir also zu sein, dass beide Seiten nicht mehr miteinander reden, dass akademisch geprägte Felder aber vor allem links besetzt sind und neben ihrer Ideologie keine Alternative mehr zulassen (ich sage nur "Sprache gendern"). Und da Hollywood wohl nach wie vor vor allem links besetzt zu sein scheint, kriegen wir in deren Produktionen auch deren Ideologie 1 zu 1 mitgeteilt.

Zu erwähnen wäre natürlich noch, dass die Botschaft einer Serie gerade dann besonders intensiv ist, wenn sie von jeweils aktuellen gesellschaftlichen Konventionen abweicht; das taten TOS (z. B. schwarze Frau und Russe im Kommandostab) und TNG (z. B. einvernehmliche Problemlösungen) sehr stark. Diese hatten also eine deutliche Agenda und das war super!
Absolut. Und dadurch haben beide Serien auch Gegenbeispiele zu tatsächlichen Missständen aufgezeigt und - ich denke - auf lange Sicht zu einer Verbesserung der Welt beigetragen. Ganz im Sinne Roddenberrys Star Trek.

DIS ist sehr viel weniger extrem als Star Trek es zuvor war; in Bezug auf Diversität sind sie aber ganz ok (ein ausgeglichenes Geschlechter-Verhältnis; die 2. (bei bis dato 7) Star Trek-Serien mit weiblicher Hauptrolle; ein homosexuelles sowie ein heterosexuelles Pärchen usw.) - in Bezug auf Problemlösung waren sie natürlich nicht gut.

Was mich persönlich dabei sehr stört, ist dass diese anti-freiheitliche und anti-Gleichstellungs-Kritik die berechtigte inhaltliche Kritik (Logikfehler; faschistischer Geheimdienst-Blödsinn usw.) überschattet. Es gibt so vieles, was ich an DIS kritisiere, aber in die Medien schafft es dann diese lächerliche sexistische, homophobe Kritik der neuen Rechten.
Es muss ja nicht extrem sein, um gutes Star Trek zu sein. Aber ja, wenn die Inhalte und Geschichte halt schlecht sind, dann kann die Serie noch so divers und repräsentativ sein - Scheiße bleibt Scheiße. Ob nun von einem weißen, schwarzen, männlichen, weiblichen, transsexuellen, heterosexuellen oder cis-pan-nochwas Menschen produziert.

Wo ich das nun alles geschrieben habe, möchte ich nochmal auf den Charakter zurückkommen...
Als Verräter von der Sternenflotte verurteilt, dann als Berater an Bord des Schiffes - und irgendwie drängen die Autoren den Charakter immer wieder in den Vordergrund jeder Handlung, ohne dass es irgendeinen Sinn ergibt! Kein Wunder, dass die Leute sich darüber aufregen... würde man meinen. Aber irgendwie hatte niemand ein Problem mit Tom Paris - Beobachter... ok, Pilot... na gut.... ach, machen wir ihn doch auch noch zur Krankenschwester, so dass er auch in jeder Szene mitspielen darf, in der der Doktor vorkommt. Ok, Voyager's erste Außenmission... wir wollen untersuchen, wie es zu dieser verheerenden Explosion kam... wen nehmen wir mit? Den Wissenschaftsoffizier? Ach nee, komm', lassen wir doch den Piloten das Ganze untersuchen - und siehe da, nicht die wissenschaftlich gebildete Janeway hat den rettenden Einfall, wo sie nach der ionischen Energie suchen müssen, sondern unser All-rounder Paris! Das ist mir jetzt aufgefallen, als ich VOY nochmal von vorne geschaut habe.
Aber während niemand ein Problem mit "Pary Sue" hatte, beklagen wir uns nun alle über Burnham.

Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, dass es hier einen gewissen Doppelstandard gibt. Bei weiblichen Protagonistinnen verlangen wir, dass sie gut sein müssen. Sonst werden sie gnadenlos niedergeschrien. Bei männlichen Protagonisten reicht oft offenbar sehr viel weniger, dass wir sie einfach akzeptieren. Wie seht Ihr das?
Ich kann dieses Gefühl nachvollziehen, muss deine Aussage da aber etwas relativieren. Denn dieses "Mary Sue"-Problem ist mir schon bei Wesley Crusher aufgefallen und hat sich entsprechend bei Paris nur fortgesponnen. War natürlich in beiden Fällen komplett an den Haaren herbeigezogen und stellt beide im Endeffekt auf die selbe, absurd übermenschliche Stufe, wie Rey in den neuen Star Wars Filmen. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass das auch auf Chakotay und Malcolm Reed in gewisser Weise zutrifft. Das sind Mädchen für alles, in allem irgendwie fähig und als Lückenfüller immer zur Stelle, ohne durch ihre Eigenarten einen individuellen Touch zu vermitteln. Die einzigen Episoden, in denen Chakotay mir in dem Sinne positiv aufgefallen war, sind Scorpion und Equinox - beides Episoden, wo er dann treffender Weise mit Janeway aneinander gerät. Und alle diese hier genannten Charaktere empfinde ich dementsprechend auch als schlechte Charaktere. Denn sie haben kaum (bzw. in Reys Fall sogar keine) Schwächen, an denen sie wachsen oder eben auch menschlich erscheinen können. Die sind wie Maschinen. Wie Data (oder 7of9), nur eben ohne das Bestreben, sich zu verbessern (ohne dieses Bestreben wäre auch Data ein völlig uninteressanter und viel zu fähiger Charakter gewesen, durch diese eine Schwäche aber wurde er mit zum besten Charakter in TNG).
Trotzdem teile ich deine Beobachtung, dass es bei weiblichen Charakteren noch viel mehr kritisch beäugt wird. Ich denke aber, unser Ziel sollte es nicht sein, sich irgendwann mit weiblichen Mary Sues abzufinden. Sondern viel eher, dass es weniger Mary Sues in der Geschichtenerzählung gibt - egal, ob sie nun männlich oder weiblich sind.


@USSNelame:
Entsprechend teile ich aber den Eindruck, dass die heutigen Serien im Kern leider - wie Du schreibst - unglaublich leer sind und gleichzeitig die - in DJDoenas Video erwähnte - Moral vermissen lassen.

Auch wenn wir bei der Gleichberechtigung offenbar wenigstens einen Schritt weiter gekommen sind, bräuchte es halt dennoch jemanden, der sich (zusätzlich) auch mal wieder auf den Inhalt konzentriert.
Dieses einfache Statement kann ich gar nicht genug betonen, denn es bringt die Hauptproblematik perfekt auf den Punkt. Es wird keine Moral vermittelt, indem sie gelebt wird, sondern sie wird als vorgeschriebenes Faktum präsentiert, das - bei Zuwiederhandlung - dich automatisch zum Bösen macht. Und gleichzeitig transportieren die Inhalte keinen Grund, warum dieses Faktum nun erstrebenswert sein soll.
 
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