Wenn ihr glaubt, an dem Zustand Deutschlands sei nur eine einzige Partei Schuld, dann seid ihr aber ganz gewaltig auf die Propaganda der gegnerischen Partei reingefallen. Fakt ist, dass die Probs teilweise extrem tief verwurzelt liegen, so tief, dass es dem gemeinen Volk nicht plausibel zu machen ist, und so wird halt die Populismus-Trommel gerührt.
Was die Schwerindustrie in Mitteldeutschland angeht: die wurde als Teil der Arbeitsteilung im RGW und im Nacheifern der UdSSR errichtet, obwohl die DDR überhaupt keine natürlichen Voraussetzungen dazu hatte. Insofern mag ich es bezweifeln, ob diese Unternehmen in einem liberalisierteren Markt überhaupt eine Überlebenschance gehabt hätten.
Das Problem heute sehe ich woanders: nämlich in der Mentalität der Deutschen! Das Klischee des Volkes, das Angst vor Reformen hat, gilt immer noch, und wie! So wird keine Bürokratie abgebaut und keine Reformen im Bildungssektor in Angriff genommen, egal ob FDP, SPD, CDU oder Grüne oder nochmal andere, mach euch da mal keine Illusionen! Aber gerade die beiden Punkte sehe ich als eminent wichtig an, denn der Lebensstandard eines Landes basiert auf dessen Fähigkeit Güter zu produzieren, allein darauf. Daher sind auch Lohnstreitigkeiten als Grund für mangeldes Wirtschaftswachstum oder anderes nur vorgeschoben. Und unsere Produktion von Gütern und Dienstleistungen erhöht sich desdhalb nicht mehr, weil es an Fachleuten fehlt (Bildungssystem) und weil das Verfahren extrem erschwert wird (Bürokratie). Gut finde ich Eichels Konsolidierungsplan, da der Staat als ausfallender Kreditnehmer die Kreditkosten nicht mehr erhöht und somit Eigenkapitalaussattung für die Privaten billiger macht.
Noch ein paar Denkanstösse möchte ich euch mitgeben, warum ihr als aufgeklärte Menschen bitte nicht mehr auf Aussagen "20 Jahre Herunterwirtschaftung der Vorgänger" und ähnlichen Dreck reinfallen solltet:
oft haben wirtschaftspolitische Massnahmen Folgen, die gar nicht beabsichtigt sind und auch schwer vorauszusehen sind. Als Beispiel wird hier von Ökonomen gern die Gurtpflicht herangezogen. Das gesunkene Verletungsrisiko verleitet die Menschen dazu, unvorsichtiger zu fahren ---> Todesfälle im Auto gehen zurück, Unfallzahlen steigen drastisch an (prozentual per Auto). Todeszahlen unter Fussgängern steigen logischerweise noch. Jetzt gibt es bald Airbags für Fussgänger, da ist zu erwarten, dass Autofahrer noch weniger auf Fussgänger aufpassen.
Ähnliches kann man acuh auf andere Gebiete anwenden, z.B. Ökosteuer: die Leute werden weniger Auto fahren, da es teurer wird, sie werden aber auch wieder näher an ihren Arbeitsplatz ziehen, was neue Siedlungsstrukturen erwarten lässt etc... ihr seht schon...
Daneben gibt es noch Probleme, die eigentlich gar nicht Lösbar sind, wie das der Krankenkassen:
die Kostenexpolosion kommt daher: was tu ich als Individuum, wenn ich Kosten auf die Gesellschaft abwälzen kann? Wenn die Gesellschaft für mich mitzahlt, dann wäre ich ja dumm, wenn ich jetzt nicht besonders billig mich im Gesundheitssektor bedienen würde. Denken jetzt aber alle so, dann wäre es immer noch für mich noch das beste, fett die Leistungen in Anspruch zu nehmen, da ich sonst für geringe Leistungen viel zahle, damit die anderen davon Profitieren. Ein Kausalitätsparadoxon, dass immer zum schlechteren Ergebnis führt, obwohl jeder das tut, was für ihn am besten ist.
Aber wo will man durchtrennen? Ein System in den USA, wo man wieder selbst zahlt? Wer will die Entscheidung zwischen Moral hier und Moral da treffen? Und kommt da nicht jeder von uns auf eine andere Lösung, da es eine optimale Lösung gar nicht gibt?