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Die Welt des 24. Jahrhunderts - Ein trügerisches Utopia

Dieses Thema im Forum "Allgemein" wurde erstellt von Montrovant, 26. Oktober 2011.

  1. hannibal

    hannibal Lieutenant

    Es geht in dieser Folge einzig um die Frage, ob man bei einer Maschine mit Intelligenz von Leben sprechen kann oder nicht. Für mich ist das nicht Rassismus, darunter verstehe ich etwas anderes. Der gute Mann sah ihn nicht als Lebewesen, sondern einzig als eine Maschine, die programmiert wurde. Er sagt ja sogar noch, wenn ich mich richtig erinnere, daß Data den Menschen in so gut wie allen technischen Bereichen überlegen ist. Rassismus, bei dem der Diskriminierte offen als höherbegabt angesehen wird? Normalerweise läuft Rassismus ja so ab, daß der Betroffene als minderwertig eingestuft wird. Ich bin zudem ja auch nicht rassistisch, wenn ich meinem Rechner die Lebensdaseinsberechtigung entziehe, indem ich ihn zum Fenster rauswerfe oder einen Blume (Lebewesen!) am Wegesrand pflücke und meiner Freundin schenke. ;)
     
  2. Vulcan

    Vulcan Lieutenant

    Und Sklaven wurden früher nicht als voll beseelte Wesen, sondern als Seelenlose (bzw. als Wesen, die ihre Seele nicht in vernünftigem Maße ausbilden können) gesehen. Anderer Begriff, gleiche Denkweise, gleiche Konsequenzen.

    Den afrikanischstämmigen Sklaven wurden früher ebenfalls überlegenden Fähigkeiten z.B. bei körperlicher Arbeit nachgesagt.
    "Nur" in dem Bereich der Entfaltung der Seele und in damaliger Denkweise somit der Fähigkeit der Selbstbestimmung wurde ihnen das Defizit nachgesagt. Ihnen wurde die Selbstbestimmtheit abgesprochen, weil sie keine vollwertigen Menschen seien.
    Und eben das wird hier auch Data nachgesagt: Er ist in so gut wie allen technischen Bereichen überlegen (Stärke, Berechnungen, was halt so an stumpfer Arbeit anfällt), aber die Selbstbestimmtheit wird ihm abgesprochen, weil er keine vollwertige Lebensform sei.

    Dabei ist ja auch gar nicht (zwangsläufig) davon auszugehen, dass Maddox die ganze Aktion aus bösem Willen macht oder im Entferntesten sich bewusst ist, welch rückschrittige Sichtweise er da anführt. Es ist seinem Geist - aus den Definitionen der Gesellschaft in der er lebt - schlichtweg fremd, zu erkennen, dass Data eine gleichwertige Lebensform darstellt.
    Bis zum Zeitpunkt, wo Data auf den Plan tritt, waren Maschinen in der Regel nicht mal annähernd in der Lage, ähnliche Fähigkeiten wie Menschen an den Tag zu legen. Der Mensch neigt dazu, seine Welt nach seinen Erfahrungen zu beurteilen. Dabei greift er in der Regel eher auf bereits gefertigte Meinungen zurück, als sie bei jeder Aktion neu nach objektiven Maßstäben zu überdenken. Dies ist eine natürliche Vorgehensweise des Gehirns, um "Ressourcen" zu sparen (und Entscheidungen überhaupt in vernünftiger Zeit fällen zu können).
    Wenn Maddox einen Tricorder anschaut, dann wird er nicht jedes Mal die Fähigkeiten des Tricorders an objektiven Maßstäben bewerten, um neu zu prüfen, ob er mehr ist als nur ein Werkzeug. Stattdessen sieht er den Tricorder und nutzt ihn einfach als Werkzeug. Dies überträgt er ganz natürlich auch auf PADDs und alles, was grob wie ein Tricorder daherkommt - und daher auch auf Data.
    Ähnlich würde ein Mensch der heutigen Zeit auf ein Tier reagieren, welches in einen Intelligenzbereich vergleichbar der eines Menschen vorstößt. Selbst wenn klare Anzeichen einer selbstbestimmten, selbstreflektierten etc. Intelligenz erkennbar wäre, würde der Mensch sie aus Gewohnheit in der Regel erst einmal ignorieren bzw. verneinen und weiter von einem einfachen Tier ausgehen. (Der Vollständigkeit halber sollte ich wohl erwähnen, dass unsere Gesellschaft den tatsächlichen Status von Tieren und ihre (Nicht-)Intelligenz und Fähigkeit zur Selbstbestimmung etc. bisher in keinster Weise befriedigend geregelt bzw. geklärt bzw. objektiv begründet hat).
    Auch ein Mensch aus der Zeit der Sklavenhaltung wird in der Regel aufgrund seiner gesellschaftlichen Konventionen und Gewohnheiten einen Vorwurf des Rassismus wegen der Behandlung der Sklaven als abstruß verwerfen, weil es für ihn vollkommen unverständlich wäre, wie man der Meinung seien könnte, dass ein "Werkzeug" selber ordentlich für sich sorgen könnte.
    Die Erkenntnis, welche sich mit dem Infragestellen der eigenen gewohnten Sichtweisen und gefestigter Meinungen ergibt, würde sich in all diesen Fällen nur langsam einstellen.

