Oh nein, keineswegs. Erst gestern erhielt ich den Brief eines Mannes(!). Er schrieb:
Sehr geehrter Herr Günter,
schon seit Monaten quält mich diese Ungewissheit, was mit meinem Leben anzufangen ist, welchen Sinn es hat, welche Ziele ich anstreben sollte. Doch war ich bis zu diesem Tage unfähig, eine wahrhaft befriedigende Antwort zu finden. Hatte ich doch erst neulich -oder war es doch schon ein größerer Zeitraum(es blieb mir tatsächlich verschlossen)- Abschied genommen, von denen, die sich die geistig reinen schimpften und auf alles eine Antwort zu wissen glaubten, wie die Telefonrechnung einer mir nahestehenden Person dann aber widerlegte, um meine eigenen Pfade zu wandeln, geistige Ungebundenheit, gar Freiheit(Andere kundeten mir, dass dieser Zustand nicht wirklich existiere - eine interessante Theorie) zu suchen und zu genießen. Alsbald bewegte ich mich aber in Gefilden, die wohl die Lasterhaftesten von allen sind, den Einzeilern: Ich füllte eine Zeile - mehr nicht, achtete penetrant auf die Einhaltung dieser Trennlinie, welche mich von der nächsten Zeile trennte und mich somit in eine Gruppe erhoben hätte. Von Zeilen kam ich so auf Sätze und von da auf wenige Worte - wollte mich in der Sicherheit wägen, kein Zeichen zu verschwenden - und kürzte schließlich meinen Gedankenfluss, welcher auch so kaum vielfältiger und umfangreicher war in seiner in Wort gebannten Form, noch weiter zurück. Nicht, dass ich viel hätte kürzen müssen. Doch war es einfach Zwang, den eigenen Geist zu beschneiden.
Und nun stehe ich vor dem Trümmerhaufen meiner Selbst. Der Weg zurück ins Wort, in die vielen Worte ist schwer und mit nicht wenigen Unnanehmlichkeiten versehen, wie Argumenten und Satzbau, gar Teile von Grammatik sind zu beachten.
Ich beschwöre sie, werter Herr Günther, weisen sie mir den Weg, illuminieren sie meine Geist durch ihrer Weisheit.
Ich danke ihnen, ihr
Samuel M. S.