    Wenn Dein Rechner oder die Blume sich in qualifizierter Weise so verhalten würden, dass ihre Intelligenz bzw. Fähigkeit der Selbstbestimmtheit etc. bei objektiver Betrachtung erkenntlich wäre, wäre das Beharren auf dem Recht, deren Existenz zu beenden, durchaus rassistisch. Da sie das sicherlich bisher nicht getan haben werden, bist Du enstprechend natürlich nicht rassistisch.
    Das Komplizierte daran wäre, was "in qualifizierter Weise" bedeutet. In Datas Fall ist das Ganze so gesehen sogar noch recht einfach. Datas Gleichwertigkeit ist einigermaßen offensichtlich - er hat sogar selbstbestimmt mit Maddox zusammen studiert usw. . Daher sehe ich Maddox' Rassismus hier als absolut evident an - auch wenn Maddox selber das natürlich anders einordnen würde, aber die wenigsten Menschen ordnen ihren Rassismus als Rassismus ein.

    Dass tatsächlich Dein Rechner oder die Blume vor der Tür in einen oben beschriebenen Bereich kommt, ist sicher extrem unwahrscheinlich, weil beide weit außerhalb unserer Wahrnehmung von Intelligenz liegen.
    Obwohl das Beispiel mit der Blume natürlich nebenbei zeigt, dass die Frage, ob Data ein Lebewesen ist, nur eine vorgeschobene Frage ist - in Wirklichkeit wird über seine "Gleichwertigkeit" diskutiert. Denn Blumen sind ebenfalls Lebewesen, haben in der Föderation aber auch nicht die selben Rechte wie z.B. Menschen.

    Schwieriger wird es da schon bei der Frage, was Du z.B. mit Deinem Hund anfangen darfst - auch wenn man bedenkt, an welchen Konzepten z.B. Datas "Gleichwertigkeit" (bzw. ob er "lebt") in der Folge gemessen wird. Das beginnt schon schlicht damit, dass es uns an Verständigkeitsmöglichkeiten fehlt. Data kann einfach gefragt werden, wo er sich gerade befindet und wieso er sich dort befindet und was er dort tut und somit vergleichsweise einfach sein Selbstbewusstsein geprüft werden. Man stelle sich den selben Test mit einem Hund vor, der würde sicher nur ":confused:" verstehen; aber wenn man das selbe mit einem anderen Menschen versucht, der nicht die selbe Sprache spricht, kommt das selbe ":confused:". Dennoch gehen wir aktuell davon aus, dass Hunde in gewisser Weise minderwertig den Menschen gegenüber sind. Und diese Schwierigkeiten bestehen sogar, obwohl Hunde dem Menschen doch extrem ähnlich sind in Relation zu den möglichen Objekten und Entitäten, die unser Universum bieten kann.

    Kurzum: Was diese Rassismus-Folge hauptsächlich zeigt, ist, dass wir unsere eigenen Ansichten immer mal wieder nach objektiven Maßstäben auf den Prüfstand stellen müssen. Denn Rassismus und Diskriminierung ist in vielen Fällen nichts, wofür sich jemand aktiv entscheidet oder etwas aus Böswilligkeit geborenes, sondern sie rühren auch sehr oft schlicht von Beharren auf einmal getroffenen Ansichten sowie Problemen bei dem Verständnis für das Fremde bzw. Andersartige her.
     
  3. Peter von Frosta

    Peter von Frosta Lieutenant Junior Grade

    Das galt auch mal für rothaarige Menschen :D